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SVP-Bonzanigo musste zum Hearing antraben
GLP-Jost ist beim städtischen Wirtschaftsverband wieder hoch im Kurs

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Alexander Gonzalez präsidiert den Wirtschaftsverband der Stadt Luzern. (Bild: zvg)

Manuela Jost kann im Stadtratswahlkampf auf die Unterstützung des städtischen Wirtschaftsverbandes (WVL) zählen. Sowieso wolle man wieder mehr mit der GLP zusammenarbeiten, erklärt Präsident Alexander Gonzalez. Von einer ominösen unabhängigen Kandidatur wusste und weiss der WVL-Präsident nichts.

Das Drehbuch zu den Luzerner Stadtratswahlen aus bürgerlicher Sicht bis anhin:

  • Die Bürgerlichen in der Stadt Luzern träumten im Herbst von einer überparteilichen Kandidatur aus Wirtschaftskreisen.
  • Kurz vor Weihnachten hofften CVP und FDP weiterhin, auch wenn die SVP bereits den streitbaren Ex-CVPler Silvio Bonzanigo auf den Schild gehoben hatte. Die SVP erhoffte sich, sich mit Bonzanigo das Stadtpräsidium unter den Nagel zu reissen und für eine bürgerliche Mehrheit im Stadtrat zu sorgen. Die bürgerlichen Partner zweifelten stark.
  • Am Dreikönigstag die nächste Wende: FDP-Stadtrat Martin Merki gab seine Kandidatur fürs Stadtpräsidium bekannt. Das bürgerliche Lager frohlockte, die SVP zog ihren Kandidaten aus dem Rennen ums Amt des Stapis zurück.
  • Vor einigen Tagen die nächste gute Nachricht für die Bürgerlichen: Auch die GLP unterstützt Merki und verweigert dem bisherigen Stapi Beat Züsli den Support. Im Gegenzug empfehlen CVP und FDP die GLP-Stadträtin Manuela Jost.

Die Geschehnisse genau mitverfolgt hat Alexander Gonzalez. Er ist Präsident des städtischen Wirtschaftsverbandes (WVL) und damit quasi oberster Interessenvertreter der Luzerner Wirtschaft. Jedenfalls der klassischen (siehe Box).

Wirtschaftsverband fährt eigene Kamapgne

Nach den ersten vier Jahren mit einem linken Stapi und einer Öko-Allianz im Parlament könnte man einen zerknirschten Alexander Gonzalez erwarten. Doch der 55-Jährige hadert nicht. «Es gilt aus der Situation das Beste zu machen», sagt er. Schliesslich hätten alle eine positive Entwicklung der Stadt Luzern als oberstes Ziel.

«Die Verluste der Bürgerlichen beschäftigen uns.»

Alexander Gonzalez

Und doch ist für die städtischen Wahlen im Frühling eine Anspannung spürbar. Die Gewinne von Links-grün bei den kantonalen und nationalen Wahlen zulasten der bürgerlichen Parteien haben ihre Wirkung erzielt. «Die Verluste der Bürgerlichen beschäftigen uns. Die Situation ist anspruchsvoll», sagt Gonzalez.

Thematisch hat in der Stadt derzeit allen voran die Klimakrise Hochkonjunktur – die Paradedisziplin der Grünen. Und beim Thema Verkehr, das bekanntlich den Blutdruck der Akteure in der politischen Debatte in schwindelerregende Höhen treibt, hat Adrian Borgula (Grüne) immer Recht bekommen. Gonzalez kennt’s und erklärt, dass sich der Wirtschaftsverband mit einer eigenen Kampagne für die Interessen der Wirtschaft stark machen wird. Details sind jedoch noch vertraulich.

Zwischen CVP und SVP ist das Tuch zerschnitten

Klar ist jedoch, dass man den Wahlen im Frühling eine grosse Bedeutung zumisst. «Und wir wollen uns gegen Etiketten wehren, die gar nicht stimmen», erklärt Gonzalez und meint damit insbesondere Anschuldigungen an die Wirtschaft, man nehme die Klimakrise nicht ausdrücklich ernst.

Doch welche Pläne hat der städtische Wirtschaftsverband? «Der bürgerliche Schulterschluss war das Ziel», erklärt Gonzalez. Gemeint ist eine Listenverbindung von SVP bis CVP – möglicherweise gar inklusive der GLP. «Wir hatten hinter den Kulissen intensive Kontakte mit den bürgerlichen Parteien», so Gonzalez.

Geklappt hat es nicht: Für die CVP-Basis ist die SVP ein rotes Tuch. Dies war so und wird so bleiben – nichtsdestotrotz wird immer wieder der grosse Schulterschluss angestrebt. Gonzalez: «Selbstverständlich respektieren wir den Entscheid der einzelnen Parteien.» Es gehe auch nicht um die Schuldfrage. «Wir wissen, dass das Spektrum sehr breit ist. Dies ist eine grosse Herausforderung», sagt er.

Bonzanigo musste zum Hearing antraben

Damit die Bürgerlichen im Stadtparlament ihre Geschäfte durchbringen, benötigen sie auch die Unterstützung der Grünliberalen. Stimmt die GLP mit den Linken, so beissen sich CVP, FDP und SVP an der Öko-Allianz die Zähne aus.

