Politik
Gemeinderat: Keine stille, aber eine leise Wahl

Neue Kandidaten wollen in Unterägeri Sand ins Getriebe streuen

Der aktuelle Gemeinderat von Unterägeri mit dem Gemeindeschreiber (2. v. l.).

(Bild: zvg/Fotomontage von zentralplus)

Anders als noch vor vier Jahren dürfen Unterägerer 2018 ihre lokale Vertretung wieder wählen. Zwei neue Kandidaten wollen verhindern, dass der Gemeinderat in derselben Konstellation weiterregiert. Doch deren Chancen dürften eher klein sein.

In vielen Zuger Gemeinden geben die Gemeinderatswahlen zu reden. In Unterägeri aber ist es ziemlich ruhig. Gemeinderatspräsident Josef Ribary (FDP) hat nach 20 Jahren noch nicht genug, und er bildet mit den anderen Gemeinderäten ein eingeschworenes Team. Neben dem Präsidenten besteht der jetzige Gemeinderat aus Fridolin Bossard (FDP), Beat Iten (SP), Josef Iten-Nussbaumer (CVP) und Roland Müller (SVP). Abgesehen von Bossard, der 2016 Walter Bruhin ablöste, sind alle Räte schon mindestens seit zwei Amtsperioden dabei und 2014 nach einer stillen Wahl für die nächste Periode eingesetzt worden. Das eingespielte Team dürfte es den zwei Neulingen also schwer machen, sich einen Platz zu ergattern.

Frischer Wind für den Gemeinderat

Dass es dieses Jahr erneut zur stillen Wahl kommt, verhindern zwei neue Kandidaten, Mariann Hess (ALG) und Andreas Koltszynski (CVP), die beide neu für den Gemeinderat kandidieren. Obwohl die letzte Amtsperiode ganz im Gusto von Koltszynski gewesen sei, bemängelt er, dass die Gemeinde bezüglich der «Überbauung St. Anna» ungenügend informiert worden sei. Ausserdem fände er es positiv, dass sich dem Gemeinderat die Chance biete, wieder etwas frischen Wind zuzulassen. Auch Hess glaubt, etwas Auffrischung würde gut tun, sie sehe durchaus Verbesserungspotenzial. Sie möchte das Umweltbewusstsein beim Gemeinderat stärken und auf die negativen Folgen von zu grossem Wachstum aufmerksam machen.

Ob es denn tatsächlich zum frischen Wind kommt, ist allerdings fraglich. Bisherige Kandidaten hätten immer eine grössere Chance, so Koltszynski, «meine eigenen Chancen sind aber auch intakt». Schliesslich sei er in der Gemeinde aufgewachsen, im Fussball- und Tennisclub aktiv, man kenne ihn im Dorf. Ihre Chancen einzuschätzen findet auch Hess schwierig, sie habe jedenfalls viele motivierende Rückmeldungen erhalten.

Mariann Hess (ALG) und Andreas Koltszynski (CVP), die neuen Gemeinderatskandidaten.

Mariann Hess (ALG) und Andreas Koltszynski (CVP), die neuen Gemeinderatskandidaten.

(Bild: zvg)

Gibt es nun eine Frau im Männer-dominierten Gemeinderat?

Hess weist darauf hin, dass Frauen 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen und gleichberechtigt sind. «Frauen sind bekanntlich anders als Männer. Das gilt auch in der Politik und beim Erarbeiten von Lösungen», erklärt die Kantonsrätin. Lösungen mit Frauenbeteiligung seien ausgewogener als die von reinen Männergremien. Koltszynski schätze die Chancen von Hess insofern gut ein, dass ein Grossteil der Gemeinde möglicherweise gerne eine Frau im bisher nur aus Männern bestehenden Gemeinderat hätte.

Hess kandidiert neben dem Gemeinderat auch erneut für den Kantonsrat und bewirtschaftet zudem zusammen mit ihrem Mann einen Landwirtschaftsbetrieb. Sie sehe es jedoch als Vorteil, einen direkten Informationsfluss zwischen Gemeinde- und Kantonsrat zu haben.

Koltszynski kann sich das Amt als Gemeinderat beruflich wie privat gut vorstellen. Seine Motivation käme nicht zuletzt auch davon, dass er beruflich schon viel mit der Politik zu tun habe. Der Gemeinderatskandidat ist als Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kantonalen Amt für Sport tätig. Ganz nach seinem Slogan «Jede Herausforderung ist auch eine Chance» sehe er das Amt als spannende Herausforderung, sagt der CVPler.

«Sand im Getriebe ist nicht immer schlecht.»

Mariann Hess, Gemeinde- und Kantonsratskandidatin

Hört man sich bei den Unterägerern um, wird klar: Einen klaren Wackelkandidaten im bisherigen Rat gibt es nicht. Sollte es dennoch einer oder beide neuen Kandidaten in den Gemeinderat schaffen, würde dies das Aus für Bisherige bedeuten.

Doch wer könnte das sein? Für Koltszynski kommt eins nicht in Frage: seinen Partei-Kameraden Josef Iten-Nussbaumer zu verdrängen. Hess, welche die Grünen erstmalig in den Gemeinderat bringen möchte, gibt sich diplomatisch: Welche Partei einen Sitz dafür opfern müsste, werde sich zeigen. Einen Wechsel würde sie jedenfalls begrüssen, denn es laufe ihr alles zu geschmiert. «Sand im Getriebe ist nicht immer schlecht», sagt Hess.

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