Politik
Schlechtes Zeugnis für Zuger Politiker

Kantilehrer reichen Protest-Petition ein

Laurent Fankhauser (links), Leiter der Staatskanzlei, nimmt die Petition entgegen. Überreicht werden die Unterschriften von Urs Leisinger (Mitte) und Simon Brugger, dem Präsidenten des Lehrerkonvents.

(Bild: pbu)

Die Zuger Kantonsschullehrer sind sauer: Der Kanton befinde sich bildungstechnisch im Sturzflug und die Politiker hätten das Wesentliche aus den Augen verloren. Mit einer Petition wollen die Pädagogen das Heft nun selber in die Hand nehmen – wenn es sein muss, auch mit ungewöhnlichen Mitteln.

Im Sommer 2015 wurde klar, dass die Zuger Kantonsschule stark für das geplante Sparprogramm der Regierung bluten muss (zentral+ berichtete). Stellenabbau, schlechtere Arbeitsbedingungen für die Lehrer, weniger Altersentlastung und weniger Studienurlaub – die angekündigten Sparmassnahmen sind massiv.

«Zu massiv», fand der Konvent der Kantonsschullehrer. In den Sommerferien wurde deshalb eine Protest-Petition mit dem Titel «Für starke Zuger Schulen» lanciert. Am «Tag der Bildung», dem 13. Januar 2016, hat eine Delegation die Petition nun auf der Staatskanzlei eingereicht. 2207 Unterschriften sind zusammengekommen. Die Unterzeichnenden fordern den Regierungs- und Kantonsrat dazu auf, weiter in die Bildung zu investieren und auch die kantonalen Schulen zu stärken.

«Die Sparpolitik hat die pädagogischen Argumente völlig aus den Augen verloren.»

Urs Leisinger, Co-Präsident Konvent der Kantonsschule Zug

Düstere Aussichten

«Grosse Sorgen macht uns im Moment die Tatsache, dass auch das laufende Entlastungsprogramm nicht ausreicht, um die kantonalen Finanzen ins Lot zu bringen», sagt Urs Leisinger, Co-Präsident des Konvents. Es würden noch massivere Sparmassnahmen folgen, diskutiert werden auch Pauschalkürzungen. «Die Sparpolitik hat die pädagogischen Argumente völlig aus den Augen verloren», stört sich Leisinger.

Alleine in der laufenden Sparrunde sind Kürzungen im Bildungsbereich von 25 Millionen Franken vorgesehen – ein Viertel des gesamten Entlastungspakets. Konkret: Die Klassengrössen werden erhöht, die Ausgaben für Unterrichtsmaterial werden um 20 Prozent gesenkt, Lehrmittel- und Lagerbeiträge werden gestrichen und bei den Informatikdiensten wird gespart. Für Leisinger ist deshalb klar: «Das Angebot für Schüler wird schlechter, genauso wie die Arbeitsbedingungen für die Lehrpersonen.»

«Es ist kaum etwas anderes denkbar, als dass im Kanton Zug eine Talfahrt in der Bildung eingesetzt hat.»

Urs Leisinger, Petition «Für starke Zuger Schulen»

Mit dem Finanzplan 2019 werde aber noch einer draufgesetzt. In diesem Projekt lasse sich nach Ansicht der Staatswirtschaftskommission ein gezielter Leistungsabbau nicht mehr vermeiden. Dabei, so Leisinger weiter, finde ein solcher an den kantonalen Schulen bereits jetzt statt.

Plädoyer für das langfristige Denken

Man stehe in Zug also am Anfang einer besorgniserregenden Entwicklung. Dabei böte ein Blick über die Kantonsgrenzen einschlägige Negativbeispiele. «Es ist kaum etwas anderes denkbar, als dass im Kanton Zug nun eine Talfahrt in der Bildung eingesetzt hat, die in anderen Kantonen ähnlich anfing, nun schon über Jahre anhält, unvermindert weitergeht und dabei tiefe Spuren hinterlässt», sagt der Chemielehrer der Kanti Zug.

