Politik
Idee für umstrittene Luzerner Reussportbrücke

Neuer Parkhaus-Vorschlag platzt in die Metro-Debatte

SVP-Kantonsrat Daniel Keller fordert eine Park-and-Ride-Anlage zur geplanten Reussportbrücke. (Bild: Montage zentralplus)

Die Luzerner SVP schlägt vor, die umstrittene Reussportbrücke mit einem Parkhaus und einem Shuttle in die Innenstadt «aufzuwerten». Der Vorschlag kommt wenige Tage vor der Metro-Abstimmung zu einem heiklen Zeitpunkt.

Das abgespeckte Spange-Nord-Projekt – die neue Reussportbrücke – ist im Gegenwind: Der Widerstand aus den Quartieren ebbt nicht ab. Und kürzlich hat eine unabhängige Verkehrsstudie gar den Nutzen des Autobahnzubringers infrage gestellt, weil der Kanton mit überholten Verkehrsprognosen operiere (zentralplus berichtete).

Mitten in dieser aufgeheizten Stimmung legt die SVP nun eine brisante Forderung vor: Beim Autobahnanschluss Lochhof soll es nicht nur eine Brücke, sondern ein neues Parkhaus geben. Kantonsrat Daniel Keller bringt die Idee in einem aktuellen Postulat aufs politische Tapet. Unterschrieben haben den Vorstoss neben 19 SVP-Kantonsräten auch verschiedene CVP- und FDP-Politiker aus der Verkehrskommission.

Der Regierungsrat soll eine ober- oder unterirdische Park-and-Ride-Anlage für Autos und Reisecars prüfen. Eine Projektstudie dazu soll parallel zur Planung und Umsetzung der Reussportbrücke erfolgen.

«Die Reussportbrücke erhält auf diese Weise sogar einen Mehrwert.»

Daniel Keller, SVP-Kantonsrat

Mit der Parking-Anlage könnte ein grosser Teil des Verkehrs durch die Innenstadt verhindert werden und die Stadt «massgeblich vom motorisierten Individualverkehr entlastet werden», ist der Postulant überzeugt. Das Zentrum soll durch eine ÖV-Verbindung (Bus oder Shuttlezug) mit dem neuen Parkhaus erschlossen werden, den Initianten schweben private Investoren vor.

«Ein erfolgreiches P+R-System erzeugt am Ende weniger Autoverkehr in der Innenstadt, die Reussportbrücke erhält auf diese Weise sogar einen Mehrwert», nennt Daniel Keller die Vorzüge.

Zwei Park-and-Ride-Anlagen braucht's nicht

Parkhaus am Stadtrand, Shuttle-Verbindung ins Zentrum, private Investoren: Dabei wird man unweigerlich an die Metro-Idee erinnert, über welche die Stadtbevölkerung am kommenden Sonntag abstimmt. Schwebt Daniel Keller eine Anbindung ans Metro-Netz vor – oder ist es ein Konkurrenzvorschlag?

«Das bestehende Metro-Projekt mit Parkhaus Ibach steht nicht im direkten Zusammenhang mit dem Postulat», sagt er. Dieses sei bewusst sehr offen formuliert und erst ein Prüfungsauftrag. «In welche Richtung die Stadt Luzern mit der Regierung einen Shuttle in die Innenstadt planen will, kann heute noch nicht abgeschätzt werden», sagt Keller, der auch im Vorstand der lokalen TCS-Sektion amtet.

So sieht die neue Reussportbrücke in der Visualisierung aus. (Bild: zvg) (Bild: Visualisierung Swiss Interactive AG)

Dennoch ist klar: Zwei Park-and-Ride-Anlagen am Stadtrand braucht Luzern nicht. Also könnte Kellers Vorschlag wenige Tage vor der Metro-Abstimmung dem Anliegen, das auch von der SVP unterstützt wird, durchaus schaden.

Daniel Keller sagt dazu: «Es liegt auf der Hand: Beides zusammen wird wohl kaum geplant werden.» Er scheint ohnehin nicht an die Metro Luzern zu glauben: «Die Chancen einer Realisierung dieses Projekts dürften objektiv betrachtet nicht allzu gross sein.»

Für die Metro-Initianten kommt der Vorstoss jedenfalls zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Unrealistisch sei die Parkhaus-Idee beim Reussport, hört man hinter der Hand.

SVP ist sich nicht einig

Interessant ist auch, dass nicht die ganze SVP den Vorstoss von Daniel Keller unterstützt: So etwa der Metro-Befürworter Dieter Haller, Kantonsrat und Präsident der städtischen SVP. Er verhehlt den Ärger über den Vorstoss seines Fraktionskollegen nicht, möchte sich aber so kurz vor der Abstimmung nicht zitieren lassen.

Vom Unbehagen in der SVP über die neue Parkhaus-Idee zeugt auch der Umstand, dass zentralplus von mehreren Seiten nahegelegt wurde, mit der Berichterstattung bis nach der Metro-Abstimmung zu warten. Üblicherweise werden Berichte über politische Vorstösse begrüsst.

Eine «illusorische» Idee

Auch bei den Gegnern des geplanten Autobahnzubringers kommt die Idee – wenig überraschend – schlecht an. Für den ehemaligen grünen Stadtpolitiker Ruedi Schmidig, der sich in den Komitees gegen die Spange Nord und Reussportbrücke engagiert, ist die Parkhaus-Idee «illusorisch». Eine Diskussion darüber erübrige sich: «Weil die Planung der Reussportbrücke auf falschen Daten basiert, müsste man die Vernehmlassung jetzt abbrechen und über die Bücher gehen», sagt er.

Er bezieht sich auf das kürzlich erstellte Gutachten der Fachhochschule Nordwestschweiz, das entgegen den Annahmen des Kantons bis 2040 eine stärkere Abnahme des motorisierten Individualverkehrs in der Stadt erwartet. Schmidig hofft darum, dass der seit letztem Sommer zuständige Regierungsrat Fabian Peter den Prozess stoppt.

Daniel Keller indes glaubt an seinen Vorschlag und plädiert dafür, jetzt die Ergebnisse des breit abgestützten Vernehmlassungsverfahrens zur Reussportbrücke abzuwarten. «Auch seitens der Stadt erwarte ich eine ergebnisoffene, zielführende Mitarbeit an diesem Projekt.»

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