«Wer wird in diesem Schattenloch sitzen wollen?»

Platz hinter Luzerns Regierungsgebäude soll schöner werden

Die Parkplätze beim Regierungsgebäude in Luzern. (Bild: mst)

Der Grosse Stadtrat will den Parkplatz beim Regierungsgebäude in Luzern attraktiver machen. Doch braucht es das? Genau diese Frage stellte sich auch das Parlament.

Es ist das nächste Kapitel in einer Geschichte, die bereits 40 Jahre alt ist: Sollen die Parkplätze, die dem Kanton gehören, aufgehoben werden oder nicht? Vereinfacht gesagt war der Kanton bisher dagegen, die Stadt dafür.

Die kantonale Verwaltung zieht voraussichtlich 2026 grösstenteils an den Seetalplatz in Emmenbrücke um. Deswegen besteht bei einer Mehrheit des Luzerner Stadtparlaments die Hoffnung, dass die Parkplätze bald aufgehoben werden und an dieser Stelle ein neuer Platz für die Bevölkerung entsteht (zentralplus berichtete). Zudem sollen die Parkplätze auf dem Franziskanerplatz durch Grünflächen ersetzt und ein besserer Velo- und Fussgängerweg erstellt werden.

Am Donnerstagnachmittag debattierte der Grosse Stadtrat über ein Postulat von Vertretern der SP, Grünen und Grünliberalen. Dieses verlangt, dass sich der Stadtrat für die Aufwertung einsetzt. SVP-Vertreter Patrick Zibung sprach sich gegen das Vorhaben aus: «Der Kanton wird die Parkplätze sowieso weiterhin brauchen, auch wenn ein Teil der Verwaltung wegziehen wird.» Zibung zeigte sich aber teilweise einverstanden damit, da es für Velofahrer und Fussgängerinnen Optimierungspotenzial gebe. Dann wurde er grundsätzlicher: «Im näheren Umfeld haben wir viele Aufenthaltsgelegenheiten, etwa an der Reuss. Ich frage mich schon: Wer wird da hinten in diesem Schattenloch sitzen wollen?»

FDP äussert Sicherheitsbedenken

Ob ein umgestalteter Ort tatsächlich attraktiv für Besucher würde, fragte sich auch FDP-Grossstadtrat Alexander Stadelmann. «Er ist eingepfercht zwischen drei Gebäudekomplexen. Zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität gibt der Innenhof wenig her, da insbesondere auch die Besonnung wenig optimal ist. Es gibt zahlreiche attraktivere Orte.» Vielmehr könne der Platz zum Tummelplatz von Personen werden, die man da nicht haben möchte, gab er zu bedenken. Trotz dieser Einwände unterstützte die FDP das Anliegen schliesslich. Baudirektorin Manuela Jost (GLP) entgegnete, in der ganzen Stadt müsse man schauen, wie man eine sichere Umgebung schaffen könne.

SP-Grossstadtrat Yannick Gauch fand, der neue Park würde einen «wunderbaren Rückzugsort» bieten. Er kam auch auf das Klima zu sprechen: «Eine Begrünung der Fläche ist Teil der nachhaltigen Klimapolitik.» Marco Müller von den Grünen ging auf das SVP-Votum des «Schattenlochs» ein: «Ich glaube, man wird in Zukunft froh sein, dass man in der Stadt Plätze haben wird, die Schatten haben.»

«Der Verkehrsraum ist eng und unübersichtlich»

In der Debatte ging es auch um die engen Platzverhältnisse für Passanten. Es seien dringend Verbesserungen für Fussgänger und Velofahrerinnen nötig, war sich der Rat einig. «Der Verkehrsraum ist eng und unübersichtlich», betonte Yannick Gauch. Stefan Sägesser von den Grünliberalen brachte noch ein weiteres Argument vor: «Wir werden mit dem Bau des Luzerner Theaters über kurz oder lang eine Freizone verlieren.» Der neue Platz wäre ein guter Ersatz, meinte er.

Wie teuer ein allfälliger Umbau des Platzes wird, konnte Baudirektorin Manuela Jost (GLP) nicht sagen, dafür sei es zu früh. Der Rat überwies das Postulat, einzig einzelne SVP-Vertreter stimmten dagegen. Die Stadt wird sich beim Kanton also für eine Aufhebung der Parkplätze hinter dem Regierungsgebäude einsetzen. Doch ob dieser mitmacht, steht auf einem anderen Blatt.

Verwendete Quellen
  • Postulat
  • Diskussion im Grossen Stadtrat vom 9. März 2023
4 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon