Politik
Zugerin zu Kriegsgeschäften und Klima

Julia Küng: «Es ist unsere Aufgabe, Druck zu machen»

Julia Küng ist seit Januar 2020 Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz. (Bild: jal)

Im Schatten der Konzernverantwortungsinitiative findet nur ein leiser Abstimmungskampf zur Kriegsgeschäfte-Initiative statt. Mittendrin: Die Zugerin Julia Küng, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz. Die 19-Jährige blickt bereits über den nächsten Sonntag hinaus.

Es erklingt seit Wochen ein grosser Trommelwirbel auf der Schweizer Politikbühne. Die Lautstärke des Abstimmungskampfes zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI) ist hoch. Und da erstaunt es kaum, dass die zweite Vorlage, über die am 29. November abgestimmt wird, fast überhört wird.

«Es war nicht einfach, Aufmerksamkeit für unser Anliegen zu gewinnen», sagt Julia Küng. Die Zugerin ist seit Anfang Jahr Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz, welche die Kriegsgeschäfte-Initiative gemeinsam mit der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (Gsoa) lanciert haben.

Bis zum Auftritt in der «Arena»

Die Initiative verlangt, dass kein Schweizer Geld in die Finanzierung von Kriegsmaterial fliesst (siehe Box). Anders als viele Stimmbürger hat sich Küng in den letzten Monaten fast ausschliesslich damit beschäftigt.

Es ist für die 19-Jährige der erste nationale Abstimmungskampf, in den sie so eng involviert war. Sie half mit, von Hand 600’000 Flyer in Schweizer Briefkästen zu werfen, diskutierte an Anlässen, gab Medien Auskunft und trat in der «Arena» des Schweizer Fernsehens auf.

Die Gegner erachten die Initiative nicht als wirksames Mittel für mehr Frieden und Sicherheit. Sie kritisieren unter anderem, dass darunter die Renten, der Finanzplatz Schweiz und die Wirtschaft mit ihren KMU leiden würde. Wenn man Küng auf die Kritikpunkte anspricht, jongliert sie mühelos mit Zahlen, Argumenten und Erklärungen.

Im Video sagt Julia Küng, wieso die Kriegsgeschäfte-Initiative ihrer Meinung nach wichtig ist:

Selber ausgesucht hat sie sich das Thema nicht. Die Initiative wurde längst vor ihrer Zeit als Co-Präsidentin aufgegleist. Trotzdem sagt Julia Küng: «Genau für solche Anliegen möchte ich mich engagieren.» Die Initiative werfe Grundsatzfragen auf und verfolgte ein friedenspolitisches Ziel. Und gerade weil das Thema sie so lange beschäftige, habe es Spass gemacht, sich in die Materie reinzuknien.

«Nur weil unsere Gegner älter sind, heisst das nicht zwangsläufig, dass ihre Aussagen fundierter sind.»

Und das war nötig, da es sich um ein relativ abstraktes und zuweilen komplexes Thema handelt. Die Psychologiestudentin betont aber: «Es wird von den Gegnern und dem Finanzmarkt auch bewusst kompliziert gemacht.» So wolle man signalisieren, dass Laien nicht mitreden könnten. «Aber nur weil unsere Gegner älter sind und mehr Erfahrungen in der Wirtschaft haben, heisst das nicht zwangsläufig, dass ihre Aussagen fundierter sind.» Eine Portion Idealismus, ergänzt die 19-Jährige keck, sei zudem nicht falsch.

Kriegsgeschäfte-Initiative

Bei einem Ja zur Initiative dürften die Schweizerische Nationalbank, Stiftungen, AHV und Pensionskassen keine Firmen mehr finanzieren, die mehr als 5 Prozent ihres Jahresumsatzes mit der Herstellung von Kriegsmaterial erzielen. Für Banken und Versicherungen sollen ebenfalls entsprechende Bedingungen gelten. SP, Grüne und EVP sind dafür; CVP, FDP, GLP, BDP und SVP dagegen.

Realistisch ist sie hingegen, wenn es um das Abstimmungsresultat geht. In den letzten Umfragen lag der Ja-Anteil bei 41 Prozent (Tamedia-Umfrage) beziehungsweise gar bei 50 Prozent (GFS Bern). Die Zugerin erwartet angesichts dessen zwar ein gutes Resultat. «Ob es am Ende für ein Ja reicht, daran habe ich meine Zweifel. Aber gerade die Kampfjets haben gezeigt, dass sicherheitspolitische Themen sehr umstritten sind und jede Stimme zählen kann.»

