Politik
Stadtrat lehnt Velo-Initiative ab

Für Velos: Luzern will neue Brücke über die Reuss bauen

Der Luzerner Stadtrat lehnt die Velo-Initiative ab, der zuständige Adrian Borgula erklärt, weshalb. (Bild: Elio Wildisen/Archiv)

Der Luzerner Stadtrat sagt «Nein, aber...» zur Velonetz-Initiative. Er lehnt sie ab, macht aber einen umfangreichen Gegenvorschlag mit konkreten Massnahmen. Dazu gehören neue Velostrassen, breitere Velowege und eine komplett neue Brücke über die Reuss.

Auf Luzerns Strassen ist's unbehaglich eng. Nicht nur, aber insbesondere für Velofahrer. Von «holländischen Verhältnissen» mit sauber getrennten Velospuren und den weltbekannten Velo-Highways namens «Fietssnelwegen» können hiesige Zweirad-Enthusiasten nur träumen. Bis jetzt.

Vor einem Jahr ist die Initiative «Luzerner Velonetz jetzt!» eingereicht worden. Über 1'600 Menschen fordern eine schnelle und spürbare Verbesserung des Velowegnetzes in und um die Stadt – inklusive Velobahnen nach holländischem Vorbild (zentralplus berichtete).

Jetzt bekennt der Stadtrat Farbe – und drückt auf die Bremse. Die Forderungen der Initiative gehen ihm zu weit. Trotzdem will er in Sachen Veloförderung mehrere Gänge höher schalten.

Initiative fordert getrennte Velo-Spuren

Der Interessenverband Pro Velo Luzern, der die Initiative einreichte, hat klare Vorstellungen davon, wie die Situation für den Veloverkehr zu verbessern ist: In der Stadt Luzern entsteht innert 10 Jahren ein Netz aus Velobahnen. Dieses hat eine Länge von mindestens 20 Kilometer. Unter Velobahnen versteht Pro Velo dabei sogenannte Fahrradstrassen nach dem Vorbild jener entlang der Taubenhaus- und Bruchstrasse. Auf solchen Strassen fällt der automatische Rechtsvortritt weg. Vortritt hat, wer auf der Velostrasse fährt (zentralplus berichtete).

Das neue Veloroutennetz soll gemäss Initiative aus sternförmigen sowie tangentialen Velobahnen bestehen. Diese sollen weitgehend von Fuss- und motorisiertem Individualverkehr (MIV) getrennt geführt werden. Zudem sollen die Velospuren je Fahrtrichtung mindestens zwei Meter breit sein.

Stadtrat: Forderungen sind nicht umsetzbar

Die Position der Stadt zusammengefasst: Das Anliegen ist gerechtfertigt – so aber nicht machbar. «Die Forderung einer weitgehend vom MIV getrennten Führung des Veloverkehrs kann nicht in der geforderten Konsequenz erfüllt werden», lautet eines der Argumente, das der Stadtrat ins Feld führt.

«Die Initiative entspricht dem, was die städtische Mobilitätspolitik seit Jahren verfolgt. Das Parlament hat uns mehrfach den Auftrag gegeben, in diesem Bereich vorwärtszumachen», erklärt Mobilitätsdirektor Adrian Borgula. «Inhaltlich ist die Initiative aber nur schwer umsetzbar. Ein grösstenteils getrennt geführtes Velobahnennetz innert zehn Jahren zu realisieren, ist nicht realistisch, auch wenn es optimal und wünschenswert wäre.»

Der Initiativtext lasse nicht genug Spielraum für «situationsgerechte Lösungen». Der Stadtrat lehnt die Initiative deshalb ab, macht dem Grossen Stadtrat jedoch einen Gegenvorschlag. Dieser nimmt «wichtige Eckpunkte» der Initiative auf und schlägt konkrete Massnahmen vor, um das Luzerner Velonetz bis ins Jahr 2033 auszubauen.

Neue Brücke entlastet Xylofonweg

Der grösste Brocken ist ohne Frage eine neue Brücke über die Reuss. Auf der Höhe des Spielplatzes Reusszopf beim Nordpol soll eine Brücke gebaut werden, um den Xylofonweg zwischen Nordpol und St. Karli zu entlasten. In der Spitzenstunde zählt die Stadt dort heute über 600 Velos pro Stunde. Das entspricht einer Zunahme von 50 Prozent im Vergleich zu 2017.

