Politik
Zuger FDP-Ständeratskandidat blitzt bei allen ab

Matthias Michel, der verhinderte 1.-August-Redner

Matthias Michel am Lauf «Zugerberg Classic». Bei der Suche nach einer Auftrittsmöglichkeit am Nationalfeiertag schien er sich schwerer zu tun. (Bild: Facebook Matthias Michel)

Manche Gemeinde kämpft darum, einen geeigneten 1.-August-Redner zu finden. Dabei hätte sich der Zuger Ständeratskandidat Matthias Michel noch so gerne hinters Mikrophon gestellt. Doch der FDP-Mann bekam einen Korb nach dem anderen. Leicht beleidigt, macht er seinem Unmut auf seiner Website Luft.

Der 14-jährige Schwinger Michael Weibel durfte. Der Unterägerer Kirchenratspräsident Ivo Krämer durfte. Und auch die Menzingerin Margrith Bumbacher durfte. Sie alle konnten am Donnerstag im Kanton Zug eine 1.-August-Rede halten.

Damit haben sie dem Zuger Ständeratskandidaten Matthias Michel (FDP) etwas voraus. Dieser nämlich hätte seine Worte äusserst gern an die rot-weiss gekleidete Bevölkerung gerichtet und hatte zu diesem Zweck mehrere Gemeinden angefragt. Doch mit seinem Wunsch stiess der Oberwiler durchgehend auf taube Ohren. Dies, obwohl man etwa in Hünenberg von den erwachsenen Schwingern Absagen kassierte und daher mit Michael Weibel auf einen Jungschwinger zurückgreifen musste (zentralplus berichtete).

Premiere wurde bereits verhindert

Michel hätte sein vergebliches Anrennen einfach ausschweigen können. Doch der 56-Jährige entschied sich, seinem Ärger öffentlich Luft zu machen. Auf seiner Website veröffentlichte er eine Stellungnahme mit dem Titel «Die ungehaltene 1.-August-Rede».

«Ich mache mir oft Gedanken über unsere Heimat und deren Zukunft und äussere sie auch gerne öffentlich.»

Matthias Michel (FDP), Ständeratskandidat

Darin erinnert er sich an seine Premiere als 1.-August-Redner in Oberwil im Jahr 2000, welche jedoch aufgrund des schlechten Wetters buchstäblich ins Wasser fiel. Beim zweiten Anlauf klappte es dann. Dafür musste Michel jedoch ins Ausland: Nach Paris, um dort seine Gedanken an die Auslandschweizerinnen zu richten.

Politiker zwischen Alphorn und Trachtengruppe

Auch in Walchwil und auf dem Stoos durfte Michel vor einigen Jahren schon am Nationalfeiertag ans Rednerpult treten. Dort sei die Welt noch in Ordnung, schreibt er. «Da darf zwischen Alphornklängen und der Trachtengruppe noch ein Politiker sprechen.»

Hier sieht Michel das Problem: Politiker würden in den letzten Jahren verstärkt als 1.-August-Redner gemieden. «Ich sehe das als verpasste Chance», sagt der langjährige Regierungsrat. Das Publikum habe es verdient, am 1. August eine geschichtlich verankerte und gleichzeitig zukunftsgerichtete Ansprache zu hören. «Und von einem Politiker darf man erwarten, dass er dies bieten kann», so Michel.

Lob für die Nachfolgerin

In diesem Zusammenhang kommt der ehemalige Volkswirtschaftsdirektor auf die Ansprache seiner Nachfolgerin Silvia Thalmann-Gut (CVP) am 31. Juli im Tellenörtli in Oberwil zu sprechen. «Sie wagte sich auch an heisse politische Eisen wie die Beziehung zwischen der Schweiz und der EU», sagt Michel in lobenden Worten für die Regierungsrätin.

Die 1.-August-Rede von Matthias Michel:

Einen Tag später besuchte Michel die Feier auf dem Landsgemeindeplatz in Zug. Die Rede von Musiker und Schauspieler Philipp Galizia sei zwar unterhaltend gewesen, doch habe er den Tiefgang vermisst.

Viele Organisatoren würden Auftritte ohne politische Brisanz und ohne Risiko bevorzugen. «Dies war einer der Gründe, den ich bei meinen Absagen gehört habe», sagt Michel. In Anbetracht dessen, dass er im Herbst für die Ständeratswahlen kandidiere, könne er die Absagen in seinem Fall jedoch verstehen. Generell wäre es aus seiner Sicht eine Option, beides zu kombinieren: «Ein Politiker oder eine Politikerin und eine Bürgerin oder ein Künstler könnten für ein Gespräch gemeinsam auf der Bühne stehen», schlägt Michel vor.

Der Wahlherbst schickt seine Boten

Als zweiten Grund habe er oft gehört, dass die Gemeindebehörde oder der Tourismusverein bereits einen Festredner organisiert hätte. Dies verwundert wenig, hat Michel nach eigener Aussage doch erst im Mai seine Anfragen platziert. Ende März war er von seiner Partei offiziell als Ständeratskandidat nominiert worden (zentralplus berichtete). Alles taktische Wahlkampfspielchen also?

«Ich glaube, nächstes Jahr habe ich sowieso bessere Chancen.»

Matthias Michel

«Ich mache mir oft Gedanken über unsere Heimat und deren Zukunft und äussere sie auch gerne öffentlich», sagt Michel dazu. Es sei jedoch auch klar, dass man im Wahljahr die Chance für öffentliche Auftritte wahrnehmen möchte, fügt er an.

Wenn nicht vor Ort, so wenigstens über Facebook

Durch die Absagen liess sich Matthias Michel jedoch nicht davon abbringen, trotzdem noch einige Worte an Herrn und Frau Schweizer zu richten. Er tat dies mit einem Facebook-Video. Seine Erklärung: «Als Politiker muss man auch die sozialen Medien nutzen. Dadurch kann ich auch Leute ansprechen, die ich an einer Bundesfeier nicht antreffen würde.»

Hat er bereits für eine 1.-August-Rede 2020 angeklopft, um dem Malheur der zu kurzfristigen Anfrage vorzubeugen? Michel lacht. «Ich glaube, nächstes Jahr habe ich sowieso bessere Chancen. Als Ständerat wäre ich wohl gefragter. Und sollte es mit der Wahl nicht klappen, wäre ich zumindest kein aktiver Politiker mehr und so nicht ‹vorverurteilt›.»

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