Politik

Zug: Die Gründe für Kampf ums Friedensrichteramt
Frieden schliessen lohnt sich – auch finanziell

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Sie wollen alle schlichten: Vreni Wicky (links), Heinz Röthlisberger und Roland Frei. (Bild: mam)

Wahlplakate und Flugblätter künden in der Stadt Zug von der bevorstehenden Wahl zum stellvertretenden Friedensrichter. Was ist so interessant an diesem Amt, dass gleich drei Kandidatinnen und Kandidaten darum buhlen?

«Schlichten vor Richten – das  ist wirklich eine grossartige Möglichkeit, die unsere Demokratie bietet», sagt Vreni Wicky-Bernold (65) über die Tätigkeit des Friedensrichters. Dieser versucht in zivilrechtlichen Auseinandersetzungen eine Lösung zu finden, bevor zwei Streithähne vor Gericht ziehen dürfen.

Bei einem Streitwert bis zu 2000 Franken kann er selbst entscheiden, bis zu 5000 Franken einen Urteilsspruch vorschlagen. «Durch die Vermittlungsarbeit der Friedensrichter kann der Staat eine Menge Kosten und Nerven sparen, die sonst die Gerichte belasten würden», meint Wicky.

«Ich bin schon erstaunt, dass sich gleich drei Kandidaten um den Job bewerben.»

Roland Frei, Kandidat

Die CVP-Kantonsrätin und ehemalige Stadträtin ist eine von drei Kandidaten, die sich am 27. November in der Stadt Zug als Ersatz für die zurücktretende stellvertretende Friedensrichterin Vreni Landtwing-Gschwend zur Wahl stellen.

So wie auch der parteilose Roland Frei (52), der seit 10 Jahren nebenberuflich als Schlichter im Mietrecht tätig ist. «Ich arbeite schon lange als Vermittler und mache das wirklich gern», sagt Frei. Er leitet am Gewerblich-Industriellen Bildungszentrum Zug (GIBZ) einen Lehrgang für Erwachsene und unterrichtet Sport und Allgemeinbildung.

Der Dritte im Bund ist Heinz Röthlisberger (46), Pastor beim Christlichen Treffpunkt Zug und für die SP im Rennen. Er weilt zurzeit in Israel.

Werben um Stimmen

«Ich bin schon erstaunt, dass sich gleich drei Kandidaten um den Job bewerben», sagt Roland Frei. «Angesichts des Aufwands, den der Wahlkampf jetzt mit sich bringt, glaube ich, dass alle drei die Stelle wirklich um der Tätigkeit willen wollen.» Die Wahlplakate muss der Parteilose aus der eigenen Tasche bezahlen. «Wenn ich keine Freunde hätte, die mich unterstützen, wäre das für mich ein gewichtiger finanzieller Posten», sagt Frei.

«Es ist wichtig, dass es im Friedensrichteramt eine Auswahl zwischen Mann und Frau gibt.»

Vreni Wicky, Kandidatin

Die Gesichter von Wicky, Frei und Röthlisberger lachen derzeit in der Stadt Zug von Plakatwänden. Die Kandidaten haben Flugblätter gedruckt, mit denen sie für ihre Qualitäten werben.

Vreni Wicky findet, es sei wichtig, dass es im Friedensrichteramt «eine Auswahl zwischen Mann und Frau gibt», die man als Schlichter in Anspruch nehmen kann.

Roland Frei verweist auf seine Fachkenntnisse als ausgebildeter Jurist. Heinz Röthlisberger wirbt mit dem Slogan «unabhängig, vertrauenswürdig, einsatzfreudig und analytisch».

Eine Frage des Ansehens

Bleibt die Frage, ob wirklich nur die interessante Tätigkeit das Amt so umworben macht. Zumal es ein kleines Ämtlein ist, das die Kandidaten auf ungefähr 10 Stellenprozente schätzen.

Fakt ist, dass der hauptamtliche Friedensrichter Johannes Stöckli der FDP angehört und die scheidende Stellvertreterin Vreni Landtwing-Gschwend der CVP. Roland Frei als möglicher Nachfolger hingegen ist parteilos.

Insider glauben, dass die CVP ihren Sitz gern behalten würde und deshalb eine bekannte Anwärterin aufgestellt hat und dass die SP angesichts der grossen Auswahl ebenfalls mit einem eigenen Kandidaten an der Urne ihr Glück versucht.

Der unverhoffte Wahlkampf um den Posten eines stellvertretenden Friedensrichters ist offenbar dem Gerangel der politischen Parteien um Einfluss zu verdanken.

Gehaltvolle Arbeit

Als Gewinn winkt eine Arbeit, die sehr anständig entlohnt wird. Laut Stadtschreiber Martin Würmli gab die Stadt Zug in den letzten drei Jahren im Schnitt rund 20’000 Franken für das Amt des stellvertretenden Friedensrichters aus.

Wir rechnen hoch: Bei einer von den Kandidaten angenommenen Arbeitsbelastung von 10 Prozent oder einem halben Arbeitstag pro Woche entspräche dies einem theoretischen Jahreslohn von 200’000 Franken für eine Vollzeitstelle.

Dies ist zwar nur eine Näherungsrechnung, die wohl auch um einiges zu hoch ausfällt. Die Stadt bezahlt Fallpauschalen – im vergangenen Jahr für zirka 400 Fälle. Gemäss Friedensrichter Johannes Stöckli enspräche die Arbeit dafür ungefähr 40 Stellenprozenten. Sie würden aber nicht immer gleich auf ihn und seine Stellvertreterin verteilt. Der Arbeitsanfall schwanke. Dennoch: Frieden schaffen lohnt sich.

Update: Nach Erscheinen dieses Artikels hat die Stadt Zug genaue Zahlen zur Entschädigung beider Friedensrichter veröffentlicht. Demnach wurden im Jahr 2014  51’350 Franken bezahlt, 2015  53’050 und 2016 (bis dato) 64’350 Franken. In Bezug zum von Friedensrichter Johannes Stöckli geschätzten Arbeitsaufwand von rund 40 Prozent ergäbe dies einen theoretischen Jahreslohn in der Grössenordnung von 130’000 Franken.

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2 Kommentare
  1. David Meyer, 11.11.2016, 09:59 Uhr

    Wenn ich mir den Wahrheitsgehalt des Leserbriefes neulich von Frau Wicky zum LG-Gebäude in Erinnerung rufe, in dem sie die Fakten ziemlich frei interpretierte, soll es mir recht sein wenn es eine Auswahl an Kandidaten für das Richteramt gibt.

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  2. E. Seger, 09.11.2016, 19:27 Uhr

    Warum soll es wichtig sein, in welcher Partei ein Friedensrichter oder sein Stellvertreter ist. Wichtiger ist wohl, ob er oder sie die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringt. Und ehrlich – müsste ich einen Termin beim Friedensrichter haben, wäre mir lieber, wenn es keiner oder keine aus dem «Politikkuchen» ist.

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