Politik
Neue Massnahme des Bundesrats polarisiert

Nur noch mit Zertifikat ins Kino: So reagiert das Bourbaki

Frank Braun von der Neugass Kino AG, die das Bourbaki Kino in Luzern betreibt, begrüsst den Entscheid des Bundesrats. (Bild: Marc Lustenberger)

Der Bundesrat hat heute Nachmittag die Ausweitung der Zertifikatspflicht bekannt gegeben. Wer ab Montag in ein Restaurant, Kino oder Fitnesscenter gehen will, braucht dazu ein gültiges Covid-Zertifikat. Das Bourbaki-Kino in Luzern begrüsst den Entscheid. Andere hingegen nicht.

Die Überraschung über den neusten Beschluss des Bundesrats hielt sich in Grenzen. Bereits im Vorfeld der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag hatte sich abgezeichnet, dass der Bundesrat die Ausweitung der Zertifikatspflicht beschliessen wird.

Eine Mehrheit der Kantone und der Sozialpartner hat einen solchen Vorschlag des Bundesrats befürwortet. Auch der Kanton Luzern sprach sich für eine Ausweitung der Zertifikatspflicht aus (zentralplus berichtete). Der Bundesrat will mit dieser Massnahme eine Überlastung der Spitäler verhindern, ohne gleichzeitig Betriebe und Einrichtungen schliessen und gewisse Veranstaltungen verbieten zu müssen.

So gilt nun also ab Montag: Wer in ein Restaurant, eine Bar, ein Kino, in ein Fitnesscenter, oder in diverse weitere öffentliche Innenräume will, muss ein gültiges Covid-Zertifikat vorweisen. Dieses wird bekanntlich geimpften, negativ getesteten oder genesenen Personen ausgestellt. Gleichzeitig entfällt damit die Maskenpflicht an allen Orten, wo ein Covid-Zertifikat vorgewiesen werden muss. Eine detaillierte Auflistung von zentralplus zu den neuen Beschlüssen des Bundesrats findest du hier.

Folgende Corona-Massnahmen gelten in der Schweiz ab Montag. (Bild: Bundesrat)

Von der neuen Massnahme sind zahlreiche Betriebe betroffen. Die jeweiligen Reaktionen auf den Entscheid des Bundesrats fallen sehr unterschiedlich aus.

Einfach keine Schliessung mehr

Ab Montag gilt die Zertifikatspflicht also auch in Kinos. Die Neugass Kino AG, die unter anderem auch das Bourbaki-Kino in Luzern betreibt, begrüsst den Entscheid des Bundesrats. Auf Anfrage von zentralplus sagt Frank Braun, Mitglied der Geschäftsleitung: «Für uns ist es wichtig, dass wir die Kinos nicht schliessen müssen, wie das in den beiden Lockdowns der Fall war. Die Zertifikatspflicht ist sicherlich das kleinere Übel.»

Wie sich die Einführung des Covid-Zertifikats auf die Besucherzahlen auswirken wird, sei zurzeit schwer abzuschätzen. «Wir rechnen mit einem kurzfristigen Rückgang der Besucherzahlen. Doch längerfristig rechnen wir wieder mit einer Zunahme, weil die Impfbereitschaft steigen wird und mit dem Herbst auch das Wetter kinofreundlicher wird.»

Zudem würden sich durch die Zertifikatspflicht viele Leute sicherer vor einer Ansteckung im öffentlichen Raum fühlen und wieder vermehrt ins Kino gehen, vermutet Braun. Allerdings seien diese Annahmen zurzeit rein hypothetisch. Letztlich, so ist Braun überzeugt, werde auch das vielseitige Kinoprogramm im Herbst für gute Besucherzahlen sorgen. «Der neue James Bond-Film ist da nur die Spitze des Eisbergs.»

Eingangskontrollen vor dem Gebäude

Während die Auswirkungen des Zertifikats auf die Besucherinnenzahlen also noch unsicher sind, sind die Auswirkungen auf den Alltagsbetrieb in den Kinos schon konkreter: «Es gibt durch die Kontrolle der Zertifikate sicher einen personellen Mehraufwand», sagt Braun. Voraussichtlich werden die Kontrollen jeweils an den Eingangstüren der Kinogebäude stattfinden, sodass sich die Besucher im Innern des Gebäudes frei, also ohne Maske oder Abstandsregeln, bewegen können.

Wie Frank Braun sagt, sei eine solche Lösung auch für das Bourbaki-Kino in Luzern angedacht. Somit könne gleichzeitig sowohl das Zertifikat von Kinobesuchern als auch jenes von Gästen der Bar kontrolliert werden. Bezüglich der Eingangskontrolle sei man bereits in Absprache mit den anderen Nutzerinnen des Gebäudes, zum Beispiel die Stadtbibliothek oder der Kunsthalle, für welche ab Montag ebenfalls eine Zertifikatspflicht gilt.

Uneinigkeit in der Gastronomie

Die Zertifikatspflicht für die Innenräume von Restaurants hat in den vergangenen Tagen besonders stark polarisiert. So hatte GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer verkündet, dass die Zertifikatspflicht einschneidende Massnahmen für die Gastronomie mit sich bringen würde. Der Präsident von GastroLuzern, Ruedi Stöckli, unterstützte diese Haltung und rechnet damit, dass die Umsatzeinbussen der Restaurants aufgrund der Zertifikatspflicht rund 30 Prozent betragen werden (zentralplus berichtete).

Allerdings gab es aus der Luzerner Gastronomiebranche auch Personen, die nicht denselben Kurs wie Platzer und Stöckli einschlugen. So etwa Christa Augsburger, Direktorin der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern (SHL), welche Verständnis für eine mögliche Ausweitung der Zertifikatspflicht zeigte (zentralplus berichtete).

Nach der heutigen Pressekonferenz des Bundesrats zeigte sich GastroSuisse in einer Medienmitteilung erwartungsgemäss enttäuscht vom Entscheid, das Covid-Zertifikat auf Restaurants auszuweiten. Dieser sei aufgrund der Entwicklung der Corona-Situation der letzten Tage nicht nachvollziehbar. «Dieser Entscheid ist unverhältnismässig und führt zu einer krassen Ungleichbehandlung der Bevölkerung», wird Platzer in der Mitteilung zitiert.

Christa Augsburger von der SHL stand am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

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