Mehr Kontrollen in Betrieben gefordert

Gewerkschaften: «Der Kanton Luzern ist für Lockerungen nicht bereit»

Die Suva führt auf Baustellen vermehrt Kontrollen durch. (Symbolbild Macau Photo Agency/Unsplash)

Die Gewerkschaften zeichnen ein düsteres Bild, was die Einhaltung der Corona-Massnahmen in Luzerner Betrieben betrifft. Es würden die personellen Ressourcen fehlen, um die zweite Phase der Lockerung zu kontrollieren.

Ab dem 11. Mai werden auch in Luzern die Massnahmen zum Schutz vor dem neuen Coronavirus weiter gelockert. Bei der Umsetzung der Schutzkonzepte tritt laut den Gewerkschaften zu Tage, dass dem Kanton die nötigen Ressourcen zur Kontrolle und Unterstützung der Betriebe fehlen.

Der Luzerner Gewerkschaftsbund (LGB) fordert den Regierungsrat deshalb auf, die notwendigen Schritte zum Schutz der Arbeitnehmenden und der Bevölkerung zu ergreifen. Öffentliche und private Unternehmen bräuchten zudem mehr Unterstützung bei der praktischen Umsetzung der Schutzkonzepte. Das teilte der LGB an einer virtuellen Pressekonferenz am Montag mit.

Bussen sind nicht das Ziel

«Solange die Einhaltung der Schutzkonzepte nicht vermehrt kontrolliert und sichergestellt werden kann, ist der Kanton noch nicht bereit für die zweite Phase der Lockerungen», sagt LGB-Präsident Martin Wyss.

Die Forderung nach mehr Kontrollen ziele nicht auf Betriebsschliessungen oder Bussen ab, sondern auf mehr Unterstützung für die Unternehmen und einen besseren Schutz der Luzerner Bevölkerung.

Viele kleine Beanstandungen zeugen vom Handlungsbedarf

Auf Baustellen und in Industriebetrieben ist die Suva vom Bundesrat beauftragt, weil die kantonalen Arbeitsinspektorate nicht über genügend Ressourcen verfügen. Die übrigen Betriebe werden nach wie vor von der kantonalen Industrie- und Gewerbeaufsicht (KIGA) in Zusammenarbeit mit der Luzerner Polizei kontrolliert.

«Es darf nicht sein, dass wir mangels Kontrollen die Erfolge der bisherigen Corona-Massnahmen leichtfertig verspielen.»

LGB-Präsident Martin Wyss

Bei der Mehrheit der Kontrollen werden Verstösse gegen die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) festgestellt. Es handelt sich dabei laut WAS Wira Luzern meist um kleinere Verstösse, die direkt vor Ort hätten behoben werden können.

Unterstützung durch Gewerkschaften wurde abgelehnt

Für die Gewerkschaften zeigt die Anzahl der Beanstandungen nicht nur, dass mehr Kontrollen nötig sind, sondern auch, dass viele Betriebe Beratung wünschten. Mangels Ressourcen beim Kanton würde dieser aber keine offizielle Unterstützung bei der Umsetzung der Schutzkonzepte anbieten. «Es darf nicht sein, dass wir mangels Kontrollen die Erfolge der bisherigen Corona-Massnahmen leichtfertig verspielen», sagt LGB-Präsident Martin Wyss dazu.

Die Gewerkschaften hätten dem Kanton auch Unterstützung bei Kontrollen angeboten, sagt Unia-Regionalleiter Giuseppe Reo. «Leider ist der Kanton Luzern – im Gegensatz zu anderen Kantonen – nicht auf dieses Angebot eingegangen.» Laut Reo waren finanzielle Gründe ausschlaggebend.

Schulöffnungen koordinieren statt «Trial and Error»

Viviane Hösli vom Verband des Personals der öffentlichen Dienste (VPOD) spricht weiter davon, dass besonders zu Beginn der Massnahmen Schutzmaterial bei öffentlichen Institutionen wie Spitexgruppen gefehlt hätte. Auch von mangelnder Schulung von Reinigungs- und Wartungspersonal in öffentlichen Betrieben ist die Rede. Ebenso würden Risikogruppen weiterhin zur Arbeit aufgeboten. «Die Erfahrung der letzten Wochen zeigen, dass auch öffentliche Betriebe mehr Unterstützung gebraucht hätten», sagt Hösli.

Dringend notwendig sei ein kontrolliertes Vorgehen auch im Bildungsbereich: «Insbesondere im Umgang mit besonders gefährdeten Personen sind noch viele Fragen offen», so Hösli. In der verbleibenden Woche bis zum Neustart der Volksschule brauchen die Schulen klare Vorgaben und Unterstützung durch den Kanton.

«Es braucht eine zentrale Anlaufstelle für Schulleitungen, Lehrpersonen und besorgte Eltern um die Herausforderungen zu bewältigen. Es kann nicht sein, dass die Schutzfrage individualisiert wird und jede ihre eigenen «Trial and Error»-Erfahrungen machen muss», sagt Hösli.

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4 Kommentare
  • Profilfoto von Peter Bitterli
    Peter Bitterli, 04.05.2020, 20:40 Uhr

    @ Paul Bründler:
    Uiuiui, wer solche Sachen sagt, der kriegt aber die furchtbare zweite Welle um die Ohren gehauen! Das ist nämlich ein typischer Fall von Präventionsparadox. Sagt zumindest Herr Drosten von der Berliner Charité, der uns gegenwärtig den Marsch bläst. Auch wenn das Präventionsparadox ganz etwas anderes ist. Was ist von jemandem zu halten, der die Begriffe seines Fachs wild durcheinanderschmeisst?

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  • Profilfoto von Paul Bründler
    Paul Bründler, 04.05.2020, 12:21 Uhr

    Gibt es irgendwo Daten bezüglich der Krankenstände beim Verkaufspersonal und auf dem Bau?
    Das müssten doch die Gruppen sein, welche mit am meisten exponiert waren.
    Gibt es dabei irgend eine statistische Auffälligkeit?
    Das müsste doch bis jetzt bekannt sein und auf diesen Zahlen müsste auch das weitere Vorgehen basieren.

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    • Profilfoto von Peter Bitterli
      Peter Bitterli, 04.05.2020, 12:53 Uhr

      Gibt es. Lidl publizierte schon vor zwei Wochen Zahlen. Von ihren 160‘000 Mitarbeitern in 11‘000 Filialen sind 334 erkrankt. Keiner ist gestorben. Kann man jetzt ganz genau glauben oder nicht. Weit weg von der Realität wird es nicht sein. Kommt die grosse Dunkelziffer laut Steeck dazu. Überhaupt: Haben Sie bemerkt, dass die Verkäuferinnen in den Bäckereien, die Sie jetzt täglich besucht haben, reihenweise in die Brötchen gekippt wären?

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    • Profilfoto von Paul Bründler
      Paul Bründler, 04.05.2020, 19:06 Uhr

      @Bitterli: Nein, habe bisher keine Verkäuferin im Brötchen gefunden.
      Vielleicht habe ich auch einfach nur Pech.
      Ich kenne noch nicht einmal jemanden, der irgend einen Infizierten kennt.
      Manchmal habe ich das Gefühl, diese Pandemie geht total an mir vorbei.

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