Hinzu kommen nicht wenige Fussgängerinnen, weshalb es auf der Strecke immer wieder zu Konflikten kommt. Eine neue Brücke, gekoppelt an eine neue Veloroute auf der anderen Flussseite, soll das Problem lösen. Die Stadt geht davon aus, dass rund ein Drittel weniger Velofahrerinnen auf dem Xylofonweg unterwegs sind, wenn sie auf die andere Reussseite ausweichen können. Ein Planungskredit über zwei Millionen Franken ist Teil des Sonderkredits von 19,5 Millionen Franken, welcher der Stadtrat beantragt.

Das Video zeigt, auf welchen Strecken der Stadtrat Massnahmen zur Verbesserung des Veloverkehrs vorsieht:

Lidostrasse wird zur Velostrasse – Parkplätze verschwinden

Ein weiteres Projekt betrifft die Lidostrasse beim Verkehrshaus. Auf einer Länge von 900 Metern soll die Strasse von einer Tempo-30-Zone in eine Velostrasse umgewandelt werden. Eine solche gibt es bereits in der Taubenhausstrasse Luzern.

Einfach wird das nicht. Im technischen Bericht zum Antrag des Stadtrats wird auf die vielfältigen Ansprüche durch das Verkehrshaus oder die Schifflände auf die Strasse hingewiesen. Eine Umorganisation und/oder eine Aufhebung von Parkplätzen wäre wohl ebenfalls notwendig. Die Kosten werden auf rund 600'000 Franken geschätzt.

Zwei Meter breite Velowege

Entlang der Tribschenstrasse, zwischen Langensandbrücke und Eisfeldstrasse, werden neue und breitere Radwege realisiert, wenn es nach dem Stadtrat geht. Die sogenannten Einrichtungsradwege haben eine Breite von zwei Metern.

Diese würden die heute teilweise in der Mitte der Strasse geführten Velostreifen ersetzen. Die Kreuzungen entlang der Strasse würden entsprechend angepasst, weshalb sich die geschätzten Kosten auf rund 5,5 Millionen Franken belaufen.

Unter anderem an diesen drei Standorten hat die Stadt Luzern Verbesserungen für den Veloverkehr vorgesehen.

Massnahmenpaket soll Hauptrouten verbessern

Das Massnahmenpaket des Stadtrates trägt den Namen «Veloroutenhauptnetz 2033» und sieht weitere Projekte an unterschiedlichsten Orten in der Stadt vor. Der Stadtrat definiert zahlreiche Strassen als namengebende Velo-Hauptrouten. Diese sollen innert zehn Jahren umgestaltet, aufgewertet oder anderweitig für den Veloverkehr optimiert werden.

Auf gut 35 Strassenabschnitten und auf einer Länge von rund 16 Kilometern sind bauliche Massnahmen vorgesehen, die mit Kosten von 19,5 Millionen Franken veranschlagt sind. Es handelt sich dabei um Projekte auf den stadteigenen Gemeindestrassen.

Bei rund 30 weiteren Strassenabschnitten des Velohauptroutennetzes sind entweder Projekte bereits in Planung oder Ausführung, keine Massnahmen notwendig oder es handelt sich um Passagen, die nicht in der Hoheit der Stadt liegen. Dazu gehören die Kantonsstrassen. Insgesamt wird das Velonetz so rund 27 Kilometer lang.

So soll sich das Velohauptroutennetz (blau) im bestehenden Velonetz der Stadt Luzern einfügen:

(Bild: Gegenvorschlag Stadtrat)

Tiefbauamt müsste wohl aufgestockt werden

Klar ist, dass der Gegenvorschlag nun von verschiedensten Seiten und Interessenvertretern ausgebeinelt wird. Dass die aufgeführten Massnahmen die Initianten beschwichtigt, ist zu bezweifeln. Und auch die Lobbys von anderen Verkehrsteilnehmern dürften den Massnahmenplan genauestens unter die Lupe nehmen.

Der Stadtrat ist sich bewusst, dass die Realisierung dieses Velonetzes bis 2033 herausfordernd wird. Zum einen, weil man bei einem Teil der Projekte auf den Goodwill von Bund und Kanton angewiesen ist. Zum anderen, weil das städtische Tiefbauamt an seine Grenzen kommt. Wie viele zusätzliche Stellen es braucht, ist noch unklar.

Noch diesen Dezember soll der Bericht und Antrag im Stadtparlament behandelt werden. Die Volksabstimmung findet am 15. Mai 2022 statt.

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