Politik

Ideen kommen ins Stadtparlament
Luzern: So wollen Juso und Stadt das Reussufer aufbrezeln

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Stadtrat und Juso sind sich einig. Das Reussufer zwischen Kasernenplatz und Nordpol muss hübscher werden. (Bild: jal)

Am Donnerstag rückt im Luzerner Stadtparlament das Reussufer in den Fokus. Freundlicher soll es künftig werden, zugänglicher und auch ökologisch wertvoller. Wir stellen die Ideen vor. Jene, die gute Karten haben. Und solche, die wohl chancenlos bleiben.

Wer in Luzern von der Spreuerbrücke in Richtung Nordpol spaziert, sieht es zweifellos: In Sachen Ufergestaltung ist noch eine Menge Luft nach oben. Viel Betontristesse, dürftige Zugänge zum Fluss und Parkanlagen, die eher lustlos gestaltet sind.

Ein hübscheres Reussufer wünschte sich darum die städtische Juso, welche 2020 die Reussoase-Initiative ins Leben rief (zentralplus berichtete). Ihr Begehren: «Es soll ein unkommerzieller Freiraum für die Bevölkerung geschaffen werden.» Für die zeitnahe Projektierung und Ausführung seien entsprechende Sonderkredite zu bewilligen.

Der Luzerner Stadtrat stimmt der Jungpartei bei ihrer Stossrichtung zu, auch wenn ihm nicht alle ihrer Ideen geheuer sind. Am kommenden Donnerstag wird das Reussufer im Stadtparlament debattiert. Wir stellen die Ideen vor, die im Raum stehen.

Was sich die Juso vorstellt

Was Zürich kann, soll auch in Luzern möglich sein: Baden im städtischen Flussbad. Tatsächlich ist die Idee, die eine Reussbadi beim Kasernenplatz vorsieht, gar nicht so abwegig. Bis in die frühen 70er-Jahre stand mitten im Fluss der «Mississippi Dampfer», eine Badeanstalt fürs Volk.

Bloss: Von der Wiederbelebung einer solchen Badi hält der Stadtrat wenig. Schlicht, weil sie nicht bewilligungsfähig wäre. Dies aufgrund der heutigen Gewässerschutz- und Wasserbaugesetzgebung. «Heute sind die Gewässerräume frei von Bauten und Anlagen zu halten, um den Hochwasserschutz und die natürlichen Funktionen der Gewässer zu gewährleisten.

Ebenfalls betont er, dass er das Schwimmen in diesem Gebiet gemäss Empfehlung der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG an dieser Stelle nicht aktiv fördern will. Dies aufgrund des Gefahrenpotenzials.

Wenn es nach der Juso geht, würde hier eine Flussbadi entstehen.

Stärkerer Fokus aufs rechte Ufer

Nicht besonders angetan ist die Juso vom schmalen Fuss- und Radweg am linken Reussufer. Dieser werde stark benutzt und werde als Verbindung nach Emmen immer bedeutungsvoller. Diesen könne man durch einen zweiten, durchgehenden Weg am rechten Ufer zwischen St. Karli und Reussegg entlasten, findet die Partei.

Zudem sollen mehrere schwimmende Pontons auf dieser Flussseite den Ein- und Ausstieg für Flussschwimmerinnen erleichtern. Ein weiteres Bedürfnis: Buvetten und Plätze zum Verweilen. Nicht zuletzt, um die Sicherheit an diesen Stellen zu verbessern.

Das sagt der Stadtrat zu den Forderungen:

Der Stadtrat möchte das rechte Flussufer als «naturnahes und ruhiges Naherholungsgebiet mit wenigen Nutzungen» erhalten. Dies mit punktuellen Wasserzugängen. Im Richtplan Veloverkehr sei es bereits vorgesehen, den Veloweg am rechten Ufer durch eine Brücke im Bereich des Nordpols attraktiver zu gestalten (zentralplus berichtete).

Von den weiteren Vorschlägen der Juso hält der Stadtrat hingegen wenig. Schwimmenden Pontons und neuen Buvetten steht er kritisch gegenüber.

Für ihn sei lediglich eine Buvette entlang der Reuss im Bereich der St.-Karli-Brücke denkbar. Diesbezüglich sei jedoch auf die bereits bestehenden gastronomischen Angebote Rücksicht zu nehmen. Zudem soll es auch Flächen und Sitzgelegenheiten ohne Konsumationszwang geben.

Künftig soll das rechte Reussufer stärker in den Fokus rücken.

Viel Liebe für Fische

Die Juso fordert in ihrer Initiative weiter, dass die 2017 geschaffenen Laichplätze Nölliturm, Reusszopf und Naturhistorisches Museum beibehalten werden. Die Stadt soll zudem die verbauten Ufer naturnaher gestalten und dort weitere Brutstätten schaffen.

Damit rennt die Juso im Stadthaus offene Türen ein. Der Stadtrat schreibt im Bericht nämlich, er «verfolgt bei allen Projekten und Planungen das Ziel einer ausgewogenen Balance zwischen Mensch und Natur». Glückliche Fische sind ihm offenbar besonders wichtig.

Zuletzt wünscht sich die Juso einen Erlebnis- und Themenpfad entlang des Ufers. Dieser soll die Spaziergängerinnen, Schulklassen oder Familien für die lokale Pflanzen- und Tierwelt sensibilisieren. Der Stadtrat findet die Idee im Ansatz zwar gut. Er will jedoch aufgrund bereits bestehender Angebote und wegen der eher beschränkten Platzverhältnisse keinen umfassenden Themenpfad errichten.

