Politik
So will der CVP-Ständerat seinen Sitz verteidigen

Peter Hegglin: «Die Englisch-Geschichte war ärgerlich»

Bei Peter Hegglin gibt es nicht bloss einen Flyer, sondern ein «Nussli-Törtli» mit selbstgemachtem Honig. Im Hintergrund die Zuger CVP-Präsidentin Laura Dittli. (Bild: sib)

Peter Hegglin (CVP) schaffte vor vier Jahren problemlos den Sprung vom Zuger Regierungsrat in den Ständerat. Nun tritt er im Kampf um die Wiederwahl gegen zwei alte Weggefährten an. Für ihn ist klar: Eine echte Alternative zum Amt in der kleinen Kammer gibt es nicht.

Auf eine mögliche Abwahl als Ständerat angesprochen, wird Peter Hegglin deutlicher, als man es von ihm gewohnt ist. Unmissverständlich macht er klar: «Ich strebe die Wiederwahl an. In der Politik habe ich keinen Plan B.»

Er verweist auf seine Vorstandstätigkeiten, sollte ihm die Zuger Bevölkerung tatsächlich das Vertrauen entziehen. So ist der 58-Jährige unter anderem Präsident der IG Zuger Chriesi, der Gesellschaft zum Zytturm, des Netzwerks mineralische Rohstoffe Schweiz sowie der Branchenorganisation Milch.

Für ihn habe Priorität, sein «Werk» im Stöckli fortführen zu können. Die vier Jahre in der kleinen Kammer sollen nicht umsonst gewesen sein. Laut Hegglin diente die erste Legislaturperiode auch dazu, sich ein Netzwerk zu erarbeiten sowie sich in die Dossiers einzuarbeiten.

Kein einfacher Wechsel

Der Wechsel von der Regierung in die kleine Kammer sei eine ziemliche Umstellung gewesen: «Die Exekutive ist viel dynamischer als die Legislative. Man kann Projekte aufnehmen, mit der Umsetzung beginnen und sie vors Volk bringen.» Als Ständerat sei dies etwas anders. «Es ist eher eine Aufsichtstätigkeit über Bundesrat und Bundesverwaltung sowie die nationale Gesetzgebung.»

«Ich bin eventuell etwas zu schnell und unbedarft reingegangen.»

CVP-Ständeratskandidat Peter Hegglin

Sollte es mit einer zweiten Amtsperiode klappen, weiss Hegglin bereits, wo er Schwerpunkte setzen würde. «Ich werde mit Beginn der Legislatur Präsident der Finanzkommission und Mitglied der Finanzdelegation, dem engeren Zirkel der Finanzkommission, der sich mit sehr komplexen Fragen innerhalb der Bundesverwaltung auseinandersetzt.»

Weiter hat er inzwischen in die Gesundheitskommission gewechselt. Entsprechend sind die Gesundheitskosten ein zentraler Pfeiler. «Ich möchte mithelfen, dass die Krankenkassenprämien in einem ‹zahlbaren› Bereich liegen. Das Zweite ist die Altersreform», führt der frühere Präsident der Zuger Pensionskasse aus. «Wir müssen unsere Altersvorsorge so ausgestalten, dass weder die ältere, noch die junge Generation zu kurz kommt.» Ausserdem würde er gerne in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben Einsitz nehmen.

Zug in der Minderheit

Als prägendste Geschäfte in seiner Zeit in Bern nennt der Menzinger unter anderem die Steuerreform, die CVP-Initiative zur Heiratsstrafe sowie den nationalen Finanzausgleich – auch wenn letzterer mit der weiss-blau-weissen Brille betrachtet «noch optimaler hätten ausfallen können», wie er findet.

In Bern will er bleiben: Peter Hegglin auf der Bundeshausterrasse. (Bild: wia)

«Zug ist finanziell rund dreieinhalb Mal so stark wie der schwächste Kanton. Dies ist eine riesige Differenz, die man angemessen ausgleichen muss. Der Zusammenhalt der Schweiz braucht dies. Wir sind jedoch bloss sechs bis acht Geberkantone.» Konkret: Hier eine Mehrheit zu gewinnen, ist fast aussichtslos, da jeder Kanton seine Interessen vertreten muss. Deswegen sei die Reform auch schwierig zu bewerkstelligen gewesen.

Die Untervertretung der finanzstarken Kantone – mit dem Zürcher Ueli Maurer stammt nur ein Bundesrat aus einem Geberkanton – war auch einer der Gründe, weshalb Hegglin vor knapp einem Jahr für den Bundesrat kandidiert hatte (zentralplus berichtete).

«Ich hatte keine Agentur im Rücken, sondern habe die Zügel selbst in die Hand genommen.»

Hegglin stolperte unter anderem über sein wenig sattelfestes Englisch. Sätze wie «on English c'est difficult» blieben haften. Wie sieht er seine Kandidatur heute? «Ich bin eventuell etwas zu schnell und unbedarft reingegangen. Ich hatte keine Agentur im Rücken, sondern habe die Zügel selbst in die Hand genommen. Die Geschichte mit dem Englisch war ärgerlich. Ich muss ehrlich zugeben: Ich brauche es nicht wahnsinnig oft, weswegen mir die Übung etwas abging.» Ob ihm die Bundesratskandidatur schaden wird, werde sich bei den Ständeratswahlen zeigen.