Kundgebung in Zürich abgesagt

Auch im Kanton Zürich formiert sich Widerstand gegen Sparpläne in der Bildung. Am Mittwoch war eine Protestkundgebung geplant. Diese wurde jedoch kurzfristig abgesagt. Der Grund liege darin, dass verschiedene Gruppierungen den Anlass für ihre Zwecke nutzen wollen und zu illegalen Aktionen aufrufen.

Nach Einschätzung der Organisatoren sei die Gefahr einer Eskalation in der Menschenmenge oder im Anschluss an den Anlass zu gross. Zudem wäre zu befürchten, dass ihre Botschaft für die Bildung durch illegale Aktionen ins Gegenteil verkehrt würde.

Ein gesunder Finanzhaushalt sei natürlich wichtig. Und es sei klar, dass der Kanton Zug langfristig eine ausgeglichene Finanzierung anstreben müsse. Aber: «Man sichert die Zukunft nicht mit einseitigem Sparen», meint die Delegation, «sondern mindestens ebenso durch gezielte Investitionen in die Zukunft.»

Das Ziel, jungen Menschen eine optimale Ausbildung zukommen zu lassen, werde einem auf Kurzfristigkeit angelegten Spardenken geopfert. Der Kanton habe aber auch beim Sparen Verantwortung zu übernehmen. Er dürfe nicht sparen und sich um die langfristigen Folgen foutieren, merkt Leisinger an. Mit der aktuellen Politik ist er nicht zufrieden: «Ernst zu nehmende Bildungspolitik lotet nicht in erster Linie Sparpotenzial bei den Bildungsinstitutionen aus, sondern sichert die für die Weiterentwicklung nötigen Ressourcen.»

Nicht Ab-, sondern Ausbau

«Viele Politiker scheinen der Ansicht zu sein, unser Bildungssystem sei so gut, dass es ein paar Sparmassnahmen gut verkraften könne», sagt der Kantonsschullehrer, sieht das aber ganz anders. «Unser Bildungssystem ist zwar für den Moment gut, aber ohne Weiterentwicklung wird es ins Hintertreffen geraten.»

Weiterentwicklung, das heisse zum Beispiel neue Lehr- und Lernformen mit projektorientiertem Arbeiten zu fördern oder einen wirklich produktiven Einsatz von Computern in bestimmten Fächern zu entwickeln.

«Den Gang auf die Strasse schliessen wir nicht per se aus.»

Urs Leisinger, Kantonsschullehrer

Strassendemos nicht ausgeschlossen

Wird es dabei bleiben, dass die Lehrerschaft nicht auf die Strasse gehen wird, wie der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss im August 2015 gegenüber zentral+ sagte? «Vorerst ja», meint Leisinger. Jetzt warte man die Kantonsratssitzung vom 28. Januar, wo die Petition vom Kantonsrat zur Kenntnis genommen wird, sowie die weitere Entwicklung ab. «Den Gang auf die Strasse schliessen wir aber nicht per se aus», fügt er an.

Das gelte nicht nur für die Kantonsschulen, merkt Barbara Kurth-Weimer an. Sie ist die Präsidentin des Lehrervereins Zug und sagt: «Die gemeindlichen Schulen werden sich in diesem Fall mit den Kantonsschulen zusammenschliessen und gemeinsam auf die Strasse gehen.»

Letztlich, so Urs Leisinger, glaube man zwar nicht, dass sich mit dem Einreichen der Petition in der laufenden Debatte viel ändern werde. «Wir hoffen aber, dass wir mit diesem Schritt einen Beitrag zu einer fundierteren Diskussion leisten können.» Denn die Problematik sei noch nicht in der breiten Bevölkerung angekommen. Es sei höchste Zeit, dass dies geschehe – gerade im Hinblick auf den Finanzplan 2019.

An der Petitionsübergabe im Regierungsgebäude.

An der Petitionsübergabe im Regierungsgebäude.

(Bild: pbu)

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