Politik

Luzerner Agglomeration bündelt Kräfte
Mit Skitag auf Sympathiejagd: SVP gründet urbanen Verein

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 6
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Dieter Haller will die Politik der SVP in Luzern urbaner machen. (Bild: jal)

Dem Städte-Bashing der Mutterpartei zum Trotz: Die Luzerner SVP gründet einen urbanen Verein. Die Präsidenten von sieben SVP-Ortssektionen haben sich zusammengeschlossen. Sie wollen die bürgerliche Vernetzung stärken und das Image der Partei aufpolieren.

Die Städte sind für die SVP kein einfaches Pflaster. Politisch ticken sie oftmals links. Und je dichter die Agglomeration, desto mehr gilt das auch für die angrenzenden Gemeinden.

Das zeigt sich auch an der Urne: In der Luzern musste die SVP bei den letzten Wahlen 2020 mächtig Federn lassen. Im Parlament verlor sie zwei Sitze. Ein weiterer kam dazu, nachdem Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo aus der Partei geworfen wurde und nun als Parteiloser politisiert (zentralplus berichtete).

So kann es nicht weitergehen, das ist in den Parteizentralen klar. Bereits seit längerem stellt man in Luzern Überlegungen in Richtung einer «SVP urban» an – angelehnt an das gleichlautende Projekt der FDP. Jetzt ist es soweit: Die SVP gründet einen urbanen Verein. Die Präsidenten der Ortssektionen aus Stadt und Agglomeration haben sich zusammengeschlossen. K7 Luzern heisst das Gremium, dem die Parteichefs von Luzern, Kriens, Emmen, Ebikon, Horw, Meggen und Adligenswil angehören.

Mit dem Skitag Sympathiepunkte sammeln

«Unser Ziel ist es, die SVP und unsere bürgerliche Politik in den urbanen Gebieten zu stärken», sagt Dieter Haller, Präsident der Stadtluzerner SVP und des K7-Vereins. Denn obwohl die Städte und Agglomerationen immer häufiger links ticken, sieht Haller Potenzial. Das bestätigte kürzlich auch der Stadt-Land-Monitor der Forschungsstelle Sotomo. Gemäss dieser Umfrage positioniert sich mehr als die Hälfte der SVP-Basis nicht auf der Seite des Landes.

Um diese Wählerschichten zu mobilisieren, müsse man die bürgerliche Politik besser vermarkten, sagt Dieter Haller. «Besonders bei den Jungen haben wir ein etwas verstaubtes Image.» Das will der K7-Verein ändern. Zum Beispiel mit unpolitischen Grossanlässen. Vier sind pro Jahr geplant, sofern Corona dies zulässt.

«Der Snow Day soll zeigen: Wir machen auch coole Sachen.»

Dieter Haller, Präsident SVP Stadt Luzern

Der erste ist ein Skitag, der pandemiebedingt auf den 19. Februar 2022 verschoben wurde. Für 99 Franken geht es mit dem Car nach Andermatt, Zmorge-Kafi und Gipfeli im Car, Skipass und Mittagessen sind inklusive. «Das ist für Leute wie Sie und mich, für die ganze urbane Bevölkerung», sagt Haller. «Der Snow Day soll zeigen: Wir vernetzen und machen auch coole Sachen.» 

Es könnte auch ein Turnverein sein, der das organisiert. Denn diese Grossanlässe sollen möglichst unpolitisch aufgegleist sein. Nicht Parolen oder Positionen stehen im Zentrum, sondern der Plausch. «Es geht um das Verbindende und Gesellschaftliche. Wenn einer am Ende sagt, das war ein toller Tag, aber in die Partei will ich nicht, so ist das völlig in Ordnung.»

In der Agglomeration sind die Themen andere

Ebenso geplant sind politische Anlässe wie Podiumsgespräche. Am Dreikönigstag hätte ein erstes stattfinden sollen über den OECD-Mindeststeuersatz. Wenn Corona dem nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte, wären prominente Redner nach Emmen gekommen. So beispielsweise Weltwoche-Chef Roger Köppel, FDP-Präsident Thierry Burkart oder der Luzerner Professor Christoph Schaltegger.

Denn selbstverständlich sind auch politische Inhalte ein Fokus des K7-Vereins. Unabhängig von Stadt-Land gebe es viele Themen, die in den Agglomerationsgemeinden stärker beschäftigten als auf dem Land. Haller erwähnt den Verkehr, die Drogenpolitik oder die Kinderbetreuung als Beispiele. Gemeinsam könne man da mehr bewirken. Es könne zum Beispiel gut sein, dass die SVP in den Agglomerationsgemeinden mal gemeinsam eine Initiative lanciere.

