Politik

Von Seiten der SP kündigt sich Widerstand an
Kanton Luzern bringt Ukraine-Flüchtlinge im Bunker unter

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 10
  • Politik
Dass Flüchtlinge in der Stadt Luzern wieder in unterirdische Zivilschutzanlagen untergebracht werden, stört SP-Grossstadtrat Mario Stübi. (Bild: Emmanuel Ammon /zvg)

Der muss Platz schaffen für 2’400 Flüchtlinge aus der Ukraine. Ein Teil wird nun in der Zivilschutzanlage Utenberg untergebracht – einem Bunker unter Tage. Das sorgt für Kritik.

Der rasche Zustrom von ukrainischen Schutzsuchenden stellt Bund und Kantone vor grosse Herausforderungen. Der rechnet damit, bis Ende Jahr 15’000 Flüchtlinge unterbringen zu müssen (zentralplus berichtete).

Aktuell geht der Bund von rund 50’000 geflüchteten Menschen aus der Ukraine aus, die in der Schweiz derzeit Schutz suchen. Gemäss Verteilschlüssel, der sich nach der Anzahl Einwohner eines Kantons bemisst, übernimmt der Kanton Luzern davon 4,8 Prozent – sprich 2’400 Personen bis Ende Mai/Mitte Juni.

«Wir müssen dafür komplett neue Strukturen aufbauen», sagt Silvia Bolliger zu zentralplus. Gemäss der Leiterin Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen sind die bestehenden Unterkünfte bereits mit Asylsuchenden belegt.

«Ich gehe davon aus, dass der Stadtrat dies ebenfalls missbilligt und etwas unternimmt.»

, SP-Grossstadtrat

«300 neue Plätze konnten wir bereits schaffen», so Bolliger. «Derzeit gelingt es uns gerade jeden Tag, so viele Plätze zu schaffen wie Menschen ankommen.» Der Kanton hat deshalb entschieden, Flüchtlinge kurzzeitig in der Zivilschutzanlage (ZSA) Utenberg unterzubringen, wie er am Dienstag mitteilt. Die Anlage bietet Platz für 100 Personen.

Am Samstag wurde bereits die Zivilschutzanlage Rönnimoos mit 140 Plätzen eröffnet (zentralplus berichtete). Bisher wurden 10 Personen dort untergebracht.

SP zu Flüchtlingen in unterirdischer Zivilschutzanlage: «Unwürdig»

Die Anlage im Utenberg wurde bereits während der Flüchtlingskrise 2015/2016 vom Kanton genutzt – ein sehr umstrittener Entscheid. Dass Menschen auf der Flucht in unterirdischen Zivilschutzanlagen leben müssen, hat in der bereits damals für massive Kritik gesorgt. Der Grosse Stadtrat überwies ein Postulat der SP, das forderte, Asylsuchende nicht in Bunkern unterzubringen (zentralplus berichtete)

«Ich habe gehofft, dass wir nie mehr in die Situation geraten, unterirdische Unterkünfte für die Unterbringung von Geflüchteten nutzen zu müssen.»

, Vorsteher Sozialdepartement

Dass nun genau dies wieder getan wird, ärgert Grossstadtrat Mario Stübi, der den Vorstoss damals eingereicht hat. «Fakt ist, dass das Stadtparlament nicht will, dass Flüchtlinge in fensterlosen Unterkünften untergebracht werden. Ich finde das unwürdig in der Schweiz, wo wir genügend oberirdische Unterkünfte hätten», sagt er auf Anfrage von zentralplus. «Ich gehe davon aus, dass der Stadtrat dies ebenfalls missbilligt und etwas unternimmt.»

Stübi erinnert daran, dass die Solidarität in der Bevölkerung sehr gross sei. Erst letzte Woche stellte die Wohnbaugenossenschaft Luzern Flüchtlingen aus der Ukraine 80 Wohnungen mitten in der Stadt Luzern zur Verfügung (zentralplus berichtete).

«Der Stadtrat soll sich dafür einsetzen, nach solchen Lösungen zu suchen», fordert Stübi. Sozialdirektor Martin Merki war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, lässt aber ausrichten, im Laufe der Woche zum Thema zu informieren.

Die grosse Frage lautet: Was ist die Alternative?

Seitens des Kanton Luzern räumt der zuständige Regierungsrat Guido Graf ein, dass es sich um eine Notlösung handelt. «Ich habe gehofft, dass wir nie mehr in die Situation geraten, unterirdische Unterkünfte für die Unterbringung von Geflüchteten nutzen zu müssen. Ich kann und will es aber nicht verantworten, dass im Kanton Luzern Schutzbedürftige ohne Dach über dem Kopf sein müssen», wird der Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartementes in der Mitteilung zitiert.

Graf geht angesichts der aktuellen Lage davon aus, dass noch weitere Zivilschutzanlagen in Betrieb genommen werden für die kurzzeitige Notunterbringung von Flüchtlingen. Die zuständigen kantonalen Stellen würden weiterhin mit Hochdruck daran arbeiten, zusätzliche Unterbringungskapazitäten zu schaffen. 