An diesen Plänen arbeitet die Stadt bereits

Wie eingangs erwähnt, stimmt der Stadtrat der Initiative zu. Dies mit der Begründung, dass die Stadt bereits unabhängig der Forderungen der Juso an verschiedenen Projekten entlang der Reuss arbeitet.

Entwicklung Basel- und Bernstrasse

Im Rahmen eines Auftrags für die Quartierentwicklung der Basel- und Bernstrasse hat sich der Stadtrat bereits mit gewissen Punkten beschäftigt:

  • Konkret will er das rechte Reussufer mit einem durchgehenden Fussweg und punktuellen Wasserzugängen versehen. Ausserdem soll sich dieses naturnah präsentieren.
  • Das linke Ufer soll sich zu einem attraktiven, grünen Freiraum mit Zugang zum Wasser entwickeln.
  • Beidseits der Reuss will der Stadtrat den Fokus prioritär auf die Fussgänger legen. Heisst: Velofahrerinnen fahren künftig über die Dammstrasse.
  • Zwei neue grosse Freiräume entstehen mit dem «Sentipark» und «Kreuzplätze». Damit will die Stadt den Zusammenhang zwischen den beiden Quartierteilen stärken.

Fokus auf die St.-Karli-Brückenköpfe

In den vergangenen zwei Jahren hat die Stadt für das Gebiet rund um die St.-Karli-Brücke eine Studie erarbeitet. Dabei hat sie auch die Grundstücke der katholischen Kirche sowie der Emmi am rechten Reussufer miteinbezogen. Im Fokus steht auch hier ein verbesserter Zugang zum Wasser. Aktuell gibt es keine direkten Auf- und Abgänge von der St.-Karli-Brücke zur Reuss.

Für den Brückenkopf am linken Reussufer hat der Stadtrat drei städtebauliche Varianten ausgearbeitet (zentralplus berichtete). Der entsprechende Entscheid steht noch aus.

Der aktuelle Blick von der St.-Karli-Brücke ist nicht erquickend. Einen direkten Weg an die Reuss gibt es nicht.

Neuer Spielplatz westlich der St.-Karli-Brücke

Bei diesem Grundstück handelt es sich um den derzeitigen Schotterplatz nach der Baugenossenschaft Reussinsel in Richtung Emmen. Die Stadt Luzern wird dort 2024 einen Spielplatz bauen. Zudem verlängert sie den Reussuferweg, der an dieser Stelle entlang der Reuss führt (zentralplus berichtete).

Auf dieser Schotterfläche baut die Stadt einen neuen Spielplatz.

Aufwertung Geissmattpark

Den Auftrag, den Geissmattpark aufzuwerten, hat der Stadtrat schon länger gefasst. Stein des Anstosses war ein Postulat der GLP-Fraktion im Jahr 2020. Bereits 2021 hat der Stadtrat erste Massnahmen zur Aufwertung des Platzes umgesetzt und Parkplätze aufgehoben (zentralplus berichtete).

In den nächsten drei Jahren erarbeitet die Stadt ein konkretes Bauprojekt für das Areal, welches 2025 umgesetzt werden soll. Im Zuge dessen sollen Sitzmöglichkeiten abseits des Strassenlärms entstehen. Auch soll es ein Zugang zum Wasser geben. Der Stadtrat prüft zudem temporäre Nutzungen der Anlage, wie etwa eine Buvette.

Der Geissmattpark, wie er heute daher kommt.

Am kommenden Donnerstag diskutiert das Luzerner Stadtparlament die Initiative «Reussoase». Dort könnten die benötigten Sonderkredite zur Umsetzung der Initiative für Diskussionen sorgen. Die Kredite braucht es, um das Projekt «St.-Karli-Brückenköpfe» und das Aufwertungsprojekt «Geissmattpark» umzusetzen. Diese Sonderkredite sollen dem Grossen Stadtrat zeitnah unterbreitet werden, wie es im Bericht des Stadtrats heisst.

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3 Kommentare
  1. Paul, 16.02.2022, 21:51 Uhr

    Bitte zu erst das problem inseli beheben. Danach weiter. Immer eis oms andere.

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  2. Andreas Bründler, Kriens - Bleiche, 15.02.2022, 20:20 Uhr

    Obwohl ich politisch am ganz anderen Ende des Spektrums verortet bin, unterstütze ich die Bestrebungen der städtischen Juso betr. Nutzung der beiden Reussufer voll und ganz. Ich laufe sehr oft der Reuss entlang und bin enttäuscht was da heute geboten wird. Dieses wunderschöne Ufer hat eine massive Aufwertung verdient. Auch sollte man viel mehr in der Reuss baden können – mit einem hohen Grad an Sicherheit. Schade, dass der Stadtrat keine Pontons unterstützt. Mensch und Fische könnten gut gemeinsam leben. Einfacher Zugang zum Wasser sollte an vielen Orten möglich sein. Der Mensch und Wasser – sie gehören zusammen.

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  3. Kaufmann, 15.02.2022, 17:58 Uhr

    Gute Ideen sind wichtig, Realitäts-Sinn auch ……… !
    Bitte nicht Überladen, der Velo-Tunnel lässt grüssen ……….. !
    Es nützt am Schluss alles nichts,
    wenn dann 2-3 Grüne und GLP’ler für’s Abstimmen fehlen ……. !

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