Politik

Kanton Zug erntet Kritik für Entlastungskonzept
Hilfe – halb Rotkreuz erstickt im Autoverkehr!

  • Lesezeit: 4 min
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Total überlastet im Pendlerverkehr: Bis zu 3000 Autos pro Stunde drehen sich in Rotkreuz morgens zu Spitzenzeiten im Forren-Kreisel. (Bild: woz)

Nicht nur der Stadt Zug droht im Berufsverkehr der Kollaps. Noch viel dramatischer sieht die Situation in Rotkreuz aus. Morgens und abends stauen sich hier im Industriegebiet Hunderte von Pendlern in ihren Autos. Um den Infarkt zu verhindern, hat der Kanton Zug nun eine «Bestvariante» gegen die Staus präsentiert. Diese behagt einigen Rotkreuzern aber ganz und gar nicht.

Bis zu 3000 Autos pro Stunde drehen sich hier morgens im Kreis: So viele wollen zu dieser Tageszeit von der Autobahn über den Forren-Kreisel nach Rotkreuz, zu Roche oder ins Industriegebiet fahren. Das haben Messungen des Kantons ergeben.

Eine Menge Blech, das sich dann auch noch zurückstaut, weil der zentrale Kreisel am Ortseingang von Rotkreuz diese Autokolonnen einfach nicht mehr «schluckt» beziehungsweise in die einzelnen Richtungen zu verteilen vermag. Am Abend dann das gleiche Bild. Der droht zu kollabieren.

Die Staus haben die «Boomtown» Rotkreuz, die weiterhin in horrendem Tempo in der Suurstoffi weiterwächst, quasi eingebremst. Doch jetzt droht dem Dorf die Luft auszugehen, wenn nicht leistungsfähige Entlastungstrassees geschaffen werden.

«Bypass» für den Kreisel, zwei Autobahnhalbanschlüsse

Bei einer Informationsveranstaltung in Rotkreuz stellte der Kanton Zug nun eine «Bestvariante» vor, wie er den Pendlerstaus in Rotkreuz Herr werden will. Die zwei elementaren Bausteine: Erstens soll der völlig überlastete Forren-Kreisel einen «Bypass» bekommen. Dieser hat die Funktion, den Kreisel zu entlasten, indem der Verkehr von der Blegistrasse und von den zwei ansässigen Tankstellen auf die Autobahn schneller abfliessen kann.

Zweitens sind an der Autobahn zum Gotthard, unmittelbar nach der Ausfahrt Rotkreuz, zwei Halbanschlüsse geplant. Halbanschlüsse sind bekanntlich Autobahnausfahrten, bei denen die Aus- oder Abfahrt jeweils nur in eine Richtung möglich sind (siehe Karte).

So soll die «Bestvariante» des Kantons Rotkreuz vom Pendlerverkehr entlasten: Unten, mit Rot eingezeichnet, sind die neuen beiden Halbanschlüsse an der Autobahn Richtung Gotthard zu erkennen.

So soll die «Bestvariante» des Kantons Rotkreuz vom Pendlerverkehr entlasten: Unten, mit Rot eingezeichnet, sind die neuen beiden Halbanschlüsse an der Autobahn Richtung Gotthard zu erkennen.

(Bild: Grafik: Kanton Zug)

In diesem Fall sollen die zwei Halbanschlüsse den Autobahnanschluss Rotkreuz entlasten. Und zwar, indem man künftig Richtung Norden, also nach Luzern, zusätzlich von Buonas und Holzhäusern aus auf die Autobahn einfahren kann. Gleichzeitig kann man von Luzern und Zug aus, also Richtung Süden, hier zusätzlich von der Autobahn nach Rotkreuz abbiegen.

«Warum kuschen Sie eigentlich immer so vor dem grossen Kapital!?»

Besucher der Infoveranstaltung in Rotkreuz

Diese «Bestvariante» hat im Gegensatz zu drei weiteren, vom Kanton vorgestellten Varianten einen grossen Vorteil: Sie würde «nur» 20 Millionen Franken kosten, wie Baudirektor Urs Hürlimann und Raumplaner René Hutter erklärten.

