Politik
Reaktivierung als Übungsplatz

Lenkwaffen auf dem Gubel – und niemand weiss davon?

Die «Bloodhound»-Lenkwaffenstellung auf dem Gubel soll in den kommenden Jahren als Übungsplatz für das «Patriot»-System (nicht im Bild) reaktiviert werden. (Bild: Wikipedia/Patrick Jordi (CC BY-SA 2.5))

Ab 2030 übt das Militär auf dem Gubel mit «Patriot»-Flugabwehrraketen. Darüber müsse die Bevölkerung besser informiert werden, finden zwei SVP-Politiker. Der Zuger Regierungsrat spielt den Ball dem VBS zu.

Auf dem Gubel thront ein Relikt des Kalten Kriegs: die weltweit letzte Lenkwaffenstellung des Fliegerabwehr-Systems «Bloodhound». 35 Jahre lang war sie in Betrieb, bevor sie der Bund 1999 ausmusterte und der Kanton sie unter Denkmalschutz stellte.

Die «Bloodhound»-Stellung auf dem Gubel war eine von sechs im Mittelland und im Jura. Von dort aus konnten die Lenkwaffen Flieger in bis zu 100 Kilometern Entfernung und in Höhen von über 20’000 Metern bekämpfen.

Nach 1999 wurde es ruhig auf dem Gubel. Die Lenkwaffenstellung kann heute besichtigt werden, sie wird von der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Zug als Museum betrieben. Daneben dient die Anlage der Schweizer Armee und anderen Organisationen als Übungsplatz, und ab 2015 waren für drei Jahre Flüchtlinge in der Truppenunterkunft untergebracht (zentralplus berichtete).

VBS reaktiviert Gubel als Übungsplatz für «Patriot»-System

Doch mit der Ruhe ist bald Schluss. Im Rahmen des Rüstungsprogramms Air2030 beschafft das VBS nämlich nicht nur Kampfjets, sondern auch ein neues Fliegerabwehrraketen-System namens «Patriot». Am System ausgebildet werden die Soldaten in Emmen, geübt wird hingegen in Bettwil (AG) – und auf dem Gubel.

In Zug weiss von der Reaktivierung der Lenkwaffenstellung als Übungsplatz allerdings kaum jemand. Davon sind die beiden SVP-Kantonsräte Karl Nussbaumer und Philip C. Brunner überzeugt. Sie löcherten den Regierungsrat im Februar 2022 in einer Interpellation mit Fragen zu den Plänen auf dem Gubel.

Was die Reaktivierung für die Standortgemeinde Menzingen bedeute, wollten sie etwa wissen. Aber auch, wann Kanton und Bund gegenüber der Bevölkerung kommunizierten und wie die Zukunft des «Bloodhound»-Museums aussehe.

So sieht die ausgemusterte «Bloodhound»-Stellung auf dem Gubel aus der Luft aus. (Bild: Andreas Busslinger)

Der Kanton weiss Bescheid, nicht aber die Bevölkerung

Die Gemeinde Menzingen und auch der Kanton stünden seit Längerem im Kontakt mit dem Bundesamt für Rüstung Armasuisse, betont nun der Regierungsrat in seiner Antwort an die beiden Kantonsräte. Erst noch im Mai dieses Jahres fand ein Treffen zwischen der Baudirektion und Vertretern von Armasuisse statt. Dabei stellte Armasuisse das Nutzflächenkonzept erstmals offiziell vor.

In erster Linie sei es am Bund als Eigentümerin und Bauherrin, die Bevölkerung über die Pläne auf dem Gubel zu informieren, schreibt der Regierungsrat. Der Kanton habe am Treffen im Mai aber auf die Bedeutung der Kommunikation hingewiesen.

«Der Kanton Zug wird dieses Thema bei der Projektvorstellung durch Armasuisse im Herbst 2022 erneut traktandieren, falls bis dahin keine offizielle Information erfolgt sein sollte», so der Regierungsrat.

Die geplanten Baumassnahmen am Standort Gubel unterliegen dem militärischen Plangenehmigungsverfahren (MPV). Das Verfahren startet mit der öffentlichen Auflage, voraussichtlich im Herbst 2023, schreibt eine Sprecherin von Armasuisse auf Anfrage. «Während der Auflagefrist hat die betroffene Bevölkerung Gelegenheit, bei der Genehmigungsbehörde schriftliche Anregungen einzureichen und sich zum Projekt zu äussern», hält sie fest.

Reaktivierung hat geringe Auswirkungen auf Menzingen

Bis die Lenkwaffenstellung ab 2030 als Übungsplatz genutzt werden kann, will Armasuisse kleinere Anpassungen am Areal vornehmen. Dies betrifft vor allem die Plätze, Plattformen und Strassen. «Ein grösserer Ausbau des bestehenden Immobilienportfolios ist auf dem Übungsplatz Gubel nicht geplant. Die verkehrsbedingten Auswirkungen auf das Dorf Menzingen dürften sich daher in Grenzen halten», hält der Regierungsrat fest.

In Grenzen halten dürfte sich auch der «positive volkswirtschaftliche Einfluss» des reaktivierten Übungsplatzes auf die Region. Auch danach fragten die Kantonsräte Nussbaumer und Brunner. Die Truppen seien gehalten, Lebensmittel lokal einzukaufen, schreibt der Regierungsrat. Ein positiver Effekt für das umliegende Gewerbe sei somit wahrscheinlich, aber nicht zu beziffern.

Ein «Patriot»-System auf einem Fahrzeug des Deutschen Bundesheers. (Bild: PLU)

Regierung will keine Flüchtlinge mehr auf dem Gubel

Dass der Gubel noch einmal als Bundesasylzentrum genutzt wird, will der Regierungsrat explizit nicht. «Der Regierungsrat hat gegenüber dem VBS wiederholt betont, dass die Nutzung der Anlage auf dem Gubel als Bundesasylunterkunft nur einmalig war und dass keine erneute Nutzung zu diesem Zweck erfolgen soll», heisst es in der Antwort der Zuger Regierung.

Das VBS sieht eine militärische Nutzung des Übungsplatzes über 2030 hinaus vor. Im Laufe der Zeit könne sich dies jedoch durchaus ändern, so der Regierungsrat. Er betont jedoch, dass das «Bloodhound»-Museum auf dem denkmalgeschützten Teil der Lenkwaffenstellung auch in Zukunft für Besucherinnen offen stehe.

Hinweis: Der Artikel wurde ergänzt um die Stellungnahme von Armasuisse bezüglich des Starts des Plangenehmigungsverfahrens.

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