Zuger Alt-Nationalrat fordert Taten vom Bund

Jo Lang sagt, wer Putin in die Knie zwingen kann

Jo Lang, Alt-Nationalrat aus Zug, kritisiert die Haltung des Bundesrats im Ukraine-Krieg. (Bild: Adobe Stock)

In Bern findet diesen Samstag eine Friedensdemonstration gegen den Ukraine-Krieg statt. Mit von der Partie ist Jo Lang, Zuger Alt-Nationalrat der Grünen. Der langjährige Pazifist fordert vom Bundesrat klare Taten – und sagt, wer Wladimir Putin in die Knie zwingen kann.

Der Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine sorgt in der Schweiz für Bestürzung und Empörung. Auf den sozialen Medien tun linke wie rechte Politikerinnen ihre Meinung über den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angezettelten Krieg kund (zentralplus berichtete). Auf den Strassen blieb es bisher aber weitgehend ruhig. Das dürfte sich am Samstag ändern.

Die Jungen Grünen haben gemeinsam mit der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und anderen Organisationen zu einer Friedensdemonstration am Samstagmittag in Bern aufgerufen. «Es werden Tausende kommen», gibt sich Jo Lang überzeugt. Der grüne Alt-Nationalrat aus Zug und Vorstandsmitglied der GSoA wird selbstverständlich auch mit von der Partie sein. «Es wird sich zeigen, dass die Menschen nicht nur gegen die Amerikaner auf die Strasse gehen.»

Damit spricht Lang die Kritik an der pazifistischen Bewegung in der Schweiz an. Um sie blieb es zuletzt auffällig ruhig, obwohl sich der Ukraine-Konflikt schon seit Wochen zuspitzt. Die «NZZ am Sonntag» stellte vor zwei Wochen den Vergleich zu 2003 an, als die USA in den Irak einmarschierten – und daraufhin in der Schweiz 40'000 Menschen an einer Friedensdemonstration auf die Strasse gingen. «Wie glaubwürdig ist eine Friedensbewegung, die offenbar nur dann auf die Strasse geht, wenn sich gegen das alte Feindbild Amerika wettern lässt?», kritisierte die «NZZ am Sonntag».

Friedensbewegung erwacht aus Dornröschenschlaf

Jo Lang kam in besagtem Artikel auch zu Wort. Er begründete das bisherige Ausbleiben einer Schweizer Friedensbewegung im Ukraine-Konflikt mit der unübersichtlichen Ausgangslage. Das Schwarz-Weiss-Denken, die Unterscheidung zwischen «Gut» und «Böse» sei in der Ukraine schwieriger als damals beim Irak-Krieg. Er versprach aber: «Wenn die Russen in der Ukraine einmarschieren, ziehen wir vor die russische Botschaft.»

Bereits am vergangenen Mittwoch, also noch vor dem offiziellen Einmarsch der russischen Armee, protestierte die GSoA vor der russischen Botschaft. Je nach Quelle versammelten sich zwischen wenigen Dutzend und über hundert Personen vor der Botschaft. Am Donnerstag waren es in Bern und Zürich dann bereits rund tausend Demonstrantinnen. Und nun sollen es am Samstag in Bern also mehrere tausend sein.

Doch mit welchem Ziel ziehen die Menschen auf die Strasse? Wladimir Putin dürfte es kaum beeindrucken, dass in Bern Tausende Personen für den Frieden demonstrieren. Jo Lang nennt vier Gründe, wieso die Demonstration am Samstag trotzdem wichtig ist.

1. Frieden braucht öffentliche Präsenz

«Es ist wichtig, dass die Friedensbewegung öffentlich präsent ist», begründet Jo Lang. Denn Kriege finden ebenfalls auf der öffentlichen Ebene statt. Die Medien berichten ausführlich über die kriegerischen Geschehnisse in der Ukraine. Darum sei es wichtig, dass auch der Frieden öffentlich thematisiert wird. Demonstrationen seien ein wichtiges Mittel zu diesem Zweck.

«Wir wollen am Samstag ein starkes Zeichen gegen Putin und gegen den Krieg setzen», so Lang. Kritiker, die die Schweizer Friedensbewegung in den sozialen Medien als «Mainstream» bezeichnen und ihr eine heuchlerische Moral vorwerfen, tut der 67-Jährige als «Mumpitz» ab. «Ich bin froh, dass ich mich am Samstag mit vielen anderen für eine gute Sache einsetzen kann.»