Nächste Initiative im Visier

Ohnehin geht es den Jungen Grünen nicht nur um das Resultat am nächsten Sonntag. «Wir hoffen mit dieser Initiative auch Vorarbeit leisten zu können», sagt Julia Küng. Sie blickt nämlich bereits in die Zukunft und die nächste Forderung: ein Investitionsverbot für fossile Energien. Eine entsprechende Initiative wird laut Küng mit Sicherheit lanciert, noch sei lediglich unklar, mit welchem Absender.

Möglich, dass es die Jungen Grünen sein werden. Das zweite Grossprojekt der Jungpartei – nebst dem laufenden Abstimmungskampf – ist aktuell nämlich der Start einer weiteren Initiative. Drei Vorschläge liegen seit letztem Samstag auf dem Tisch: Das erwähnte Investitionsverbot in fossile Energien, eine Demokratie-Initiative zur Ausweitung der politischen Rechte auf Junge und Ausländer sowie die sogenannte «System Change»-Initiative, die das gesamte Wirtschaftssystem umkrempeln und stärker auf Mensch und Natur ausrichten will. Im Januar wird entschieden, auf welches Pferd die Jungen Grünen setzen.

So oder so wird es ein grosser Brocken, den man ins Rollen bringen will, das weiss auch Julia Küng. Das Ziel sieht sie auch nicht in erster Linie darin, an der Urne zu siegen. «Wir wollen ein Bewusstsein schaffen für grosse Themen, die uns wichtig sind.» 

«Politische Entscheide haben einen viel grösseren Effekt, als wenn jemand sagt: Ich esse nun am Sonntag kein Fleisch mehr.» 

Mit der grünen Welle – und Mandaten in vielen Parlamenten – ist die Jungpartei inzwischen indes nicht mehr einfach der Stachel im Hintern der Mutterpartei, sondern trägt auch politische Verantwortung. Trotzdem: Die Rolle der Jungen Grünen sieht Julia Küng nach wie vor als Brücke zwischen der Bewegung auf der Strasse und der institutionellen Politik. «Es ist unsere Aufgabe, Druck zu machen und nicht, realpolitische Kompromisse auszuhandeln», so Küng. «Was aber keinesfalls ausschliesst, dass unsere Vertreter in den Parlamenten an konkreten Lösungen mitarbeiten.»  

Selber verfolgt die junge Zugerin, die 2019 für den Nationalrat kandidierte, keinen klar skizzierten Karriereplan in der Politik. Solange die Klimakrise nicht gelöst sei, könne sie sicher nicht aufhören, sich zu engagieren. «In welcher Form das sein wird, ist aber offen», so Küng, die in ihrer Freizeit bis vor kurzem viel Geige spielte und Triathlon trainierte.

Klima weckte ihr Interesse an der Politik

Wie bei vielen Jungen Grünen war es auch bei Julia Küng die Umwelt, die ihr Interesse an der Politik weckte. Die Hemmschwelle, einer Partei beizutreten, sei allerdings gross gewesen. «Irgendwann wurde mir jedoch klar: Es braucht politisches Engagement, um tatsächlich etwas verändern zu können.» Obwohl sie selber vegetarisch lebt und seit langem in kein Flugzeug mehr gestiegen ist, legt sie diesbezüglich keinen missionarischen Eifer an den Tag. «Es ist für mich klar: Politische Entscheide haben einen viel grösseren Effekt, als wenn jemand sagt: Ich esse nun am Sonntag kein Fleisch mehr.» 

Mit dem CO2-Gesetz hat die Klimajugend eine erste Etappe erreicht, obwohl einzelne Sektionen das Referendum dagegen unterstützen. Auch Julia Küng geht das Gesetz persönlich zu wenig weit. Dennoch müsse man besser kleine Schritte vorwärts statt zurück gehen. «Klar, manchmal ist es frustrierend, wenn der Erfolg einfach darin besteht, ein Bewusstsein zu schaffen», sagt sie und schiebt – mit Schmunzeln – einen klimapolitischen Klassiker nach: «Denn das hilft ja dem Eisbär am Nordpol noch nichts.» 

Julia Küngs Auftritt in der Abstimmungsarena zur Kriegsgeschäfte-Initiative:

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