Verwendete Quellen
Weitere Quellen
Weniger Quellen anzeigen

Du bist noch kein Möglichmacher? Als Möglichmacherin kannst Du zentralplus unterstützen. Mehr erfahren.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

10 Kommentare
  1. M. Moser, 24.03.2022, 09:06 Uhr

    Also als Sammelpunkt und Durchlaufstelle ist ein Zivilschutzbunker nicht per se schlecht. Längerfristige Aufenthalte dort sind jedoch nicht unbedingt das was es braucht. Eine Alternative wären für kurze Zeit die Armeeunterkünfte im Fuchsbühl. Dort ein Flüchtlingslager einzurichten wäre auf kurze Zeit möglich.

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  2. Margozata, 23.03.2022, 13:41 Uhr

    Da wird gerade scharf gegen eine vernünftige Aussage und gegen eine Partei geschossen. Solche Aussagen verbessern die Unterkunftsfrage für die Flüchtlinge keinen Millimeter. Hetze ist das letzte, was wir jetzt brauchen. Konstruktive Ideen sind eben nicht so einfach auf den Tisch zu bringen. Mario Stübi ist gegen Bunker, weil diese Menschen schreckliche Erlebnisse in Bunkern hatten. Unsere Soldaten logischerweise nicht!

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
    1. Cory Gunz, 23.03.2022, 13:58 Uhr

      Stimmt, die SP gerät unter die Räder (scharf geschossen wird leider woanders). Aber eben auch deswegen, weil sie die Entscheidungen anderer kritisiert, selber aber auch keine anderen Lösungen anzubieten hat. Damit tut sie eben gerade auch, was Sie völlig zu recht ankreiden. Und um es vorweg zu nehmen: Nein, ich habe auch keine Lösung, sehe zu Truppenunterkünften, Schullagergebäuden und Zivilschutzunterkünften derzeit aber leider auch kaum eine Alternative, die kurzfristig 1000ende aufnehmen könnten.

      0 👍 Gefällt mir 1 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
    2. Rashid Dostum, 23.03.2022, 15:47 Uhr

      Haben Sie eine Ahnung! Wer einmal mit Chili-Johnny im Bunker malträtiert wurde, ist für das Leben traumatisiert und schwer gezeichnet.

      0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  3. Wupi, 22.03.2022, 23:04 Uhr

    Das ist eine Schande. Für mich unerklärlich, weshalb das Provisorium St. Anna an der Stadtgrenze keine Bewilligung erhielt, das Gebäude für die Flüchtlinge zu nutzen. Paragraphen und weidende Kühe sind wichtiger als Menschen in Not!

    2 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 1 👎 Daumen runter
    1. Michel von der Schwand, 23.03.2022, 09:39 Uhr

      Der Reichtum der St. Anna-Schwestern soll eben geschützt werden. Bedenkt man, dass es sich bei dieser Gemeinschaft um Grossgrundbesitzer handelt, gäbe es etliche Möglichkeiten, wo man Flüchtlinge unterbringen könnte. Das Provisorium liegt übrigens auf dem Gemeindegebiet von Ebikon und auch dieses Grundstück ist vermutlich der SP-Klientel zu Nahe an deren bevorzugtem Wohngebiet.

      1 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  4. Michel von der Schwand, 22.03.2022, 21:17 Uhr

    Die SP will doch nur ihre Wählerinnen und Wähler, welche der Cüpli-Solidarität frönen, schützen. Diese sitzt nämlich gemütlich in den gehobenen Wohnquartieren wie dem Wesemilin. Da gibt man sich gerne Solidarisch, Weltoffen und fährt den Zweitonnen-Elektro-SUV. Wehe aber, wenn man in unmittelbarer Nähe zur Schule Asylanten unterbringen will! Da geht denen der Arsch auf Grundeis. Ich erinnere mich an das Theater gewisser Wesemlin-Helikopter-Eltern als es darum ging ein paar eritreische Flüchtlinge im Utenberg—Bunker unterzubringen. Die reinste Entlarvung des linken Asylanten-Fetischismus, der gar keiner ist. Holdrio!

    1 👍 Gefällt mir 1 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 1 👎 Daumen runter
  5. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 22.03.2022, 19:32 Uhr

    Stübi hat ohnehin keinen Dienst geleistet. Geschweige denn jemals einen Bunker von innen gesehen. Wenn, dann als leicht angegammelte Fotografie im Geschichtsunterricht Lektion «der kalte Krieg und seine Kulturkämpfe» am Alpenquai.

    2 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 2 👎 Daumen runter
    1. Daniel Bühler, 22.03.2022, 20:20 Uhr

      Woher wissen Sie das?

      0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 2 👎 Daumen runter
  6. Hegard, 22.03.2022, 17:06 Uhr

    Soso unwürdig!
    Die Schweizer Armee muss im Dienst in unwürdigen Bunker Schlafen,manch mal im Biwak ohne Duschen WC Ganze Wochen Hausen.Sich im nächsten Bach oder Deich waschen,ist das Unwürdig,wenn Zivilisten im Dienst
    So Hausen Müssen,und im Krieg ????
    Die hier Reklamieren haben noch keinen richtigen Wehrdienst absolviert (Weicheier)

    0 👍 Gefällt mir 1 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 3 👎 Daumen runter

Mach jetzt zentralplus möglich

Unterstütze mit einem freiwilligen Abo

Schon über 660 Personen stehen ein für Medienvielfalt in der Zentralschweiz. Denn guter Lokaljournalismus kostet Geld. Mit deinem freiwilligen Abo machst du zentralplus möglich. Wir sagen danke. Hier mehr erfahren

×
×
jährlich monatlich
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
CHF60.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
CHF180.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
CHF360.00 / Jahr
zentralplus unterstützen