«Es ist wichtig, in den urbanen Zentren ein bürgerliches Gegengewicht zu etablieren.»

Franz Grüter, SVP-Nationalrat

Die Herausforderung bleibt, sich als bürgerliche Partei mit überzeugenden Lösungen für urbane Probleme zu profilieren. Wie solch konkrete Vorschläge aussehen und inwiefern sie von der bekannten SVP-Linie abweichen könnten, kann er indes noch nicht benennen. Klar ist: Die SVP wird sich auch künftig nicht in eine «grüne Öko- oder rote Sozi-Partei» verwandeln.

Franz Grüter lobt das Engagement

Das Engagement mag erstaunen, da es die SVP Schweiz war, die diesen Sommer auf die linksgrünen Zentren eindrosch. Doch Haller wehrte sich schon damals gegen dieses «Städte-Bashing» (zentralplus berichtete). Auch jetzt will er die K7-Initiative nicht als Gegenprojekt zur nationalen Kampagne verstanden wissen. Im Gegenteil, man stehe im regen Austausch mit Franz Grüter, seines Zeichens Vizepräsident der SVP Schweiz.

Auch der Luzerner Nationalrat sieht im neuen Verein keinen Widerspruch zur Politik der Mutterpartei. Er begrüsst das Engagement ausdrücklich. «Es ist wichtig, in den urbanen Zentren ein bürgerliches Gegengewicht zu etablieren. Gemeinsam hat die SVP in Städten und Agglomerationen mehr Gewicht», sagt Grüter und ergänzt: Insofern könnte der Luzerner K7-Verein, der von SVP nahestehenden Personen betrieben wird und eine bürgerliche Politik verfolgt, Pionier-Charakter einnehmen. Ein ähnlich ausgerichtetes Projekt aus anderen Regionen sei ihm nicht bekannt.

Ob die Pläne der SVP aufgehen, wird sich weisen. Für den K7-Verein in Luzern ist ohnehin klar: Das gemeinsame Projekt ist nicht auf kurzfristige Erfolge ausgelegt. «Vielleicht sehen wir die ersten Resultate nicht bereits in ein oder zwei Jahren», sagt Dieter Haller, «aber sicher in vier, fünf oder sechs Jahren.»

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6 Kommentare
  1. David L, 22.12.2021, 20:11 Uhr

    Ich glaube der Grund wieso anständige und intelligente Menschen nichts mit der SVP zu tun haben wollen ist nicht, dass diese zu wenig «Snow Days» veranstaltet, sondern ihre heuchlerische und inkohärente Politik, welche der Mehrheit der Bevölkerung schadet.

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  2. Erni, 22.12.2021, 16:17 Uhr

    Darf ich als Dreifachbürger mit schwarzer Haut auch teilnehmen, oder werde ich von den weissen Schafen herausgekickt?

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  3. sowas, 22.12.2021, 15:13 Uhr

    Soll ich mich jetzt als städtischer «Luxussozialist» geschmeichelt und angesprochen fühlen und an diesen «unpolitischen Grossanlässen» und «coolen Sachen» teilnehmen? Die bigotte Schamlosigkeit dieser Partei kennt scheinbar keine Grenzen…..

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    1. Kain Urbano, 22.12.2021, 17:23 Uhr

      Mir reicht die verpeilte linksgrüne Politik, um die SVP zu wählen. Solche Events brauche ich gar nicht. Ziehe Velofahren sowieso dem Skifahren vor. Aber jedem das Seine.

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  4. Armando, 22.12.2021, 13:46 Uhr

    Monatelang über die links-grünen Städte wettern und dann anbiedern wollen mit Snow Day? Blöder ist schwierig. Aber Dummheit ist ja bekanntlich eine der Haupteigenschaften der SVP, siehe Corona-Politik.

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  5. Michel von der Schwand, 22.12.2021, 09:36 Uhr

    Lustige Zeitgenossen diese SVP-Protagonisten. Etwas Skifahren in den Bergen und dem Anglizismus frönen. Snow Day? Echt jetzt? Das sollte doch Schneesporttag oder wie auch immer heissen. Und im Car fehlt noch die musikalische Begleitung. Oder warten die Trychel-Fetischisten oben in Andermatt. Die Anbiederung der bürgerlichen Parteien ist nur schwer erträglich.

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