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Katze ist aus dem Sack
Diese Polizeiposten im Kanton Luzern stehen auf der Kippe

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 4
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Sicherheitsdirektor Paul Winiker (im Anzug) hat am Mittwoch zusammen mit der Luzerner Polizei die Pläne vorgestellt. (Bild: Philipp Lustenberger)

Wie viele Polizeiposten braucht der Kanton Luzern? Die Diskussion ist eröffnet, die Regierung schickt ihre Pläne jetzt in die Vernehmlassung. Der Streit ist programmiert.

Die ist derzeit an rund 40 Standorten im Kanton präsent. Das Stationierungskonzept stammt aus den 1970er-Jahren – und soll nun überdacht werden. Die Hälfte der Polizeiposten soll weichen (zentralplus berichtete). Bei den Gemeinden sorgte das Vorhaben bei Bekanntgabe für einen Aufschrei (zentralplus berichtete).

Mehrere Parteien machten daraufhin Druck und forderten eine Mitsprache (zentralplus berichtete). Diesem Anliegen kommt die Regierung jetzt nach. Sie schickt ihren Planungsbericht in die Vernehmlassung.

Wenig übersichtliche Karte statt transparenter Liste

Aus dem 73 Seiten starken Dokument herauszulesen, welche Polizeiposten auf der Abschussliste stehen, ist nicht einfach. Eine übersichtliche Liste sucht die Leserin darin vergebens. Stattdessen gilt es, diese Karte mit einer anderen Karte abzugleichen, die den Ist-Zustand zeigt.

Dieser – eher wenig übersichtlichen – Karte ist zu entnehmen, welche Polizeiposten erhalten bleiben – und welche geschlossen werden könnten.
Dieser – eher wenig übersichtlichen – Karte ist zu entnehmen, welche Polizeiposten erhalten bleiben – und welche geschlossen werden könnten.

Demzufolge stehen die folgenden Standorte zur Diskussion:

  • Pfaffnau
  • Dagmersellen
  • Zell
  • Schötz
  • Triengen
  • Beromünster
  • Nottwil
  • Ruswil
  • Sempach
  • Hitzkirch
  • Root
  • Meggen
  • Malters
  • Escholzmatt-Marbach
  • Eschenbach

Luzern hat das dichteste Netz an Polizeiposten der Schweiz

Im Vergleich mit anderen Polizeikorps hat die Luzerner Polizei ein dichtes Postennetz, wie den Erläuterungen im Planungsbericht zu entnehmen ist. «Kein anderer Kanton verfügt, gemessen an der Anzahl Einwohner pro Polizeiposten, über eine so hohe Postendichte wie der

Das sei nicht mehr zeitgemäss. Das heutige Stationierungskonzept erhöhe nicht nur den Immobilienaufwand, sondern «zersplittert vor allem den Personalkörper und bindet dezentral Kräfte». Dringliche Einsätze würden in den wenigsten Fällen ab einem Polizeiposten geleistet werden. Meist seien es Einsatzpatrouillen, die im ganzen Kanton mobil unterwegs sind und von der Einsatzleitzentrale unmittelbar gesteuert werden können.

Polizistinnen bleiben in der Region – trotz der Schliessung der Polizeiposten in Luzern

Eine Konzentration des Postennetzes dränge sich auf. «Die bürgernahe Polizeiarbeit ist für die gesellschaftliche Akzeptanz und die Früherkennung sozialer Veränderungen jedoch nach wie vor unabdingbar», heisst es im Bericht der Regierung. Diese ist aber letztlich mehrheitlich unabhängig von Immobilien. Wichtiger sei die sichtbare Präsenz in der Öffentlichkeit.

Die Polizei schlägt vor, die bestehenden Hauptposten personell zu stärken. Zu diesem Zweck will sie das Korps um 118 Stellen aufstocken (zentralplus berichtete). «Mit dieser Vorgehensweise bleiben die heute vor Ort stationierten Polizistinnen und Polizisten vollumfänglich in ihren Regionen erhalten.»

Bei den von einer möglichen Schliessung betroffenen Standorten handelt es sich ausnahmslos um kleinere Polizeiposten, die heute lediglich an zwei oder drei Tagen pro Woche während weniger Stunden geöffnet sind.

Nächstes Jahr solls losgehen – mit Willisau und Entlebuch

Die jetzt gestartete Vernehmlassung dauert bis zum 8. Juli 2022. Widerstand seitens der betroffenen Gemeinden hat sich bereits angekündigt (zentralplus berichtete).

Der Zeitplan ist ambitioniert. Bereits nächstes Jahr soll die «Konsolidierung» in den Regionen und starten. Danach folgen die Regionen Hochdorf und (2025–2027). In den zwei Jahren darauf wird das Sicherheitszentrum Rothenburg in Betrieb genommen, während die Schliessungen in der Region Sursee fortschreiten. Als Letzte dran sind die Polizeiposten in der Region Kriens-Horw.

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4 Kommentare
  1. Cüpli Päuli, 04.05.2022, 22:10 Uhr

    Jetzt mal Hand auf‘s Herz…… Wann hat man zuletzt irgendwann mal einen Polizeiposten betreten? Bei mir war es ca. um 1983 rum, als man noch auf dem Posten die blecherne Jahres-Velonummer abholen musste. Zudem ducken sich einen Grossteil der Polizisten eh weg, wenn es Arbeit gibt……. Von daher kann man auch alle Posten schliessen.

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  2. Unendliche Verwaltung, 04.05.2022, 15:54 Uhr

    …und gleichzeitig will die Luzerner Polizei das Korps um 118 Stellen aufstocken!!! Ist Adolf Ackermann von allen guten Geistern verlassen? So ein Verwaltungsangestellter sollte sofort abgesetzt werden! Was für eine Frechheit!

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    1. Judith Verena Meierhans, 04.05.2022, 17:39 Uhr

      Ja und von den 118 Stellen sollen 58 (!!!) ins Backoffice und nur 70 Stellen sollen für Polizist*innen genutzt werden. Adolf Ackermann sollte sofort entlassen werden. Aber das ist typisch für einen Verwaltungsbeamten.

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  3. Stef Huber, 04.05.2022, 15:29 Uhr

    Danke Luzern für diesen Kahlschlag. Irgendwoher muss ja das Geld für die gewünschte Überwachung der Bürger kommen, also spart man es auf dem Land. https://www.zentralplus.ch/polizei/ueberwachung-luzerner-polizei-will-mehr-freiheiten-2358373/ Und man kennt es ja von totalitäten Staaten: Hast Du nichts zu verbergen, kannst du nicht dagegen sein. Und wenn doch, bist du schon mal von vornherein verdächtig.

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