Alte Weggefährten als Rivalen

Der ausgebildete Landwirt trifft bei diesen auf bekannte Konkurrenz: Seine grössten Herausforderer Matthias Michel (FDP) und Heinz Tännler (SVP) kennt er schon weit über 20 Jahren aus gemeinsamen Kantons- und Regierungsratstagen. Mit dem amtierenden Finanzdirektor absolvierte er gar bereits die Rekrutenschule.

Peter Hegglin geht am Zuger Bahnhof auf Stimmenfang. (Bild: sib)

Hegglin nimmt die besondere Konstellation gelassen hin: «Ich musste schon länger damit rechnen, da beide ihr Interesse am Amt in der Vergangenheit bereits haben durchschimmern lassen.» Auf die Frage nach einem persönlichen Favoriten als Ständeratskollegen weist er auf die Listenverbindung zwischen CVP und FDP hin.

CVP als Erfolgsgarant?

Er betreibe jedoch sowieso nicht gegen einen Kandidaten Wahlkampf. «Man wird nicht besser, wenn man andere schlecht macht.» Von Negative Campaigning hält er nicht viel. Zur Negativkampagne seiner eigenen Partei, welche kürzlich hohe Wellen schlug, äussert er sich nicht explizit (zentralplus berichtete).

«Ich hatte nie das Gefühl, woanders eine neue Herausforderung suchen zu müssen.»

Trotz stürmischen Zeiten in der eigenen Partei, ist er überzeugt, dass sie im Kanton Zug ein gutes Resultat erzielen wird. «Die Zuger CVP ist seit Jahren prägend für den Kanton. Wir waren immer die Partei, die sowohl wirtschaftsfreundlich ist, als auch für soziale Verantwortung einsteht. Dies hat den Kanton so erfolgreich gemacht.» Die Mitte müsse ausserdem gestärkt werden. «Die Exponenten an den Rändern mögen die Publizität bekommen, doch eine Lösung findet man, wenn jeder etwas von seiner Position abrückt.»

Ein treuer Charakter

Peter Hegglin wuchs in Edlibach auf. Immer hat er, abgesehen von einem Aufenthalt zu Ausbildungszwecken in Lausanne, im zu Menzingen gehörenden Dorf gewohnt. Auf die Frage, was Edlibach ausmacht, gerät er ins Schwärmen: «Klasse Aussicht, gute Luft, wenig Nebel, besonders am Abend viel Sonne, kurze Wege nach Zug und Zürich.»

Ernsthafte Gedanken an einen Wegzug habe er niemals gehegt. «Dadurch, dass ich mein Gut aufbauen wollte, stand die Frage nie im Vordergrund. Ich hatte immer zu tun, weswegen ich nie das Gefühl hatte, woanders eine neue Herausforderung suchen zu müssen.» Den Hof seiner Eltern übernahm er mit 27 Jahren, stellte ihn auf Bio um. Als er 2002 nach zwölf Jahren als Kantonsrat in den Regierungsrat gewählt wurde, verkaufte er das Inventar und die Tiere. Das Land verpachtete er an drei Berufskollegen. «Mir war bewusst: Werde ich mit 42 Jahren in die Regierung gewählt, werde ich den Betrieb aufgeben. Das Volk hat mir mit meiner Wahl gewissermassen die Entscheidung abgenommen, auf welche Karte ich setzen soll», blickt der leidenschaftliche Imker zurück.

«Das Wurm-Plakat ist abscheulich.»

Er sei durch seine jetzigen Tätigkeiten sehr gut ausgelastet, weswegen er auch aktuell nicht von akutem Fernweh geplagt werde. «Das Reisen interessiert mich schon. Doch stundenlang an den Flughäfen und im Flugzeug zu sitzen, ist nicht so meins.» Diesen Sommer allerdings besuchte der vierfache Familienvater (drei Töchter, ein Sohn) seinen Filius Patrick in Georgien. Dieser befindet sich aktuell mit seiner Freundin auf Weltreise mit einem umgebauten Saurer-Lastwagen (zentralplus berichtete). Hegglin gerät ob der georgischen Landschaft ins Schwärmen, erzählt Anekdoten, wie das Gefährt durch sein Aussehen mehrmals für einen alten Ural-LKW gehalten wurde.

Heftige Kritik an der SVP

Auch das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug hat es Hegglin angetan. Auf der Tribüne sass er unter anderem neben SVP-Nationalrat Thomas Aeschi. Also neben einem jener Exponenten, der das provokative Wurm-Plakat seiner Partei stets verteidigt hat. Hat sich Hegglin neben Aeschi nicht als Wurm gefühlt? Er lacht zuerst auf, wird dann aber ernst. «Dieses Plakat ist unter aller Würde. Es gibt ja nichts Schlimmeres im Apfel oder in der Kirsche als einen Wurm. Und die SVP bezeichnet uns als dies. Ich finde es eine deftige Bildwahl und abscheulich.»

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