Politik
Terroristen in Luzern und Nidwalden?

Dschihadist wohnte in Hergiswil

Die Spuren von mutmasslichen IS-Terroristen führen auch in die Zentralschweiz. (Bild: SRF)

Ein mutmasslicher irakischer Terrorist wohnte als anerkannter Flüchtling in Nidwalden – ohne dass die lokalen Behörden etwas davon wussten. Der Mann soll zudem in einer Moschee in Kriens Hasspredigten gehalten haben. Er ist immer noch auf freiem Fuss.

Vier Iraker haben offenbar in der Schweiz einen Terroranschlag vorbereitet, deshalb verhaftete die Polizei gemäss «20 Minuten» im September mehrere Männer, drei davon befinden sich seither in Haft.

Von den vier Irakern, denen die Bundesanwaltschaft vorwirft, dass sie für den IS tätig sind, ist einer noch auf freiem Fuss. Pikant: Der Mann ist oder war offenbar in Hergiswil NW wohnhaft, wie einem Artikel des «Tagesanzeiger» zu entnehmen ist. Der von der Bundesanwaltschaft angeklagte Iraker heisst Abdulrahman O. und ist in einer Asylunterkunft in Hergiswil gemeldet.

Laut der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft propagiert der Iraker einen Islamistischen Staat. Und er predigte seine Hassbotschaft in verschiedenen Moscheen. In Zürich, St. Gallen – und in Kriens.

Dschihadistisch motivierte Reisende

Gemäss Nachrichtendienst des Bundes sind seit 2001 71 Personen erfasst, die aus dschihaidistisch motivierten Gründen aus der Schweiz in Konfliktgebieten waren oder es noch immer sind. 57 davon begaben sich nach Syrien und in den Irak, 14 nach Somalia, Afghanistan und Pakistan. Seit Oktober sind 13 Personen zurückgekehrt. Von den 71 Personen verfügen 25 über eine schweizerische Staatsangehörigkeit. Angaben zum Wohnsitz etc. macht der Nachrichtendienst nicht.

Dort befindet sich die Dar as-Salam Moschee, wo sich vornehmlich arabisch sprechende Muslime aus Nordafrika, dem Nahen Osten und weiteren Ländern treffen. zentral+ wollte von den Betreibern der Moschee wissen, ob der Iraker tatsächlich dort auftauchte und sogar predigte. Diesen Freitagnachmittag war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

In Nidwalden weiss man von nichts

In Kriens treffen sich zum Freitagsgebet jeweils 200 oder mehr Personen. Die as-Salam Gemeinschaft setzt sich gemäss der Webseite www.religionenlu.ch für eine bessere Integration arabisch sprechender Muslime ein und unterstützt Neuankömmlinge. Die Gemeinschaft ist Mitglied der Vereinigung der islamischen Organisationen im Kanton Luzern und der Islamischen Gemeinde Luzern. Bereits 2014 geriet Kriens im Zusammenhang mit dem Dschihad in die Schlagzeilen: Anhänger des Islamischen Zentralrats hatten Mitte November 2014 ein Propaganda-Video gedreht, das wegen der gewaltverherrlichenden Szenen für Aufruhr sorgte (zentral+ berichtete).

«Über die Hintergründe der Asylsuchenden wissen wir wenig bis gar nichts.»

Karin Kayser-Frutschi, Sicherheitsdirektorin Kanton Nidwalden

Die Luzerner Regierung verwies Anfragen von zentral+ an die Polizei, welche ihrerseits auf den Nachrichtendienst des Bundes hinwies. Dort waren über die irakischen Angeklagten keine weiteren Informationen erhältlich.

Die Nidwaldner Sicherheitsdirektorin Karin Kayser-Frutschi erfährt erst durch die Recherche von zentral+ vom Fall. «Niemand hier wusste davon. Der Kanton ist ja nur für den Vollzug verantwortlich. Der Bund teilt uns die Asylsuchenden zu, und wir schauen, wo wir sie unterbringen können. Bei uns in Nidwalden gibt’s keine grossen Asylheime, sondern die Asylsuchenden werden dezentral auf Wohnungen verteilt. Über die Hintergründe dieser Menschen wissen wir wenig bis gar nichts. Anlass für Angst oder gar Hysterie ist wegen dieses Falls fehl am Platz, denn hier handelt es sich offenbar um einen Einzelfall, dessen Umstände zudem noch nicht geklärt sind.»

«Verliebt in islamischen Staat»

Warum Abdulrahman O. auf freiem Fuss ist, ist unklar. Gemäss einem Bericht von 20 Minuten heisst es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft, dass der Angeklagte «in den islamischen Staat im Irak verliebt» sei. Trotzdem wurde er nicht verhaftet. Der Anwalt und er selbst bestreiten die Vorwürfe.

Die Vorwürfe an die vier Angeklagten sind gemäss Tagesanzeiger happig: Osamah M., Mohammed O. und Wesam A. schmiedeten laut der Bundesanwaltschaft unter anderem Attentatspläne, halfen mit, weitere IS-Anhänger nach Europa einzuschleusen und machten Propaganda für die Aktionen der Terrororganisation. In den Einvernahmen bestritten die Iraker die Vorwürfe stets.

Kopf der Angeklagten in Nottwil behandelt

Nebst dem immer noch frei herumlaufenden Abdulrahman O. gibt es noch eine weitere Verbindung nach Luzern: Der Kopf der mutmasslichen IS-Zelle, Osamah M., war Patient im Schweizer Paraplegikerzentrum in Nottwil. Der 29-jährige Iraker ist wegen einer Kriegsverletzung querschnittgelähmt. Gemäss einem Bericht der Luzerner Zeitung reiste er 2012 in die Schweiz, wo sein Asylgesuch bewilligt wurde. Daraufhin war er zeitweise in Nottwil in der Therapie. Das SPZ hatte keine Kenntnis davon, dass es einen mutmasslichen Terroristen behandelte.

Die vier Iraker werden sich Ende Februar vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten müssen.

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