2. Meinungsbildung neu gestalten

Die Demonstration diene auch dazu, die Deutungshoheit in der Schweiz über den Krieg in der Ukraine zu übernehmen, so Lang. Diese werde aktuell von rechten Politikern wie den SVP-Politikern Roger Köppel und Claudio Zanetti geprägt. Die Hauptgeschichte der aktuellen «Weltwoche»-Ausgabe, deren Chefredaktor Köppel ist, trägt den Titel «Putin, der Missverstandene».

«Wir dürfen die Meinungsbildung in der Schweiz zum Ukraine-Krieg nicht Leuten wie Köppel oder Zanetti überlassen.»

Jo Lang, Alt-Nationalrat Grüne Zug

Zanetti wiederum sorgt mit provokanten Tweets zum Ukraine-Krieg regelmässig für Diskussionen. Zuletzt, als er sich über die SRF-Korrespondentin Luzia Tschirky mokierte, die am Donnerstag aus Kiew in einer schusssicheren Weste vor die Kamera tat.

«Das ist absurd», gibt Alt-Nationalrat Lang zu bedenken. «Wir dürfen die Meinungsbildung in der Schweiz zum Ukraine-Krieg nicht Leuten wie Köppel oder Zanetti überlassen.» Deshalb ist es aus seiner Sicht wichtig, dass am Samstag viele Menschen auf die Strassen gehen, die deren Sichtweise auf die Geschehnisse im Osten Europas nicht teilen.

3. Bundesrat unter Druck setzen

Das dritte Ziel der Demonstration sei es, den Bundesrat unter Druck zu setzen. «Der Bundesrat muss härtere Sanktionen treffen und Privatvermögen der russischen Elite in der Schweiz blockieren», fordert Lang. Die Schweizer Regierung hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass sie die Sanktionen der EU nicht vollumfänglich übernehme. Das Geld russischer Oligarchen auf Schweizer Konten wolle der Bund vorerst nicht antasten (zentralplus berichtete).

Für Jo Lang ist diese Politik unverständlich: «Der Bund sollte gegen jene Personen vorgehen, die in den Verwaltungsräten russischer Konzerne wie Nord Stream sitzen. Solche Personen sind Putinisten. Ein Blick ins Handelsregister würde genügen, um herauszufinden, wer das ist.»

4. Solidarität mit russischer Friedensbewegung

Schliesslich ist das letzte Ziel der Kundgebung, Solidarität mit der russischen Friedensbewegung zu zeigen. Auf Twitter erklärte Lang, dass diese die «wichtigste und schwierigste» Aufgabe habe. In Russland gab es am Donnerstag Proteste gegen Putins Einmarsch in die Ukraine. Die Polizei ging gemäss Medienberichten jedoch radikal gegen Demonstranten vor.

«Ich persönlich ginge nicht an die Fasnacht, während in der Nähe Krieg herrscht.»

Am Telefon führt Lang aus: «Die russische Friedensbewegung ist die Einzige, die Putin langfristig gefährlich werden kann. Aus so einer Bewegung kann sich eine Demokratiebewegung entwickeln. Und nur diese hat die Kraft, den Tyrannen Putin zu stürzen.»

Fasnacht ist für Lang kein Thema

Europaweit bilden sich Friedensbewegungen, um Solidarität mit der Ukraine und den russischen Pazifisten zu zeigen. In der deutschen Karnevalshochburg Köln ging man sogar so weit, den traditionellen Fasnachtsumzug am Rosenmontag durch eine Friedensdemonstration zu ersetzen (zentralplus berichtete). In Luzern und Zug ist eine Absage der Fasnacht derweil kein Thema, wie LFK-Präsident Peti Federer am Freitag im «Regionaljournal Zentralschweiz» bestätigte.

Dass Luzerner und Zugerinnen ausgelassen Fasnacht feiern, während in der Ukraine Krieg herrscht, sorgte in den sozialen Medien für Kritik. Für Lang steht eine Absage der Fasnacht aber ebenfalls nicht zur Diskussion. «Ich bin nicht der Ansicht, dass wir die Fasnacht jetzt verbieten müssen. Aber ich persönlich ginge nicht an die Fasnacht, während in der Nähe Krieg herrscht.»

