Politik
Corona: 50 Kinder im Schulhaus Säli angesteckt

Eltern fordern Reihentests an der Primarschule in Luzern

SP-Kantonsrat Urban Sager ist der Meinung, dass Reihentests an der Primarschule geprüft werden sollten. (Bild: zvg) (Bild: zvg)

Im Schulhaus Säli Luzern breitet sich das Coronavirus aus. 50 Kinder wurden positiv getestet. Die Eltern wollen, dass auch in der Primarschule Reihentests eingeführt werden, um die Kinder zu schützen. Der Kanton winkt ab.

Die eine Tochter ist krank, die andere in Quarantäne, der Mann liegt flach: Seit einer Woche dreht sich in der Familie alles nur noch um Corona. Als zentralplus mit der Mutter telefoniert, ist im Hintergrund zu hören, dass es drunter und drüber geht. Gerade hat sie ihrer Tochter geholfen, sich über eine Videokonferenz in den Unterricht einzuloggen.

«In meinem näheren Umfeld kenne ich viele Kinder, die krank sind», erzählt die Frau. Ihre Kinder gehen im Säli zur Schule, wo sich seit letzter Woche bereits die Corona-Fälle häufen (zentralplus berichtete). Sie weiss von mehreren Eltern, die – wie ihr Mann – von Impfdurchbrüchen betroffen sind. «Wir haben uns zwei Jahre so gut geschützt wie es ging. Wir sind gut durch die Pandemie gekommen. Und nun wird das Coronavirus durch die Schule zu uns nach Hause geschleppt. Das ist frustrierend.»

Eltern fordern Verschärfung der Corona-Massnahmen

Die Tochter der Frau, die sich bei der Elternmitwirkung der Schule engagiert, wurde schwer von der Infektion getroffen. Auch ihr Mann kann seit Tagen kaum noch aufstehen. «Das der Verlauf auch bei Geimpften so schwer sein kann, finde ich erschreckend», sagt sie.

«Ich bin überzeugt, dass man dieses Ausmass des Ausbruchs mit Pooltests hätte verhindern können.»

Mutter aus der Elternmitwirkung Säli

Am Montag vor einer Woche hat die Lehrerin ihrer Tochter sie informiert, dass Klassenkameraden positiv getestet wurden. Erst am Mittwoch wurde dann die Klassenquarantäne angeordnet. «Das war es schon zu spät. Am Abend zeigte meine Tochter die ersten Symptome.»

«Ich bin überzeugt, dass man dieses Ausmass des Ausbruchs mit Pooltests hätte verhindern können», sagt die Frau. Die Elternmitwirkung hat sich bereits Ende September mit diesem Anliegen an die Schulleitung, das Rektorat und den Bildungsdirektor gewendet. Die Eltern fordern Reihentests an der Primarschule in Luzern. «Die zuständigen Stellen hielten es aber nicht für notwendig, die Kinder besser zu schützen. Wir sehen ja jetzt, was passiert.»

50 Kinder sind positiv

Am Montag wurde im Sälischulhaus ein Ausbruchtesting durchgeführt. «Dieses hat nun tatsächlich mehrere Fälle zu Tage gefördert. Die Zahlen steigen laufend», bestätigt Vreni Völkle, Rektorin der Stadtluzerner Volksschulen. Genaue Zahlen kann sie noch nicht nennen, weil zum Zeitpunkt der Anfrage noch nicht alle Resultate vorliegen. Am Abend wird klar: der Ausbruch ist viel grösser als bisher angenommen. 50 Kinder sind positiv getestet worden. Und die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Denn nicht alle Eltern haben ihre Kinder testen lassen.

Gemäss Rektorin Vreni Völkle ist es letzte Woche zu Verzögerungen bei der Durchführung des Ausbruchtestings gekommen, weil das Contact Tracing überlastet war (zentralplus berichtete). Schulleitungen können solche Tests tatsächlich nicht von sich aus anordnen, um Zeit zu sparen. Grund: Ein Ausbruchtesting muss in jedem Fall durch die Gesundheitsbehörde in Auftrag gegeben werden.

