Politik
Warum die Stimmbeteiligung so tief war

Ersatzwahl des Gemeinderates Emmen bleibt erfolglos

Es gab zwar keinen Sieger, dafür immerhin ein Glas Wein für die Anwesenden. (V.l.n.r.) Reto Bieri, Andreas Roos und Marco Huwiler. (Bild: PLu)

Wer folgt auf den Emmer Gemeinderat Josef Schmidli? Diese Frage ist auch nach dem Wahlsonntag nicht geklärt. Fünf Personen stellen sich zur Wahl, keine konnte die nötigen Stimmen erreichen. Was aufgefallen ist: Die Stimmbeteiligung war unterirdisch tief.

Die Aussicht aus dem neunten Stock des Verwaltungsgebäudes in Emmen war herrlich. Aber dafür sind die Gäste nicht in eines der hässlichsten Gebäude der Schweiz gepilgert. Es lockte vielmehr die Aussicht zu erfahren, wer denn der Nachfolger Josef Schmidli wird, dem Gemeinderat und Direktor Bau und Umwelt. Dieser wird auf Ende Januar seinen Platz räumen (zentralplus berichtete).

Punkt 14 Uhr waren drei der fünf Kandidaten im Emmer Wahlstudio anwesend. Andreas Roos (Die Mitte), Reto Bieri (SVP) und auch Marco Huwiler (Grüne) hörten gespannt den Ergebnissen zu, welche verlesen wurden. Eine Frau hatte extra schon Blumen mitgebracht, um diese dem Gewinner zu überreichen. Dieser Aufwand wird «förd Föchs» gewesen sein.

«Freigeist» stürzt ab, «Fachspezialist» schwimmt oben auf

Die Zahlen der Gemeindekanzlei sind ernüchternd. Nur 26 Prozent der Stimmberechtigten haben gewählt. Das bedeutet, dass bei dieser Wahl wirklich jede Stimme gezählt hat. Das absolute Mehr lag bei 2'122 Stimmen.

Die mitgebrachten Blumen müssen sich nun eine Adoptivfamilie suchen. Denn: Keiner hat die nötigen Zahlen erreicht, die Emmer brauchen einen zweiten Wahlgang.

Am wenigsten hat Raphael Beck von der Bewegung Emmen am See geholt. Und dies, obwohl er bei den Wahlveranstaltungen alles gegeben hat. So hat sich Beck etwa an den Podien jeweils umgezogen. Am Ende stand er nur mit einer Badehose und Badetuch vor den Menschen. Mit total 127 Stimmen steht er nun (um beim Bild zu bleiben) mit abgesagter Badehose da.

So wurde in Emmen gewählt:

  • Andreas Roos (Die Mitte): 1664 Stimmen
  • Reto Bieri (SVP): 1312 Stimmen
  • Marco Huwiler (Grüne): 979 Stimmen
  • Vital Burger (Forum Emmen): 147 Stimmen
  • Raphael Beck (Emmen am See): 127 Stimmen
  • Vereinzelte: 13 Stimmen

Am meisten Stimmen hat also Andreas Roos geholt. Der Senior-Fachspezialist Sicherheit Infrastruktur konnte 1'664 Menschen von sich überzeugen. Mit ihm hat zentralplus nach der Präsentation der Zahlen gesprochen.

Tiefe Stimmbeteiligung sorgt für Stirnrunzeln

Die Stimmenzählerinnen hatten mit insgesamt 4'242 eingereichten Wahlzetteln nicht so viel zu tun, wie Emmen sich dies gewünscht hätte. Woran liegt es, dass ausgerechnet jetzt, in dieser hochpolitischen Zeit, sich die Leute für Wahlen und Abstimmungen nicht mehr begeistern lassen? Andreas Roos kann es sich auch nicht ganz erklären. «Wenn wir ein Rezept hätten, um die Menschen mehr zu motivieren, würden wir dieses umsetzen. Das kann ich Ihnen garantieren.» Er vermutet, dass vielen eine Ersatzwahl wohl schlicht «zu wenig wichtig» war.

Für die Ersatzwahl im März 2023 ist er aber optimistisch, dass sich mehr als 26 Prozent der Stimmbevölkerung motivieren lässt. «Da stimmen wir auch über das Schulhaus Hübeli ab. Das bringt sicherlich mehr Leute an die Urne.»

Dass die Menschen in der Schweiz das Wahl-Privileg nicht mehr nutzen, kann Andreas Roos nicht ganz verstehen. (Bild: PLU)

Nicht-Wahl ist gut für die SBB, aber schlecht für Emmen

Die Chancen stehen für den Mitte-Politiker im März gut. In seinem engen Umfeld gibt es jedoch einige Personen, denen es recht ist, dass Roos an diesem Sonntag noch nicht gewählt wurde. «Mein Arbeitgeber wird sich wahrscheinlich freuen, dass ich ihm länger erhalten bleibe», schmunzelt er. Der gelernte Baufachmann ist Senior-Fachspezialist Sicherheit im Bereich Ausbau und Erneuerungsprojekte Infrastruktur der SBB.

Weniger erfreut dürfte die Gemeinde Emmen über das fehlende Resultat sein. «Jetzt hat der Gemeinderat eine Vakanz, die er überbrücken muss», sagt Roos. Das bedeute für alle unter dem Strich mehr Arbeit. Auch für die Kandidaten heisst diese Nicht-Wahl, dass es nun wieder auf die Wartebank geht.

Wenn es dann im März klappen sollte, bedeutet dies für den Gewählten, dass er sein Leben an das neue Amt anpassen müsste. «Das ist schlussendlich wie ein normaler Stellenwechsel», erklärt Roos. «Die jetzige Situation ist für alle unangenehm, da wir nicht wissen, wie es weitergeht.» Er hat im ersten Wahlgang jedenfalls das beste Resultat gemacht, was Roos sichtlich freut.

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