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12 Kommentare
  • Profilfoto von Goeggeler
    Goeggeler, 01.03.2022, 22:17 Uhr

    Was Putin zurzeit anstellt geht gar nicht. Aber die Amerikaner führen seit Jahrzehnten überall in der Welt Krieg und sind für Millionen von toten Zivilisten verantwortlich. Warum gibt es eigentlich nie Sanktionen gegen Amerika? Oder warum dürfen Amerikaner im Sport noch mitmachen und werden nie boykottiert? Sind durch Amerikaner getötete Zivilisten weniger Wert?

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      Cory Gunz, 01.03.2022, 22:53 Uhr

      Am meisten Angriffskriege führtne in den letzten 20 Jahren nicht die USA, sondern Israel, gefolgt von Russland. Gab es etwa Sanktionen gegen Israel? Was nicht heissen soll, dasss das restriktive Vorgehen gegen Russland nicht angemessen wäre.

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        Goeggeler, 02.03.2022, 22:28 Uhr

        Da gebe ich Ihnen recht. Israel gehört auch zu diesen Ländern. Allerdings immer gedeckt von den Amerikanern.

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    Kirra, 26.02.2022, 19:47 Uhr

    Gottseidank hat man Lang vor Jahren in Zug abgewählt
    Solche Leute bringen unserer Politik überhaupt nichts

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      Kasimir Pfyffer, 28.02.2022, 13:17 Uhr

      Ja, schrecklich, solche Leute haben ein Herz und ein Hirn und stören die Gnomen beim Geldwaschen, neiaberau.

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    Thomas Aebersold, 26.02.2022, 17:17 Uhr

    Wird Zeit, dass sich die Zivilgesellschaft in der Schweiz endlich meldet und zeigt, dass man mit der russischen Invasion scharf verurteilt. Vor allem, dass der Bundesrat unter Druck gesetzt wird, endlich griffige Sanktionen gegen den Aggressor zu ergreifen.

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    Hegard, 26.02.2022, 17:15 Uhr

    Cyberattacken sind die wirksamsten Waffen gegen Putin.
    Mit Watte werfen kommt Putin nicht zum Bluten.

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    Paul Bründler, 26.02.2022, 17:07 Uhr

    Ich glaube Herr Lang treibt etwas ganz anders an:
    Ihm schwant nämlich, dass der ganze Unsinn, welcher der Westen seit 68 ertragen muss und welcher ihn lähmt und auflöst JETZT am Ende ist.
    Der ganze Quatsch, von «AKW-Abschalten» bis «Armee zugunsten von Gendertoiletten» auflösen «hat fertig».
    Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung, versucht er nun sein muffiges Weltbild noch einmal in Erinnerung zu rufen. Ob noch jemand zuhört?
    Eins ist sicher: Mit Gendersternen kann man weder gegen Putin noch gegen Xi Jinping schiessen.

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      Daniela Übersax, 26.02.2022, 17:32 Uhr

      Was soll Jo Lang mit Genderspeech zu tun haben? Er hat sich meines Wissens nie dazu geäussert. Hier geht es um den Krieg in der Ukraine und Sie schwafeln von AKWs und Toiletten. Haben Sie einfach ein Problem mit Personen, die andere Positionen als Sie selbst vertreten?
      Mir ist ein Jo Lang jedenfalls deutlich symapthischer als die Luzerner SVP Exponenten Yvette Estermann und Franz Grüter, die den Krieg als nachvollziehbar bezeichnen und dem Westen die Verantwortung dafür zuschieben.

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      blaues einhorn, 26.02.2022, 17:46 Uhr

      Es ist Krieg und sie nerven sich über geschlechterneutrale Toiletten? Gahts no?

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    Roli Greter, 26.02.2022, 10:24 Uhr

    Mit der Osterweiterung («bei der Elbe ist Schluss») und dem Putsch 2014 machen sich einige Staaten zum Mittäter…

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  • Profilfoto von Silvan Studer
    Silvan Studer, 26.02.2022, 10:17 Uhr

    Die Weltwoche, die fast niemand liest, soll also die Deutungshoheit haben?
    Wie geht das denn? Falls das wirklich zuträfe, müsste man sich die Methode patentieren lassen.
    Klingt ziemlich wirr, aber nicht untypisch für Herrn Lang.

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