Gonzalez bestätigt, dass die GLP als Mehrheitsbeschafferin stärker in den Fokus des Verbandes gerückt ist. «Wir möchten schon länger enger mit der GLP zusammenarbeiten», sagt er. Dass sich die Partei nun für Martin Merki als Stadtpräsident stark macht, wertet er als gutes Zeichen. «Der Wirtschaftsverband wird Manuela Jost für den Stadtrat empfehlen», erklärt er gegenüber zentralplus.

«Grundsätzlich kann ein SVP-Stadtratskandidat auf die Unterstützung des Wirtschaftsverbandes zählen.»

Alexander Gonzalez

Bonzanigo, Merki, Bitzi und Jost schaffen es also aufs Ticket des Wirtschaftsverbandes. Angesichts der Ausgangslage überrascht es nicht, dass auch Jost dazugehört. Die SVP wird den Einzug in die Stadtregierung auch in diesem Jahr verpassen. Insofern ist es die einzige Chance des Verbandes, im Stadtrat bei gewissen Geschäften eine Mehrheit zu haben. Und nebenbei schmälert man dabei die Chancen der SP auf einen zweiten Sitz. Diese hat mit Judith Dörflinger eine aussichtsreiche zweite Kandidatur lanciert.

Gonzalez will diese Überlegungen nicht kommentieren. Eine andere Darstellung der Ausgangslage macht er jedoch nicht. Konkret auf die Darbietung der SVP angesprochen, äussert er sich diplomatisch: «Grundsätzlich kann ein SVP-Stadtratskandidat auf die Unterstützung des Wirtschaftsverbandes zählen.» Für den Fall, dass es nicht vertretbar wäre, einen Kandidaten zu unterstützen, behält sich der Verband vor, eine Person nicht zu unterstützen. «Die medial ausgebreiteten Geschichten und die parteiinternen Diskussionen waren in der Tat eine Herausforderung», fasst Gonzalez zusammen. Mit Silvio Bonzanigo habe ein ausführliches Hearing mit dem Gesamtvorstand des WVL stattgefunden. Das Ergebnis ist die Empfehlung des 68-Jährigen.

Alternativer Wirtschaftsverband noch unschlüssig

Nebst dem klassischen Wirtschaftsverband mischt in der Stadt Luzern auch der alternative Wirtschaftsverband «LU – Luzerner Unternehmen» mit. Er bezeichnet sich als Stimme der Klein- und Kleinstunternehmen.

Wen man für den Stadtrat unterstützt, ist laut Auskunft des Präsidenten André Egli noch unklar. «Wir organisieren ein Podium, anlässlich dessen wir mit unseren Mitgliedern die zu unterstützenden Kandidaten bestimmen werden», sagt Egli.

Unabhängige Kandidatur war nur Sturm im Wasserglas

Überhaupt nicht involviert war der Wirtschaftsverband in die ominöse unabhängige Kandidatur, welche immer wieder erwähnt wurde. Alles nur ein Bluff? Gonzalez erklärt, da er gar nie involviert war, könne er auch nichts dazu sagen. «Ich habe nie einen Namen gehört», sagt er.

Noch bis diesen Montagmittag können sich allfällige Stadtratskandidaten melden. Aller Voraussicht nach kommt es am 29. März zu einem Neunkampf um die fünf Sitze. Adrian Borgula (Grüne), Beat Züsli (SP), Franziska Bitzi (CVP) und Martin Merki (FDP) dürften entspannt sein. Es ist ein Zweikampf um den fünften Sitz zwischen Manuela Jost (GLP) und Judith Dörflinger (SP) zu erwarten. In die Entscheidung nicht eingreifen dürften Silvio Bonzanigo (SVP), Jona Studhalter (Junge Grüne) und Skandar Khan (Juso).

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4 Kommentare
  1. Dunning-Kruger, 05.02.2020, 07:34 Uhr

    Der Wirtschaftsverband gerät zunehmend unter Druck. Lobbyarbeit kann zwar zeitweise noch geleistet werden, jedoch trägt diese immer seltener Früchte hinsichtlich konkreter Projekte, die dann realisiert werden (aus Steuergeld). Der Wirtschaftsverband kann den SVP-Kandiaten nach Leibeskräften unterstützen, dass ist ihr gutes Recht, doch wird es nichts an der Tatsache ändern, dass Bonzanigo chancenlos bleiben wird!

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  2. Urs Eggler, 03.02.2020, 12:20 Uhr

    Der Kurswechsel der Stadtluzerner GLP erinnert mich an den Kurswechsel, welchen seinerzeit die Weltwoche machte, als sie von Rechtsaussen übernommen wurde. Vielleicht ist es auf längere Sicht unmöglch, sich als Kleinpartei explizit nicht als links oder rechts zu positionieren? Obwohl es der GLP auf nationaler Ebene viel besser gelingt als der Stadtluzerner GLP. Schade.

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  3. Kasimir Pfyffer, 03.02.2020, 09:53 Uhr

    Haha. Das Sendungsbewusstsein dieser Parkplatz-Missionare ist immer wieder umwerfend. Sie glauben ernsthaft, die StädterInnen vor der linksgrünen Politik retten zu müssen. Dabei ist diese linksgrüne Politik der explizite Wunsch und Wille der Stadtbevölkerung. Siehe auch BE, BS, ZH.

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  4. CScherrer, 03.02.2020, 08:29 Uhr

    Unbedeutende Vereinigung von ewig gestrigen Bürgerlichen. Einziger Nutzen hat der Präsident, nicht aber die Wähler. Bitte aufflösen. Danke

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