Politik
Luzern: Angriff der SP gescheitert

«In dieser unsicheren Zeit will die Bevölkerung kein Experiment»

Franziska Bitzi Staub (CVP) und Manuela Jost (GLP) freuen sich über ihre Wiederwahl. Im Hintergrund applaudiert Judith Dörflinger (SP). (Bild: jal)

Die Stadtluzerner wollen keine linke Mehrheit im Stadtrat: Franziska Bitzi (CVP) und Manuela Jost (GLP) halten Judith Dörflinger (SP) auf überraschend klarer Distanz. In der Krise wünsche sich die Bevölkerung Kontinuität, meinen die beiden Gewählten. Dieses Argument habe leider verfangen, sagt die enttäuschte SP-Kandidatin.

Die Stadtluzerner haben entschieden: Die zwei verbliebenen Sitze im Luzerner Stadtrat gehen an Franziska Bitzi Staub (CVP) und Manuela Jost (GLP). Die beiden amtierenden Stadträtinnen können ihre Sitze verteidigen.

Und zwar mit deutlichem Abstand: SP-Konkurrentin Judith Dörflinger landete mit rund 2’650 Stimmen – und damit überraschend klar – hinter der GLP-Baudirektorin.

Dahinter folgen abgeschlagen die Herren: Jona Studhalter (Junge Grüne), Skandar Khan (Juso), Rudolf Schweizer (parteilos) und Silvio Bonzanigo (ehemals SVP, nun parteilos). Die Stimmbeteiligung lag bei bescheidenen 32,42 Prozent.

Damit setzt sich der Luzerner Stadtrat weiterhin aus je einem Vertreter von SP, Grünen, GLP, CVP und FDP zusammen. Bereits im ersten Wahlgang bestätigt wurden Stadtpräsident Beat Züsli von der SP, Sozialdirektor Martin Merki von der FDP und der grüne Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (zentralplus berichtete).

Enttäuschung bei der SP-Kandidatin

«Ich muss sagen: Ich war im ersten Moment sehr enttäuscht und bin es immer noch», sagte Judith Dörflinger unmittelbar nach Bekanntwerden des Resultats. Sie werde sich die Zeit nehmen, das Ergebnis zu verdauen, und gemeinsam mit der Partei zu analysieren.

«Gerade eine solche Krise wäre eine Chance gewesen, neue Kräfte einzubinden.»

Judith Dörflinger, SP-Kandidatin

«Offensichtlich hat die Parole verfangen, dass es in der jetzigen Krise Kontinuität brauche. Persönlich bedaure ich das sehr, denn gerade eine solche Krise wäre eine Chance gewesen, neue Kräfte einzubinden», so Dörflinger. Es gelte aber zu akzeptieren, dass die Mehrheit der Wähler das anders sehe.

Der 50-Jährigen ist es nicht gelungen, sich im Vergleich zum ersten Wahlgang zu steigern. Im Gegenteil: Dörflinger holte sogar weniger Stimmen als im ersten Wahlgang Ende März.

«Wir konnten nicht mehr so mobilisieren wie im ersten Wahlgang», räumt sie ein. «Oder die andere Seite vielleicht umso mehr, weil sie eine rotgrüne Stadtregierung verhindern wollte.»

Über die Rolle der Krise

Überrascht vom klaren Resultat schien auch Manuela Jost (GLP) zu sein. «Ich hatte schon ein gutes Gefühl, aber ich habe mir vorgestellt, dass es sehr knapp werden könnte.» 

Als Grund für das Resultat nennt auch Jost die aktuelle Coronakrise: «In dieser unsicheren Zeit will die Bevölkerung möglicherweise kein Experiment in der Regierung, sondern ein eingespieltes Team.» 

Der alte ist der neue Stadtrat von Luzern (von links): Martin Merki, Franziska Bitzi Staub, Beat Züsli, Manuela Jost und Adrian Borgula. (Bild: jal)

Die 56-jährige Baudirektorin konnte im Vergleich zum ersten Wahlgang nochmals an Stimmen zulegen. Entsprechend fühlt sie sich in ihrem Wirken bestätigt. «Ich mache nicht nur alle glücklich, das ist als Baudirektorin so, aber im Grossen und Ganzen überzeugt meine Arbeit.» 

«Es ist zu einfach zu sagen: Die Coronakrise erklärt alles.»

Franziska Bitzi Staub, Stadträtin

Am wenigsten gefährdet schien die Wiederwahl von Franziska Bitzi Staub (CVP), der im ersten Wahlgang nur gut 300 Stimmen fehlten. Siegessicher sei sie deswegen überhaupt nicht gewesen, sagte die Finanzdirektorin am Sonntag. «Die Karten werden jeweils neu gemischt. Ich bin sehr dankbar für jede einzelne Stimme.»

Auch sie mutmasst, dass sich die Bevölkerung in dieser Krisenzeit Beständigkeit wünscht. Es sei vielen Menschen offenbar wichtig, dass alle Parteien und möglichst ein breites Spektrum an politischen Absichten im Stadtrat repräsentiert sei.

Die Pandemie als einzige Erklärung greife aber zu kurz, sagt Bitzi mit Blick auf die Nachbarstadt Kriens. Dort hat die Bevölkerung einen komplett neuen Stadtrat gewählt (zentralplus berichtete). «In Kriens wünscht sich die Bevölkerung trotz Krise und grosser finanzieller Probleme einen totalen Wechsel. Es ist also zu einfach zu sagen: Die Coronakrise erklärt alles.»

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