Politik
Zug/Baar

Multiplex-Kino in Baar geplant: Realisierung in Frage gestellt

Eine Visualisierung des geplanten Quartiers. (Bild: PD)

Im Unterfeld zwischen Zug und Baar möchte die Zuger Kino Hürlimann AG ein Multiplex-Kino realisieren. Das Vorhaben, das durch das Zürcher Bauunternehmen Implenia geplant wird, ist nun in der vorgesehenen Form gefährdet. Der Grund dafür liegt beim Grundwasserschutz in diesem Gebiet. 

Die letzten grünen Wiesen westlich der Bahnlinie Zug-Baar werden in den nächsten Jahren überbaut. Im Gebiet Schleife/Unterfeld an der Grenze zwischen Zug und Baar in unmittelbarer Nähe der Stadtbahnhaltestelle Lindenpark ist ein ganzes Quartier geplant. Auf dem Gebiet in der Gemeinde Baar sieht das Bauunternehmen Implenia unter anderem die Realisierung von über 200 Wohnungen, einem Hotel und Sportanlagen vor. Im Rahmen der Planung sowie der etappenweisen Umsetzung der Bauten sollen rund 275 Millionen Franken investiert werden.

zentral+ weiss: Auf diesem Gebiet ist gemäss Masterplan Unterfeld eigentlich auch ein Multiplex-Kino mit fünf Sälen und 1100 Sitzplätzen vorgesehen. Realisieren will dieses die Zuger Kino Hürlimann AG, welche bereits die Kinos «Seehof 1 und 2» sowie das «Gotthard» in Zug (seit 90 Jahren) und das «Lux» in Baar betreibt.

«Die Vermittlung dieser möglichen Location für ein Multiplexkino-Projekt erfolgte durch Andreas Hotz und Paul Langenegger vom Gemeinderat Baar», sagt Adrian Hürlimann, Mitbesitzer der Kino Hürlimann AG. Das UG-Kino ist im Entréekomplex mit Tiefgarage und Hotel geplant, als Teil einer blockrandartig angeordneten Siedlung mit zehn Blöcken um einen zentralen Park mit Weiher. Solche Unterniveau-Räume fallen bei der Berechnung der Ausnützungsziffer in Baar nicht ins Gewicht und erlauben somit eine kostengünstige Untertag-Nutzung.

Einschränkende Bauvorschriften

Die Pläne sind nun gefährdet, weil das Bauvorhaben ins Grundwasser zu stehen kommt. Das Areal ist zwar als Baugebiet ausgeschieden. Gemäss den geltenden Vorschriften dürfen jedoch nur 10 Prozent des Gebäudevolumens ins Grundwasser reichen. «Das Amt für Umweltschutz hat dies gegenüber der Bauherrschaft in einem Schreiben zum Ausdruck gebracht», sagt der Zuger Baudirektor Heinz Tännler. Ein massiver Verstoss gegen die gesetzlichen Vorgaben würde bei der notwendigen  Umweltverträglichkeitsprüfung kaum toleriert. In der Lorzenebene liegt der Grundwasserspiegel teilweise nur 50 Zentimeter unter der Erdoberfläche.

Für die Kino-Unternehmer Adrian und Alban Hürlimann hat die Nachricht, dass die Säle möglicherweise nicht wie vorgesehen gänzlich in den Untergrund gebaut werden können, «wie eine Bombe eingeschlagen». Die Projekteingabe, die für dieses Jahr geplant war, wird sich zumindest verzögern. «Die Pläne müssen massiv geändert werden», sagt Adrian Hürlimann. Nur noch die Leinwand-Seite der Säle, quasi die Zehenspitze des Schuhs, dürfe jeweils in Grundwassertiefe hineinragen. Ab einer bestimmten Tiefe sind nur noch zehn Prozent der bebauten Fläche zulässig. Zusätzliche Abklärungen und vorgängige Sondierbohrungen sind erforderlich. Im schlimmsten Fall ist das ganze Projekt in Frage gestellt, weil Kinoräume hierzulande nur im Untergrund rentabel gebaut werden können.

Wieso die geltenden Bauvorschriften bei der bisherigen Planung nicht beachtet wurden, ist offen. Sowohl der Baarer Gemeindepräsident wie auch der Bauchef der Gemeinde Baar waren ferienhalber nicht erreichbar. Auch die Firma Implenia hat bislang auf die Fragen der Redaktion nicht geantwortet.

Mehrere gescheiterte Kino-Initiativen

Die Kino Hürlimann AG hat schon mehrmals vergeblich versucht, zusätzlich zu ihren traditionellen Kinobetrieben für Filmliebhaber neue Räumlichkeiten zu realisieren. So etwa neben der Hauptpost in Zug bei der ehemaligen Druckerei Speck. Ebenso wenig konnte sich die Idee einer Überbauung mit Kinos bei der Dorfstrasse in Baar durchsetzen. Und auch eine Projektstudie der Stadt Zug für Kinos an der Alpenstrasse beim Dreispitzplatz ist ohne Ergebnis geblieben.

«Im Bereich des Siemens-Areals beim Bahnhof Zug wäre der Bau von Unterhaltungsbetrieben wie Kinos auch im innerstädtischen Raum grundsätzlich noch möglich», sagt der Zuger Stadtplaner Harald Klein auf Anfrage. Solche Nutzungen hätten jedoch wohl nur Realisierungschancen, wenn sie im Rahmen einer Gesamtkonzeption baurechtlich verbindlich festgelegt würden.

Zukunft der Zuger Kinos ungewiss

Immerhin: Durch die Verzögerungen des Bauvorhabens im Unterfeld bekommen dafür die traditionellen Zuger Klein-Kinos eine längere Gnadenfrist. Denn ob diese weiterhin betrieben würden, wenn in nächster Nähe ein grosses Multiplex-Kino entsteht, ist fraglich. 

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