Politik
Zuger Regierungsrats-Gerangel

Dzaferi bekommt Schützenhilfe von rechts

Gregor Bruhin (links) will Zari Dzaferi unterstützen – und dafür sogar Flyer verteilen. (Bild: zvg, Montage fam)

Es ist wie bei den Tiervideos, bei denen Hund und Katze plötzlich Freunde sind. Nur weniger flauschig. Zari Dzaferi will für die SP in den Regierungsrat – und erhält Rückendeckung aus sehr unerwarteter Richtung. Und die ist sogar ernst gemeint.

Wie bitte? Was macht Gregor Bruhin da? Wer sich Zari Dzaferis Unterstützerkomitee anschaut, stösst auf eine überraschende Personalie: Unter den Unterstützern für den SP-Regierungsratskandidaten hat sich auch SVP-Jungpolitiker Gregor Bruhin eingereiht. Wie passt das zusammen – junger und pointierter SVP-Politiker unterstützt sein Gegenstück auf linker Seite? Alles halb so wild, sagt Gregor Bruhin. «Ich mag Zari Dzaferi als Person und bin auch der Meinung, dass er dieses Amt gut ausführen würde. Natürlich liegt er nicht auf meiner politischen Linie. Aber bei dieser Auswahl habe ich praktisch keine andere Wahl.»

Denn die drei Regierungsratskandidaten seien alle links, sagt Bruhin. «Wenn man anschaut, wie Martin Pfister teilweise im Kantonsrat abstimmt, dann wird schnell klar, dass er eigentlich eher links in der CVP steht. Obwohl ich auch ihn persönlich mag. Aber wenn ich zwischen drei linken Kandidaten auswählen muss, dann wähle ich lieber das Original. Bei Dzaferi weiss ich wenigstens, was drinsteckt.» Er sei in der SVP nicht der Einzige, der so denke, sagt Bruhin. «Da gibt es einige andere, die Zari wählen werden. Was mir aber an Pfister gefällt, ist seine Funktion im Militär, er ist Oberst.»

«Ich habe gar keine Wahl»

Ein zweiter linker Sitz im Regierungsrat kann aber unmöglich im Interesse der SVP liegen. Wie echt ist also die Unterstützung? «Ich habe Zari geschrieben, ich werde sein Plakat bei mir am Balkon aufhängen», sagt Bruhin. «Und vielleicht kann ich auch zwei, drei Flyer verteilen, allerdings wird das schwierig, weil ich in Chur im Militär bin.»

«Dzaferi könnte hier sicher frischen Wind und neue Ideen bringen, auch wenn mir seine Ideen politisch nicht gefallen.»

Gregor Bruhin, SVP

Ein zweiter linker Sitz im Regierungsrat wäre offenbar für ihn nicht besonders schlimm: «Ich habe ja gar keine Wahl, für mich stehen alle drei links.» Und nicht wählen zu gehen, das liege ihm nicht. «Zari wird es aber im Regierungsrat schwieriger haben, linke Ideen einzubringen, als Martin Pfister. Das spricht ebenfalls für ihn.»

Alles links, was links der FDP?

Zudem sei Dzaferi jung, das sei ein weiterer Vorteil, so Bruhin: «Ich finde es wichtig, dass ein junger Kandidat in den Regierungsrat kommt. Dzaferi könnte hier sicher frischen Wind und neue Ideen bringen, auch wenn mir seine Ideen politisch nicht gefallen.»

Ob Dzaferi sich geschmeichelt fühlt, werden wir gleich herausfinden. Martin Pfister dürfte sich aber vehement dagegen wehren, als Linker bezeichnet zu werden. Gibt es für die SVP schlicht keine Mitte – ist für sie alles links, was links von der FDP steht? Bruhin bekräftigt: «Wenn man schaut, wie etwa ein Gerhard Pfister politisiert: Das ist Mitte-rechts-Politik. Und der kommt ja auch aus der CVP. Einen solchen Kandidaten hätte ich gewählt, die CVP hat einige solcher Kantonsräte und Amtsträger im Kanton Zug.»

Zari Dzaferi sieht das naturgemäss ganz anders: «Martin Pfister ist bestimmt kein linker Kandidat. Wenn man betrachtet, in welchen Zünften und Vereinen er verkehrt, dann ist klar: Das ist keine soziale Stimme. Dabei braucht es eine zweite soziale Stimme im Regierungsrat. An Gerhard Pfister sollte die politische Mitte ohnehin nicht gemessen werden. Dieser politisiert nämlich mindestens mitte-rechts.»

«Linke Ideen haben es sowieso schwierig»

Ist ihm wohl dabei, dass er von rechts Unterstützung bekommt? Dzaferi sagt: «Ich mache klare Politik, und wenn Gregor Bruhin findet, dass das unterstützenswert ist, dann freut mich das.» Politische Überschneidungen mit Bruhin gäbe es zwar wenige, findet auch Dzaferi, «höchstens in einzelnen Fragen der Bildungspolitik, möglicherweise treffen wir uns da.» Das sei aber gar nicht zentral: «Es ist für linke Kandidaten wichtig, in der ganzen Breite des politischen Spektrums Unterstützung zu finden. Wenn mir das gelingt, dann ist das sehr positiv.»

Bruhins Hoffnung, dass er seine Ideen im Regierungsrat im Gegensatz zu Martin Pfister nicht durchbringen könne, verneint Dzaferi. «Linke Ideen haben es sowieso schwierig im Kanton Zug. Da kommt es nicht darauf an, wer sie vorbringt.»

Dzaferi hat seine Website so angepasst, dass sich Unterstützer bei ihm eintragen können. Die Liste seines Unterstützerkomitees werde mit dem Erscheinen des Flyers in den nächsten paar Tagen aufgeschaltet. 170 Menschen haben sich bisher eingetragen, auch solche von ausserhalb des Kantons. Beat Schlatter zum Beispiel. Dzaferi freut sich: «Das hat zwar politisch keine Relevanz, aber es ist trotzdem recht spektakulär.»

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