«Die anderen drei Varianten kämen auf 30, 40 beziehungsweise 60 Millionen Franken und wären vor allem mit neuen Strassenbauten verbunden», so die Kantonsvertreter. Beispielsweise mit einer neuen Ostumfahrung Rotkreuz.

Indes – der Widerstand der sehr zahlreich erschienen Bevölkerung aus Risch und Rotkreuz nahm sich teilweise sehr harsch aus. «Warum kuschen Sie eigentlich immer so vor dem grossen Kapital!?», beschwerte sich ein Besucher und sorgte für betretene Gesichter auf dem Podium der Informationsveranstaltung.

Roche hat etwas dagegen

Was der erregte Frager damit meinte, ist klar: Die Industrie, unter anderem Roche mit seinen 2500 Angestellten, sorge im Rotkreuzer Industriegebiet für den riesigen Pendleransturm. Die «Bestvariante» selbst führe aber eben nicht durchs Industriegebiet – obwohl just eine Entlastungsvariante eine Anbindung der Industriestrasse an die Holzhäusernstrasse vorsehen würde.

Doch da hat eben Roche aus Sicherheitsgründen etwas dagegen, wie die anwesende Annette Luther, General Manager der Roche Diagnostics International AG, klar machte. «Die Verkehrssituation ist jetzt schon für unsere Mitarbeiter gefährlich», wie Luther versicherte. Dabei handelt es sich bei der Industriestrasse im heutigen Zustand nur um eine Sackgasse auf dem Gewerbeareal.

«Wer von unseren Mitarbeitern im Umkreis von 35 Kilometern wohnt, darf nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren, sondern muss den öV nutzen.»

Annette Luther, Roche Diagnostics

Andererseits machte die Roche-Vertreterin deutlich, dass gerade der Pharmakonzern in Rotkreuz sich jetzt schon für eine Verkehrsreduktion in Sachen Autos einsetzt. «Wer von unseren Mitarbeitern im Umkreis von 35 Kilometern wohnt, darf nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren, sondern muss den öV nutzen oder mit dem Velo kommen», erklärte sie. Ein zweifellos interessantes Konzept.

Ein Zuhörer kritisiert die «Bestvariante» des Kantons. Rechts oben: Baudirektor Urs Hürlimann.

Ein Zuhörer kritisiert die «Bestvariante» des Kantons. Rechts oben: Baudirektor Urs Hürlimann.

(Bild: woz)

Doch auch andere Rotkreuzer Zuhörer schien dies nicht zu überzeugen. Einige sehen das Verkehrsproblem eindeutig auf dem Industrieareal und bei Roche und nicht in anderen Teilen von Rotkreuz. «Wenn die beiden Halbanschlüsse an der Autobahn kommen, kann es auch mehr Verkehr im Dorf geben», befürchtet ein Besucher.

Die Kantonsmitarbeiter konnten als Antwort nicht das Gegenteil beweisen. Ein Bauer meinte pragmatisch, dass das ganze Verkehrsproblem eindeutig über die Autobahn zu regeln sei – etwa mit einem Direktanschluss ins Industriequartier. Doch so etwas würde vom Bundesamt für Strassen (Astra) nie bewilligt werden, machte der Kanton klar.

Der «alte» Bypass hat schon ausgedient

In der Tat erscheint unklar, ob die Bestvariante wirklich fruchtet. Das wird besonders im Fall des Forren-Kreisels deutlich. Denn der neu geplante Bypass sorgt eigentlich nur für Entlastung, was die Abfahrt von Autos aus Rotkreuz auf die Autobahn betrifft.

Für all die Pendler aber, die morgens von der Autobahn zu Roche und ins Industriequartier wollen, gibt es schon seit sieben Jahren einen Bypass – als der Kreisel zum ersten Mal im Rahmen des neuen Autobahnanschlusses Rotkreuz fitgemacht wurde. Aber der ist eben jetzt hoffnungslos überlastet.

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