Stadt will Eiche, Linde und Co. besser schützen

Luzern: Bäume fällen könnte bald ans Portemonnaie gehen

Bäume mit einem Stammumfang ab 80 Zentimeter sollten künftig nur in absoluten Ausnahmesituationen gefällt werden dürfen, fordern SP und Grüne.

(Bild: Adobe Stock)

Grosse Bäume sollen künftig nur noch in absoluten Ausnahmesituationen gefällt werden dürfen. Das fordern Grüne und SP. «Baum vor Bau» soll die Grundregel lauten. So weit will der Stadtrat allerdings nicht gehen.

Wir fühlen uns verbunden mit den Bäumen unserer Stadt. Vom satten Grün der Rosskastanienallee am Carl-Spitteler-Quai, über melancholische Trauerweiden und gewaltige Mammutbäume bis hin zu den wortwörtlich gestandenen Eichen, gehören Bäume unabdingbar zu Luzern. Wenn ein markanter Baum gefällt werden soll, kann sich denn auch schnell Widerstand formieren. So etwa vergangenen Herbst geschehen, als sich Bewohner des Wesemlinquartiers für den Erhalt einer alten Eiche einsetzten (zentraplus berichtete).

Nun steht die Forderung im Raum, den Baumschutz generell zu verstärken. Wer in der Stadt Luzern einen Baum mit einem Stammumfang ab 80 Zentimeter fällen will, braucht dafür eine Bewilligung. Gemäss dem geltenden Bau- und Zonenreglement kann gefordert werden, dass dafür ein neuer Baum in der Nähe gepflanzt werden soll. «Es ist allerdings fraglich, wie häufig diese Ersatzpflanzung gefordert wird und ob die Pflanzung nach Realisierung des Bauvorhabens aufgrund der erforderlichen Grenzabstände überhaupt noch möglich ist und effektiv durchgesetzt wird», schreiben Mirjam Landwehr (Grüne) und Luzia Vetterli (SP, inzwischen zurückgetreten) in einer Motion.

Sie fordern deshalb eine Gesetzesformulierung, welche das Fällen von Bäumen nur dann zulässt, wenn die Verunmöglichung eines geplanten Bauvorhabens einer materiellen Enteignung gleichkäme. Es soll zudem angestrebt werden, dass die Anzahl Bäume auf Stadtgebiet mindestens erhalten bleibt.

Interessenabwägung sei notwendig

Der von den Motionärinnen geforderte Grundsatz «Baum vor Bau» geht für den Stadtrat zu weit. Eine solche absolute Grundregel sei unverhältnismässig, da eine Abwägung zwischen den Interessen des Baumschutzes und dem Interesse der Grundeigentümer am Bauvorhaben nicht mehr stattfinden würde. Mit Blick auf Themen wie Stadtentwicklung, Verdichtung oder Schulhausbau seien solche Abwägungen aber zwingend notwendig.

Dennoch: Der Stadtrat will den Baumschutz verstärken, wie er in der Stellungnahme festhält. Unter anderem soll geprüft werden, wie der Baumschutz im Bau- und Zonenreglement «griffiger» formuliert werden könnte. Mit einer neuen Regelung für Ersatzpflanzungen wird zudem angestrebt, die Anzahl der Bäume in der Stadt Luzern «im Sinne der Motionärinnen» zu halten. Geprüft wird weiter auch die Einführung von Ersatzabgaben. Konkret: Wer keinen neuen Baum in der Nähe pflanzen will oder kann, der soll ins Portemonnaie greifen müssen. Dies soll den Verzicht auf Ersatzpflanzungen finanziell unattraktiv machen.

Der Stadtrat will die Motion teilweise entgegennehmen. Das Stadtparlament entscheidet nächste Woche.

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1 Kommentar
  • Profilfoto von AlexanderFR
    AlexanderFR, 06.03.2020, 15:45 Uhr

    Es ist erfreulich, dass der Stadtrat eine Motion von Grünen und SP ablehnt, welche «Baum vor Bau» fordert. Bäume dürften bei Bauprojekten nur noch in absoluten Ausnahmefällen gefällt werden. Die Annahme der Motion hätte zur Folge, dass weniger verdichteter Wohnraum realisiert werden kann. Angebot und Nachfrage lehren uns, dass sich die Mieten dadurch verteuern. Zu hoffen ist, dass der Stadtrat bei der Höhe der Ersatzabgabe Mass hält und keinen Wucher betreibt. Wenn sich Bauprojekte verteuern, verteuern sich auch die Mieten. Bäume bezahlen keine Steuern, schaffen keine Arbeitsplätze und eignen sich seit ca. 2 Mio. Jahren nicht mehr als Wohnraum. Ersatzpflanzungen sind sinnvoll und eine gemässigte Ersatzabgabe ebenfalls. Hoffentlich sieht auch das Stadtparlament vor lauter Bäumen den Wald noch.
    Von Alexander Rieder, Kandidat für den grossen Stadtrat – Jungfreisinnige Liste 13

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