Nach Hiobsbotschaft für die «Määs»

«Manuela Jost, sind Sie noch glaubwürdig?»

Baudirektorin Manuela Jost sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, Versprechen aus dem Abstimmungskampf zu brechen. (Bild: Jan Rucki)

Die «Lozärner Määs» muss weg vom Inseli. Die Luzerner FDP spricht bereits von «Wortbruch». Baudirektorin Manuela Jost nimmt im Interview Stellung zu den Vorwürfen.

Es war eine happige Botschaft, die der Luzerner Stadtrat am Dienstag verkündete. Wegen der Inseli-Initiative der Juso hat die «Lozärner Määs» auf dem Inseli keine Zukunft (zentralplus berichtete). Sie sei mit dem geplanten Park im Inseli und dem Durchgangsbahnhof nicht vereinbar, teilt der Stadtrat mit. Das ist besonders brisant, weil der Stadtrat 2017 im Abstimmungskampf zur Initiative und selbst noch im vergangenen Sommer beteuerte, dass die Määs nicht vom Inseli verschwinden wird (zentralplus berichtete).

Die Luzerner Baudirektorin Manuela Jost (GLP) muss sich darum den Vorwurf gefallen lassen, ein Abstimmungsversprechen gebrochen zu haben. Im Interview mit zentralplus rechtfertigt sie die Entscheidung des Stadtrats – bedauert aber die Kommunikation.

zentralplus: Frau Jost, überraschen Sie die Resultate der Machbarkeitsstudie?

Manuela Jost: Bereits im vergangenen Frühling gab es Anzeichen, dass sich die Määs und die Umsetzung der Initiative eventuell nicht vereinbaren lassen. Darum haben wir die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Studie hat uns verschiedene Varianten aufgezeigt, doch keine davon befriedigte alle Ansprüche.

zentralplus: Mangelt es dem Stadtrat an Kreativität, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können?

Jost: Wir waren sehr kreativ und haben ein ganzes Spektrum an Varianten geprüft. Denn es war ja unser Ziel, eine Lösung zu finden, die für alle stimmt. Doch wie gesagt gab es leider keine Variante, die sämtliche Ansprüche befriedigt hätte. Der Stadtrat hat sich nach langen und intensiven Diskussionen für die Variante «Grünes Inseli» und somit für eine konsequente Umsetzung der Juso-Initiative entschieden.

«Wir bedauern, dass wir damals diese Aussagen in Form eines Versprechens gemacht haben.»

zentralplus: Bricht der Stadtrat damit ein Abstimmungsversprechen? Die Luzerner FDP hat bereits von «Wortbruch» gesprochen.

Jost: Wir bedauern, dass wir damals diese Aussagen in Form eines Versprechens gemacht haben. Doch zu diesem Zeitpunkt waren noch nicht alle Fakten auf dem Tisch, gerade auch im Hinblick auf die Auswirkungen des Durchgangsbahnhofs. Wir sind damals davon ausgegangen, dass wir die verschiedenen Nutzungen miteinander kombinieren können.

zentralplus: Aber selbst im Sommer haben Sie nochmals betont, dass der Stadtrat nicht einen anderen Standort als das Inseli für die Määs vorsieht (zentralplus berichtete).

Jost: Bis zum Schluss war es unser Ziel, eine Lösung zu finden, die allen Ansprüchen genügt: Määs, Initiative, Car-Haltekanten und Baumerhalt. Es war für uns wichtig, dass in der Machbarkeitsstudie weiterhin von einem Standort der Määs auf dem Inseli ausgegangen und dass dieser nochmals im Detail geprüft wird. Doch die Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass diese Varianten wenig Sinn machen. Wir könnten die Fläche für den Luna Park verkleinern, damit sowohl die Bäume und die Määs auf dem Inseli erhalten bleiben. Doch eine solche Multifunktionsfläche befriedigt letztlich auch nicht.

zentralplus: Warum ist das keine befriedigende Lösung?

Jost: Die Määs muss zirka ab 2030 während den Bauarbeiten für den Durchgangsbahnhof sowieso für rund zehn Jahre an einen neuen Standort. Gleichzeitig wollen wir die Neugestaltung des Inseli bis 2028 umsetzen. Somit würden wir die gesamte Neugestaltung auf die Määs ausrichten, die nur zwei Jahre lang stattfinden kann, bevor die Bauphase startet. Langfristig ist aus Sicht des Stadtrats deshalb ein grünes Inseli wichtiger. Mit dem jetzigen Entscheid können wir nach einem Standort suchen, der auch langfristig und nicht nur als Übergangslösung sinnvoll ist.

«Man muss auch die Grösse haben, hinzustehen und die gemachten Aussagen zu revidieren.»

zentralplus: Wie fest schadet der Vorfall Ihrer Glaubwürdigkeit?

Jost: Wir haben gesehen, dass das Projekt nicht wie geplant realisierbar ist. Dann muss man auch die Grösse haben, hinzustehen und die gemachten Aussagen zu revidieren. Wir waren wirklich gewillt, eine gute Lösung für alle auf dem Inseli zu finden. Doch die erarbeiteten Varianten befriedigen niemanden. Und ich muss ehrlich sagen: Der Durchgangsbahnhof ist ein riesiges Projekt. Wir erfahren Stück für Stück, welche Auswirkungen das mit sich bringt. Das sind Erkenntnisse, die wir damals noch nicht hatten.

zentralplus: Gibt es schon Ideen für einen alternativen Määs-Standort?

Jost: Nein, wir starten jetzt ein Projekt, um nach einem neuen Standort zu suchen. Wie gesagt suchen wir nach einem guten, langfristigen Standort und nicht nur nach einer Übergangslösung. Daran haben wir ein grosses Interesse.

zentralplus: Und wie geht es auf dem Inseli weiter?

Jost: Mit dem Entscheid für ein grünes Inseli haben wir die Rahmenbedingungen festgelegt. Jetzt kann die weitere Planung beginnen. Im Sommer werden wir dem Grossen Stadtrat einen Bericht und Antrag vorlegen. Darin zeigen wir dem Parlament die nächsten Schritte auf und wie viel die Umsetzung der Initiative ungefähr kosten wird. Gleichzeitig starten wir mit den Vorbereitungsarbeiten für einen Projektwettbewerb. Das neue Inseli soll 2028 umgesetzt sein. Bereits im Sommer 2023 planen wir eine Zwischennutzung auf dem heutigen Carparkplatz.

zentralplus: Und wie steht es um die Zukunft der Carparkplätze?

Jost: Mit der Rösslimatt in Kriens haben wir ab kommendem Oktober eine gute Übergangslösung für die Parkplätze gefunden. Gleichzeitig braucht es im Inseli weiterhin zwei Haltekanten für Cars, die Gäste vom KKL und der Schifffahrtsgesellschaft transportieren. Wir klären derzeit in einem weiteren Projekt ab, wie wir diese Haltekanten realisieren. Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Lösung finden werden.

zentralplus: Noch eine letzte Frage: Was löst es bei Ihnen aus, dass die Määs nicht mehr auf dem Inseli stattfinden kann?

Jost: Ich schätze die Määs sehr und es tut mir leid, dass es eine neue Lösung braucht. Ich bedaure die Entscheidung ausserordentlich, weil gerade die Schausteller und Bahnbetreiberinnen wegen Corona sonst schon in einer schweren Situation stecken. Der Moment ist darum sicher nicht gut für diese Thematik. Doch ich bin auch zuversichtlich, dass wir gemeinsam im Dialog eine Lösung für die nächsten Generationen finden werden.

9 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon