Politik
Stadt Luzern sistiert den Wettbewerb

Juso zum Marschhalt bei Inseli-Initiative: «Natürlich sind wir verärgert»

Die Stadtluzerner Bevölkerung wünscht sich mehr Grünfläche beim Inseli – doch es geht nur schleppend voran. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Die Neugestaltung des Inseli-Parks verzögert sich erneut: Die Stadt hat den Wettbewerb sistiert, weil noch viele Fragen offen sind. Unter anderem kommen die alten Sorgen um die Määs wieder auf. Die Juso als Urheberin der Inseli-Initiative reagiert enttäuscht – und verlangt, dass der Stadtrat diesen Sommer eine Zwischennutzung aufgleist.

Zwei Buvetten beleben das Inseli in Luzern, dahinter herrscht gähnende Leere auf den Carparkplätzen. Genau dort soll dereinst ein Park entstehen. Das hat die Stimmbevölkerung 2017 entschieden, als sie die Juso-Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» angenommen hat.

Doch die Initiative steht offenbar unter einem schlechten Stern. War es zunächst die fehlende Alternative für die Carparkplätze, die einer raschen Umsetzung im Weg standen, so ist es nun die Lozärner Määs.

Denn der beliebte Anlass und die Inseli-Initiative kommen doch nicht so gut aneinander vorbei wie ursprünglich gedacht. Das hätten die Vorbereitungsarbeiten zum Wettbewerb gezeigt, teilte die Stadt Luzern am Donnerstag mit.

«Die Lozärner Määs ist aufgrund des Luna-Parks auf einen Anteil an befestigter Fläche im heutigen Umfang angewiesen, was nicht mit einer Begrünung des Inselis einhergeht», erklärt Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Zum Zeitpunkt der Abstimmung sei man ausgegangen, dass dies kombinierbar sei. Der Stadtrat hat deshalb den Projektwettbewerb für die Neugestaltung vorerst sistiert (zentralplus berichtete).

Juso vermisst beim Stadtrat Tempo und Lust

«Natürlich sind wir sehr enttäuscht und verärgert darüber, mit welchem sehr schleppendem Tempo der Stadtrat dieses Begehren angeht», sagt Léon Schulthess, Co-Präsident der Juso, der Urheberin der Inseli-Initiative. Gleichzeitig habe man Verständnis dafür, dass es Studien brauche, um gute Umsetzungsmöglichkeiten zu evaluieren, das unterstütze man auch. «Doch der Zeitplan wurde stets nach hinten verschoben und das Inseli in Grossprojekte integriert beziehungsweise hinten angestellt», sagt Schulthess und verweist auf die Entwicklung linkes Seeufer und den Durchgangsbahnhof.

«Das sollte in einem urbanen Raum in der heutigen Zeit kein Jahrhundertprojekt sein.»

Léon Schulthess, Copräsident Juso Luzern

Die Juso kritisiert grundsätzlich, dass es bei städtebaulichen Projekten «stets Ewigkeiten dauert». Im Fall der Inseli-Initiative ist frühestens 2025 mit der Eröffnung des Parks zu rechnen. Möglicherweise könnte etwas früher zumindest eine Zwischennutzung realisiert werden (siehe Box).

Nach ihrem bisher grösster Erfolg: Luzerner Juso jubeln 2017 über die Annahme der Inseli-Initiative. (Bild: zvg)

Frustriert ist auch Yannich Gauch. Der SP-Grossstadtrat und Co-Präsident war 2017 eine der treibenden Kräfte hinter der Inseli-Initiative. Und sagt heute: «Ich befürchte, dass ein zweites Bahnhofstrasse-Desaster droht.» Dort verzögert sich die Umsetzung des Volksentscheides bekanntlich ebenfalls seit Jahren, weil sich das Projekt als komplexer erwies als erwartet (zentralplus berichtete).

Speziell ärgere ihn, dass seit Beginn der Coronakrise kaum mehr ein Car auf dem Inseli parkiert habe, so Gauch weiter. «Der Stadtrat hätte in diesen anderthalb Jahren die Neugestaltung im Sinne einer Zwischennutzung oder einer Testphase vorantreiben können – doch er scheint irgendwie lustlos.» Dabei zeige das Projekt am Löwenplatz, dass schnell und unkompliziert eine Umnutzung möglich sei.

Määs war schon vor Jahren ein Thema

Dass die Initianten selber die komplexe Situation unterschätzt haben, weisen sie zurück. «Unser Begehren ist durchaus legitim und umsetzbar – es war keine utopische Forderung, ansonsten wäre dies auch nicht von der Bevölkerung angenommen worden», sagt Léon Schulthess. Die Initiative habe klar vorgegeben, auf welcher Fläche die Parkplätze zugunsten des Parks aufgehoben werden soll. «Das sollte in einem urbanen Raum in der heutigen Zeit kein Jahrhundertprojekt sein», sagt der Co-Präsident der Jungpartei. 

«Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich ein guter anderer Standort ergibt – zum Beispiel auf der Bahnhofstrasse, wenn sie denn fertig ist.»

