Politik
Südpol, Buobenmatt und ein «Unort»

Grüne schicken drei Standorte für ein neues Luzerner Theater ins Rennen

Abreissen oder erhalten? Beim Theater soll's nicht nur um die Fassade gehen, sondern auch um Inhalte. (Bild: jwy)

Das Luzerner Theater braucht einen neuen Standort. Das finden die Luzerner Grünen. Deswegen schlagen sie der Stadt die Prüfung dreier Plätze vor. Wirklich ideal scheint aber nur einer zu sein.

Die Diskussionen um das Luzerner Stadttheater reissen nicht ab. Schon seit Jahren wird über einen neuen Standort oder eine Sanierung des bestehenden Gebäudes am Theaterplatz diskutiert. Während sich die Stadt Luzern und das Theater selbst für einen Neubau aussprechen, will der Denkmal- und Heimatschutz des Bundes das heutige Gebäude erhalten, sanieren und nur einen eingeschränkten Umbau zulassen (zentralplus berichtete).

Die Grünen und Jungen Grünen des Kanton Luzerns sprechen sich klar für einen neuen Standort aus – und fordern in einem Vorstoss die Evaluation neuer möglicher Plätze. Für sie ist das Neue Luzerner Theater nämlich eine «grosse Investition in die Zukunft» und ein «Jahrhundertprojekt», wie sie in einer Mitteilung schreiben. Hinter dem Vorstoss stehen Kantonsrat und kantonaler Parteivorstand Urban Frye, Grossstadtrat Jona Studhalter und Kantonsrat Jonas Heeb. Als Denkanstoss legen sie dem Stadtrat drei Standorte zur Prüfung vor:

1. Kasernenplatz

Ein Neubau am Kasernenplatz wäre laut Urban Frey absolut denkbar – wenn der Bypass umgesetzt wird. «Dann könnte die Autobahneinfahrt zurückgebaut werden und es gäbe viel neuen Platz», sagt Frye auf Anfrage. Dass frühere Projekte, wie etwa der Neubau für die Universität Luzern, abgeschmettert wurden, habe nichts mit dem Standort an sich zu tun. Und eine Aufwertung durch einen stadtverträglichen Theaterbau sei an sich wünschenswert. Den Kasernenplatz empfindet Frye nämlich als «Unort der Stadt».

Der Kasernenplatz mit dem Naturmuseum und der Autobahneinfahrt.

«Die Buobenmatt gewinnt auch keinen Schönheitspreis.»

Urban Frye, Kantonsrat

2. Buobenmatt

Unweit des aktuellen Standorts befindet sich die Überbauung Buobenmatt. «Die gewinnt auch keinen Schönheitspreis», so Frye. Wenn die Stadt nun also unbedingt in der Nähe des Theaterplatzes bleiben möchte, dann sei dies durch einen Teilabriss der Buobenmatt realisierbar «ohne das Gebäude des heutigen Theaters zu tangieren», wie es in einer Medienmitteilung der Partei heisst.

Der Standort am Theaterplatz mit dem alten Theater (links) und der Überbauung Buobenmatt (rot, hinten).

3. Südpol

Fryes favorisierter Standort ist aber klar das Südpol-Areal in Kriens «Da gibt es bereits heute schon viele Bühnen. Grosse Teile der benötigten Infrastruktur wie etwa Proberäume oder Gastronomie könnten gemeinsam genutzt werden. Ein Neubau am Südpol müsste vielleicht wegen diesen Synergien gar nicht mehr das gesamte Raumprogramm enthalten.

Und dass die Abteilung Musik der Hochschule Luzern neu im Südpol ihre Unterrichtsräume und Probebühnen habe, sei ein zusätzlicher Vorteil. «Die Musiker von morgen sind heute schon da. Synergien könnten perfekt genutzt werden.» Generell entstehe am Südpol «gerade ein neuer kultureller Hotspot, in den sich auch das Luzerner Theater nahtlos und schlüssig integrieren könnte», wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Das Kulturhaus Südpol – auch das neue Zuhause der Musikabteilung der HSLU.

Kein Sprint, sondern ein Marathon

Generell findet Urban Frye, dass man nicht kurzfristig denken sollte. «Eine schnelle Lösung am alten Standort behebt das Problem nicht, sondern verzögert es nur.» Auch müsse man über die Stadtgrenzen hinaus denken. Besonders im Hinblick auf die Zukunft. «Wir bauen das Theater für die nächste Generation, für die nächsten 100 Jahre.» Bis dahin werden sich das Stadtbild und die Stadtgrenzen massgeblich verändert haben. Ein Theater in Bahnhofsnähe sei dann nicht mehr zwingend.

«Die Diskussion muss breit geführt werden. Man muss sich die Zeit dafür nehmen, neue Standorte zu prüfen», findet der Kantonsrat. Er versteht, dass die Gespräche um das Thema ermüdend sind und man es baldmöglichst vom Tisch haben will, aber jetzt zu hetzen sei falsch. «Manchmal braucht es einen Umweg für die richtige Lösung. Und der erfordert halt Ausdauer.»

Der Weg zum Neuen Luzerner Theater ist also ein Marathon, kein Sprint.

Neunutzung des alten Standorts

Und das alte Theater? Das kann in Fryes Augen auch gut anderweitig genutzt werden. «Für Kammerspiele beispielsweise. Oder man könnte es anderen Kulturinstitutionen für Projekte zur Verfügung stellen.» Auch eine komplett andere Nutzung sei nicht auszuschliessen – für einen Restaurantbetrieb beispielsweise.

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