Politik

Jetzt sind neue Lösungen gefragt
Stadtrat steht nach Nein zur Velostation vor Scherbenhaufen

  • Lesezeit: 1 min
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Knapp 20 Millionen hätte die neue Velostation an der Reuss gekostet. Zu teuer, fanden viele Luzernerinnen. (Bild: ewi)

Die Luzerner Bevölkerung will keine «Luxus»-Velostation an der Bahnhofstrasse. Für den Stadtrat heisst es somit: zurück auf Feld 1.

In der Stadt Luzern gab am heutigen Abstimmungssonntag vor allem eine Vorlage zu reden: die geplante Velostation an der Bahnhofstrasse. 1’200 Abstellplätze sollte sie umfassen. Für den Bau und den Betrieb während der ersten zehn Jahre beantragte der Stadtrat einen Sonderkredit von 19,26 Millionen Franken (zentralplus berichtete).

Für eine Mehrheit der Luzerner Stimmbevölkerung war dies zu teuer. Rund 52 Prozent legten deshalb ein Nein in die Urne. Die Stimmbeteiligung betrug knapp 50 Prozent.

Sieg der bürgerlichen Parteien

Das Resultat ist ein Sieg für die Stadtluzerner SVP und FDP. Beide Parteien setzten sich für ein Nein zur Velostation ein, wobei im Abstimmungskampf primär die SVP tonangebend war. Das Kostenargument war ausschlaggebend für die ablehnende Haltung der beiden Parteien.

«Dass wir in Luzern ein Veloproblem haben und es darum eine neue Velostation braucht, ist geflunkert.»

Dieter Haller, Präsident SVP Stadt Luzern

Dementsprechend froh ist Dieter Haller, Präsident der Luzerner SVP, über das Abstimmungsergebnis: «Die Bevölkerung hat heute ein Zeichen gesetzt und die Wirkungslosigkeit dieses Projekts aufgezeigt.»

Für ihn ist klar, dass das Projekt keinen Nutzen mit sich gebracht hätte. Denn anders als der Stadtrat und die Befürworter der Velostation stellt Haller den Bedarf nach neuen Abstellplätzen infrage: «Dass wir in Luzern ein Veloproblem haben und es darum eine neue Velostation braucht, ist geflunkert.» Das zeige die tiefe Auslastung der bestehenden Velostation bei der Uni. 

SVP-Präsident Dieter Haller freut sich über das Nein zur Velostation.

Für die Partei heisst das aber nicht, dass die Diskussion über Veloparkplätze rund um den Bahnhof ein für allemal vom Tisch sei. Zwar räumt Haller ein, dass das Thema nun nicht gleich zuoberst auf der politischen Traktandenliste stünde, aber: «Die SVP ist bereit, gemeinsam mit der Stadt, den anderen Parteien und den SBB neue Ideen zu diskutieren.»

Stadtrat hat keinen Plan B

Neue Ideen? Diese sind nun vom Stadtrat gefordert. Für ihn ist das heutige Ergebnis eine schwere Niederlage. Der zuständige Stadtrat Adrian Borgula gibt denn auch unumwunden zu: «Dieses Resultat ist nicht erfreulich.» Er sei aber schon mit gemischten Gefühlen in diesen Abstimmungssonntag gestartet, weil er in zahlreichen Gesprächen die Bedenken über die Vorlage gespürt habe.

«Wir haben intensiv nach anderen Lösungen gesucht. Aber bis auf den heute abgelehnten Vorschlag haben wir keine praktikable Alternative gefunden.»

Adrian Borgula, Umwelt- und Mobilitätsdirektor Stadt Luzern

Mit dem heutigen Nein steht der Stadtrat vor einem Scherbenhaufen. Denn einen Plan B zur abgelehnten Velostation gibt es nicht, bestätigt Borgula. «Wir haben intensiv nach anderen Lösungen gesucht. Aber bis auf den heute abgelehnten Vorschlag haben wir keine praktikable Alternative gefunden.»

Rund um den Bahnhof werde der Boden sowohl ober- als auch unterirdisch sehr stark genutzt. Deshalb gestalte sich die Suche nach alternativen Lösungen so schwierig, erklärt der grüne Stadtrat. Einzig die Velostation an der Reuss habe sich als «Gelegenheit auf dem Serviertablett» präsentiert. Eine Mehrheit der Bevölkerung hat dies aber offenbar anders gesehen.

