Politik
Ausschreitungen nach FCL-Spielen

Kantonsrat Luzern votiert für personalisierte Tickets

Der Luzerner Sicherheitsdirektor Paul Winiker hofft auf eine baldige Einführung personalisierter Tickets. (Bild: Dominik Stegemann)

Das Parlament beauftragt die Luzerner Regierung, neue Massnahmen gegen Vandalismus und Gewalt in Zusammenhang mit FCL-Spielen zu prüfen. Im Zentrum der Diskussion steht die Kontroverse um personalisierte Tickets.

«Die Bevölkerung hat genug von den Sachbeschädigungen. Ein angstfreier Besuch ist teilweise nicht mehr möglich. Betroffen sind VBL-Chauffeure, Anwohner und Polizisten. Jetzt ist es genug.» Mit diesen Worten eröffnete Mitte-Kantonsrat Daniel Rüttimann die Diskussion um Fangewalt an FCL-Spielen.

Rüttimann forderte die Regierung auf, neue Massnahmen gegen Ausschreitungen in Zusammenhang mit Fussballspielen in Luzern zu prüfen. Diese nimmt den Ball auf und interpretiert den Vorstoss als Auftrag des Kantonsrats, sich für die Einführung von personalisierten Tickets einzusetzen. Deren Wirkung ist umstritten – und entsprechend kontrovers wurde im Kantonsrat diskutiert.

Ein Angriff auf die Fankultur?

«Die Regierung will von uns die Vollmacht für personalisierte Tickets», sagte FDP-Kantonsrat Andreas Bärtschi. Dafür sei es aber zu früh. Derzeit sei seitens der Football League eine Machbarkeitsstudie in Erarbeitung. «Bevor diese Fakten auf dem Tisch liegen, will man den Dialog abbrechen und auf diese Scheinlösung setzen», kritisierte Bärtschi. Dabei lägen die Probleme nicht im, sondern ausserhalb des Stadions.

Für einmal war David Roth (SP) auf der gleichen Linie wie die sein liberaler Ratskollege. Aus seiner Sicht haben personalisierte Tickets zudem nur dann eine Wirkung, wenn auch die Stehplätze im Stadion abgeschafft würden. «Das ist Öl ins Feuer gegossen. Das ist ein Angriff auf die Fankultur, mit dem alle aufgewiegelt werden», warnte er.

Er selber habe zwölf Jahre zwischen Bahnhof und Stadion gewohnt und habe nie Angst gehabt. Es seien Leute von ausserhalb, die von kriegsähnlichen Zuständen berichten würden. «Es ist nicht wahr, dass es ein so grosses Problem ist», meinte Roth.

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Die Aussage nannte Sicherheitsdirektor Paul Winiker eine Verharmlosung. Auch am runden Tisch zwischen Fanarbeit, VBL, Polizei, Stadt und Kanton habe er eine «Wahrnehmungsverzerrung» der Fans festgestellt.

«Die haben gesagt, es sei alles in Ordnung und die Saison sei super gewesen», erzählte Winiker. Gleichzeitig hätten VBL-Chauffeure geschildert, dass sie Todesangst gehabt hätten, als gewaltbereite Fans des FC Basel letztes Jahr Busse zertrümmert hätten (zentralplus berichtete). «Wenn man das verharmlost, tut man sich selber und diesem Sport nichts Gutes», so Winiker.

SVP, GLP, Mitte und Teile der FDP votierten dafür, das Postulat der Mitte als erheblich zu überweisen, SP und die Grünen waren dagegen. Letztlich stimmte der Rat dem Anliegen mit 65 zu 44 Stimmen zu.

Druck aufbauen, um die Situation zu verbessern

Das heisst: Der Regierungsrat wird aktiv nach Lösungen suchen, um das Problem der Sachbeschädigungen und der gewalttätigen Ausschreitungen in Zusammenhang mit Fussballspielen in den Griff zu bekommen.

Winiker betonte, dass personalisierte Tickets dabei nicht die Allerweltsmassnahme seien. Wenn die Liga und die Klubs bessere Ideen hätten, die Situation in- und ausserhalb der Stadien zu verbessern, sollten sie diese umsetzen. Es macht den Eindruck, als wolle die Regierung mit der Idee der Personalisierung den nötigen Druck aufbauen.

Verwendete Quellen
  • Details zum Vorstoss und der Antwort der Regierung
  • Mitverfolgen des Live-Streams
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