Yannick Gauch, SP-Grossstadtrat

Was die Määs betrifft, habe der Initiativtext explizit nicht eine Rasenfläche festgelegt, sondern die Möglichkeiten offen gelassen, damit der Anlass weiterhin auf dem Inseli bleiben kann. Auch Yannick Gauch hält fest, dass die Initianten nie auf einem Rasen beharrt haben, sondern genauso gut eine Schotterfläche möglich sei. «Die Määs hat Tradition im Stadtzentrum, niemand will sie verdrängen.»

Die Sorge um die Määs gab in der Tat bereits im Abstimmungskampf 2017 zu reden. Die Gegner befürchteten damals, dass die Initiative die beliebte Veranstaltung verunmöglichen könnte. Doch sowohl die Juso als auch der Stadtrat beteuerten damals, dass die Määs bleiben könne.

Määs muss wohl ohnehin der Baustelle weichen

Jetzt bedränge wahrscheinlich nicht die Inseli-Initiative, sondern eher der Durchgangsbahnhof die Määs, sagt Yannick Gauch. Er vermutet, dass es während der Bauphase ohnehin eine Alternative für die Määs brauche. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich ein guter anderer Standort ergibt – zum Beispiel auf der Bahnhofstrasse, wenn sie denn fertig ist», sagt Gauch.

«Von einer Verschiebung des Standortes der Määs weg vom Perimeter Inseli will der Stadtrat aktuell absehen.»

Manuela Jost, Baudirektorin

Tatsächlich bestätigt Stadträtin Manuela Jost, dass während der zehnjährigen Bauphase des Durchgangsbahnhofs alle Funktionen, die nicht zwingend auf den Bahnhof angewiesen sind, voraussichtlich an einen anderen Standort verschoben werden müssen.

Hat Tradition auf dem Inseli-Areal: Die Lozärner Määs. (Bild: Tobias Lackner) (Bild: Tobias Lackner)

Jost will Määs auf dem Inseli behalten

Was das alles für den Luzerner Traditionsanlass bedeutet, ist offen. Eine Machbarkeitsstudie soll nun den effektiven Flächenbedarf der Määs im Detail prüfen und den Spielraum für die Gestaltung des Inseli ausloten. Erörtert werden dabei auch alternative Määs-Standorte im Raum Inseli. «Von einer Verschiebung des Standortes der Määs weg vom Perimeter Inseli will der Stadtrat aktuell absehen», versichert Manuela Jost. Die Resultate der Studie werden bis Ende Jahr erwartet. Dann will der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden.

Und was sagt die Baudirektorin zur Sorge der Linken, es könnte bei der Inseli-Initiative ähnlich lange dauern wie bei der Bahnhofstrasse? «Der Stadtrat ist bestrebt, bis Ende 2021 Klarheit zu schaffen und im Weiteren möglichst schnell eine geeignete Lösung zu finden», sagt die grünliberale Stadträtin. Der Zeitpunkt der Entwicklung des Inseli hänge hauptsächlich von der Suche eines Ersatzstandortes für die Carparkplätze ab – und da habe das Parlament den ursprünglichen Vorschlag abgelehnt. Inzwischen ist man aber auf gutem Weg (siehe Box).

«Aber es ist klar: Es handelt sich um einen der zentralsten Freiräume der Stadt», sagt Jost. Und da zeige sich, dass nicht alle Ansprüche auf demselben Raum erfüllbar seien. «Diese Problematik zeigte sich bereits bei der Bahnhofstrasse und auch in anderen Städten zeigt sich, dass grössere Projekte im öffentlichen Raum langwierig sind.» Mit den Pop-Up-Parks prüfe man ein Instrument, um niederschwelliger reagieren und austesten zu können.

Wann gibt es eine Zwischennutzung?

Noch ist die Umgestaltung des Inseli in weiter Ferne. Immerhin könnte eine Zwischennutzung bereits früher auf dem Areal möglich werden. Allerdings braucht es dazu eine Lösung für die Reisebusse. «Sobald für die Carparkplätze ein Ersatz gefunden wurde – voraussichtlich 2023 -, wird unter Einbezug der Quartierbevölkerung eine Zwischennutzung angestrebt, welche Hinweise für die langfristige Neugestaltung geben wird», bekräftigt Baudirektorin Manuela Jost. Die Suche nach einem passenden Alternativstandort sei auf gutem Weg.

Die Juso kritisiert allerdings auch in diesem Punkt die Passivität des Stadtrats. «Es kann nicht sein, dass der Stadtrat der Bevölkerung den Auftrag für Zwischennutzungen übergibt und selber nichts proaktiv dazu beiträgt», sagt Copräsident Léon Schulthess. Zwar hat der Stadtrat kürzlich Offenheit gegenüber Ideen für Pop-up-Nutzungen signalisiert (zentralplus berichtete).

Laut der Juso fehlte aber eine offensive Kommunikation an die Bevölkerung, entsprechende Vorschläge an die Stadt heranzutragen. «Deshalb muss jetzt der Stadtrat ihre Arbeitshaltung überdenken, den Volkswillen ernst nehmen und zumindest aktiv dafür sorgen, dass eine Zwischennutzung diesen Sommer geschaffen wird.» 

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