Es braucht doppelt so viele Parkplätze

Dass es eine Lösung der Velo-Situation rund um den Bahnhof braucht, ist für die Stadtluzerner Regierung unbestritten. Sie rechnet damit, dass bis 2035 mehr als doppelt so viele Veloabstellplätze rund um den Bahnhof benötigt werden. Heute gibt es rund 3’200 Parkplätze für Fahrräder am Luzerner Bahnhof.

«Ich bin gespannt auf die Vorschläge der Gegner.»

Adrian Borgula

Einen kleinen Seitenhieb an die Gegner der Velostation kann sich Borgula nicht verkneifen. Diese hatten im Vorfeld der Abstimmung argumentiert, dass die Kosten für die Vorlage unverhältnismässig seien, gerade im Vergleich zu Velostationen in anderen Städten (zentralplus berichtete). Es müsste darum auch in Luzern günstigere und nachhaltige Lösungen geben, so das Argument der Gegner. Borgula kommentiert dies mit einem Anflug von Galgenhumor: «Jetzt bin ich gespannt auf die Vorschläge der Gegner.»

So hätte die neue Velostation an der Bahnhofstrasse ausgesehen:

1’200 unterirdische Abstellplätze wären in der neuen Velostation geplant gewesen.

Verlierer nehmen FDP in die Pflicht

Von einem «Rückschlag» bei der Veloförderung in der Stadt Luzern spricht Marta Lehmann, Vorstandsmitglied beim VCS Luzern. Der Verband hat sich in einem überparteilichen Komitee für ein Ja zur Velostation eingesetzt. Dieses setzte sich aus den Grünen und Jungen Grünen, der SP und der Juso sowie den beiden Velo-Organisationen VCS und Pro Velo Luzern zusammen.

«Insbesondere die FDP muss jetzt aufzeigen, wie und wo an dieser zentralen Lage eine günstigere Lösung gebaut werden kann.»

Marta Lehmann, Vorstandsmitglied VCS Luzern

Was Stadtrat Adrian Borgula nur indirekt antönte, nennt Lehmann beim Namen. Sie und das Ja-Komitee sehen nun die Gegner der Vorlage in der Pflicht. Lehmann verweist vor allem auf die FDP. Diese habe in der Diskussion zur Velostation anerkannt, dass es für die Velosituation rund um den Bahnhof eine Lösung brauche. Für die Partei war das vorliegende Projekt aber zu teuer, weshalb sie die Nein-Parole fasste.

Für Lehmann ist darum klar: «Jetzt sind die Gegner gefragt. Insbesondere die FDP muss jetzt aufzeigen, wie und wo an dieser zentralen Lage eine günstigere Lösung gebaut werden kann. Wir erwarten konkrete und realistische Vorschläge.»

Und sie betont weiter, dass man in dieser Frage keine Zeit verlieren dürfe. Die Planung für den Durchgangsbahnhof schreite voran. «Wir können auf der Suche nach einer Lösung nicht länger zuwarten.»

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11 Kommentare
  1. Remo Gubler, 15.02.2022, 15:13 Uhr

    Alle warten auf den Durchgangsbahnhof. Wer weiss, ob wir den überhaupt brauchen werden, technologische Entwicklungen wie Car-Sharing könnten ihn überflüssig machen. Besser wäre es sowieso, den Verkehrsteilnehmenden endlich die Vollkosten aufzubürden. Sehe nicht ein, wieso Mobilität resp. eher Verkehr von der Öffentlichkeit subventioniert werden muss. Freizeitverkehr soll selbst die Rechnung begleichen, Berufsverkehr soll einpreisen. Verkehrspolitik ist nicht Sozialpolitik.

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  2. Grünwald, 15.02.2022, 09:22 Uhr

    Im Vorfeld hätte mehr aufgezeigt werden können, warum es keine Alternative zum Reussufer gegeben hat. Die StimmbürgerInnen hätte interessiert, mit wem bereits eingehende Gespräche geführt worden sind und was daraus resultiert hat. Nicht zu übersehen ist: Seit Jahrzehnten stellen Velofahrende ihre Gefährte nicht im Untergrund ab. Der grosse Vorteil des mobilen Fahrrades ist gerade, dass es in der Nähe des Ziels abgestellt werden kann. Könnten jene Velos, die von Berufstätigen und Lernenden ganztägig oder sogar mehrtägig abgestellt werden, in den Untergrund verschoben werden. Sodass oberirdisch nur für z.B. 3 Std. ein Platz gesichert wäre.