«Dabei sind immer auch die Kapazitäten des Contact Tracings, aber auch der Testequipe und des Labors zu berücksichtigen, die zurzeit alle extrem gefordert sind», heisst es seitens des Gesundheits- und Sozialdepartements (GSD) auf Anfrage. Zudem bräuchten grosse Testaktionen eine gewisse Vorbereitungszeit für die Organisation.

Reihentests an der Primarschule: Unterstützung von Kantonsrat aus Luzern

Die Eltern fordern eine Verschärfung der Corona-Massnahmen, um ihre Kinder zu schützen. Das Bildungs- und Kulturdepartement (BKD) will davon zum jetzigen Zeitpunkt nichts wissen. Dafür gebe es keinen Grund, heisst es auf Anfrage. «Luzern gehört zu denjenigen Kantonen, welche die Massnahmen gegen allen Widerstand nicht gelockert haben», schreibt die Medienstelle.

«Im Winter wird das Lüften wichtiger, aber auch schwieriger. Die Schüler sitzen mit Jacke und Kappe im Schulzimmer. Es ist unangenehm.»

SP-Kantonsrat Urban Sager

Die Schülerinnen ab der 5. Klasse hätten bereits eine Maskentragepflicht. Die wöchentlichen Reihentests ab der Sekundarstufe l finden weiter statt. Und zudem hat der Kanton die Kampagne «Frische Luft für frische Köpfe» lanciert. «Damit setzen wir auch die BAG-Empfehlung für regelmässiges Lüften um», heisst es seitens des BKD.

Das Bildungsdepartement bestätigt, dass es Anträge auf Spucktests an einzelnen Schulen abgelehnt habe. «Bisher setzten wir auf einheitliche kantonale Massnahmen, was sich auch bewährt hat und einen Flickenteppich verhindert», schreibt das BKD dazu. «Die Frage, ob die Gemeinden eine Wahlmöglichkeit haben sollen beim Testen, müssen wir prüfen. Unter anderem spielt beim Entscheid auch die Kapazität und Logistik des Testanbieters eine Rolle.»

Luftreinigungsgeräte hat die Regierung abgelehnt

In Luzern sprechen sich sowohl der Lehrerinnen- als auch der Schulleiterverband für eine Verschärfung der Corona-Massnahmen an den Schulen aus (zentralplus berichtete). Und vonseiten der Politik? Da forderte beispielsweise SP-Kantonsrat Urban Sager zuletzt, dass der Kanton Luftreinigungsgeräte für die Schulzimmer anschafft.

«Das wurde nicht in Angriff genommen, es hiess, das sei nicht nötig und zu teuer», erinnert sich Sager an die erhaltenen Antworten. Jetzt setzt der Kanton stattdessen Geld für eine Kampagne ein, die ans regelmässige Lüften erinnert. «Dass die Fenster häufig aufgemacht werden müssen, wissen die Lehrerinnen allerdings nach zwei Jahren Pandemie», meint Sager.

Der SP-Kantonsrat unterrichtet selber auf der Sekundarstufe 2. «Im Winter wird das Lüften wichtiger, aber auch schwieriger. Die Schüler sitzen mit Jacke und Kappe im Schulzimmer. Es ist unangenehm. Statt in die Kampagne hätte der Kanton das Geld besser in Luftreinigungsgeräte investiert. Jetzt ist es dafür zu spät.»

Reihentests und Maskenpflicht, wenn die Fallzahlen steigen

Sager findet es gut, dass der Kanton die Maskenpflicht ab der 5. Primarstufe konsequent durchgezogen hat. «Der Fall Säli zeigt aber, dass das nicht reicht.» Wie der Kanton Zug auf Reihentests in der Primarschule zu setzen, wäre aus seiner Sicht «eine Überlegung, die man anstellen muss». Dies weil das schnelle und intensive Ausbruchtesting in der Praxis eben nicht schnell sei, wie sich nun gezeigt habe.

Das Bildungsdepartement versichert, dass es die Lage «selbstverständlich beobachte» und die Schutzmassnahmen bei Bedarf anpasse. Wenn der Kanton sie verschärft, stehen allenfalls Reihentests auf Primarschulstufe und Maskenpflicht für alle ab der 1. Klasse im Vordergrund.

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