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  3. Vreni, 14.02.2022, 17:12 Uhr

    So ein unsagbares, überaus schlechtes Konzept einer Velostation gibt’s nirgends und man möchte wissen, wer diese Idee hatte

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  4. Franz, 14.02.2022, 11:53 Uhr

    Entsorgt einmal die Velos die seit Monaten ungebraucht rund um den Bahnhof und Bahnhofstraße abgestellt sind.
    Das sind sicher Hunderte!!!

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  5. Michel von der Schwand, 14.02.2022, 11:11 Uhr

    Die ganze Stadt ist zugemüllt mit Velos oder dem widerlichen Gestühl in den Außenbereichen gewisser Restaurants. Eine Zumutung für den Stil verwöhnten Designer mit dem Auge für das Besondere. Mann, Mann. Aber schon richtig, eine solche Velostation ist unverhältnismäßig und wurde vom Stimmvolk abgelehnt. Was soll dieser Blödsinn eigentlich ganz genau? Sehe ich meine linksgrünen Kollegen auf ihren Drahteseln an, muss man sich tatsächlich fremdschämen. Es reicht langsam mit dem Zumüllen der Stadt mit diesen Drahteseln. Eine Lösung muss dringend gefunden werden. Genauso wenig wie lästige Busse am Schwanenplatz müssen auch diese Velos aus dem Stadtbild endlich verschwinden. Schon mal als Hausbesitzer mit dem Bauamt in Luzern zu tun gehabt? Da schwafeln die Jost-Jünger und Stadtbild-Fetischisten von Schutzzonen, welche von ihren Drahteseln zugemüllt sind. Da wirst narrisch.

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    1. Michel von der Schwand, 14.02.2022, 13:54 Uhr

      Die Daumen-runter-Fetischisten haben wohl kein Verständnis für Design und Stil.

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  6. Lukas Wolfisberg, 14.02.2022, 10:10 Uhr

    Richtiger Entscheid des Stimmvolkes. Die Veloparkplatzsituation rund um den Bahnhof ist zusammen mit Bund, Kanton und SBB bei der Planung und Umsetzung des DBH zu regeln. Es braucht keine städtische Sonderlösung. Die Gewinner der Volksabstimmung sind nicht verpflichtet, eine andere Lösung zu präsentieren. Könnte es sein, dass Stadtrat Borgula ein schlechter Verlierer ist?

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  7. Andreas Bründler, 13.02.2022, 19:42 Uhr

    Dieses Projekt war völlig überrissen. Das kommt davon, wenn gewisse politische Kreise eine solche Vormachtstellung in der Stadt haben. Da geht der gesunde Menschenverstand und der Blick für das Nötige und Mögliche verloren. Sehr schade. Der Grund an der Bahnhofstrasse ist sehr schwierig zu bebauen. Das weiss man doch schon seit Jahrhunderten. Dass es ein grosses und praktisches Veloparking beim Bahnhof braucht bestreitet niemand. Die Frage ist wo. Kann man nicht in der Nähe Zentralstrasse etwas machen? Wieso nicht ein Veloparking ÜBER den Geleisen entlang der Zentralstrasse?

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  8. Rashid Dostum, 13.02.2022, 18:24 Uhr

    Guter, umsichtiger Entscheid des Stadtluzerner Souveräns.
    Dem infernalen Gigantomanismus einer völlig entfesselten Exekutive wurde so erstmal ein Riegel geschoben. Ich schlage vor, Triebfeder SR Borgula fährt auf seinem Liegevelo nun eine Extrarunde um die Häuser und denkt nochmals reiflich über alles nach. Vorallem auch über Statements einer Alternativlosigkeit, die so nicht stehen gelassen werden dürfen.

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  9. Kaufmann, 13.02.2022, 15:22 Uhr

    Stören die Velos an der Bahnhofstrasse wirklich?
    Bräuchte es nicht ein langfristiges Gesamtkonzept «Verkehr um den Luzerner Bahnhof»?
    Im Milliarden-Budget für den Tief-Bahnhof können locker an den richtigen Orten Velo-Parklätze geplant werden.
    Die 20 Millionen können bestimmt nachhaltiger im Interesse des Langsam-Verkehr investiert werden.

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    1. mvonrotz, 14.02.2022, 09:28 Uhr

      Grundsätzlich einverstanden, aber der Durchgangsbahnhof wird von Bund und Kanton finanziert. Da kann die Stadt nicht einfach Gelder für Velo Utopien abzweigen 🙂

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