Politik
Unterhalt des Luzerner Wahrzeichens neu geregelt

Die Museggmauer ist der Stadt jährlich 120’000 Franken wert

Die Museggmauer mit dem Männliturm mit bester Aussicht über Luzern.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Seit Ende 2015 ist die Museggmauer fertig saniert und für die Zukunft gerüstet. Doch wie man künftig den Unterhalt dieses mittelalterlichen Baudenkmals sichern will, war lange ungelöst. Nun haben sich Stadt und die verantwortliche Stiftung geeinigt. An Geld fehlt es momentan nicht.

So weit soll es nicht nochmals kommen. Über Jahrzehnte hat man das Wahrzeichen ob Luzern wahrlich verlottern lassen, um es mal drastisch auszudrücken. Der Unterhalt der Museggmauer mit ihren neun Türmen wurde sträflich vernachlässigt. Es fehlte an Geld und es fehlte an klar geregelten Zuständigkeiten, um das mittelalterliche Bauwerk adäquat instand zu halten.

Die alte Stadtbefestigung litt zusehends unter der Witterung. Schon 1998 forderte die damalige CVP-Stadtparlamentarierin Helen Haas-Peter in einem Postulat eine Sanierung des Bauwerks. Weil die öffentliche Hand aber untätig blieb, gründete sie mit Beteiligten 2002 eine private Trägerschaft: den Verein und etwas später die Stiftung für die Erhaltung der Museggmauer.

Vorbildliche Sanierung

Ab 2002 ging es vorwärts: Es folgte ein grosses, langjähriges Sanierungsprojekt, das erst Ende 2015 abgeschlossen wurde. 12 Millionen Franken kostete das Projekt, bezahlt von der Denkmalpflege, der Stadt Luzern und vom Verein. Dieser sammelte dafür über 4 Millionen Franken Spendengelder. Die Sanierung gilt heute als Vorzeigeprojekt für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Privaten und öffentlicher Hand. Zudem waren von den Vogelfreunden bis zu den Botanikern sämtliche Interessengruppen voll des Lobes für die rücksichtsvolle Vorgehensweise.

Für ihre Verdienste im Dienste der Museggmauer wurden Vereinspräsidentin Helen Haas-Peter und Beat Fischer, Vorsitzender der Stiftung, vor einem Jahr mit der städtischen Ehrennadel ausgezeichnet. Beide haben ihre Ämter inzwischen weitergegeben.

Neue Vereinbarung ab 2017

Jetzt, wo die Mauer wieder strahlt, käme man leicht in Versuchung, das Thema wieder ad acta zu legen – erledigt. Aber eben, so weit soll es nicht mehr kommen. Die Stadt Luzern ist sich ihrer Verantwortung als Eigentümerin und Verwalterin des Denkmals heute bewusst und weiss, dass man den Unterhalt nicht vernachlässigen darf.

Darum legt der Stadtrat jetzt eine Leistungsvereinbarung «zur Pflege der Museggmauer und der Museggtürme» vor, die ab 2017 gelten soll und die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zwischen Stadt und Stiftung klar regelt. Kurz zusammengefasst: Die Kompetenz für den Unterhalt liegt weiterhin bei Verein und Stiftung, doch die Stadt kommt ihren finanziellen Verpflichtungen besser nach und zahlt pro Jahr 120’000 Franken.

Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost lud am frühen Freitagmorgen auf den Wachtturm, um über die neue Vereinbarung zu informieren. «Ein authentischer Ort, und ein Turm mit einer bewegten Geschichte», sagte Jost. Man sehe hier vorbildlich, wie Stiftung und Verein mit Herzblut dieses Bauwerk in eine sichere Zukunft führten.

Das Wahrzeichen von oben: die Museggmauer aus der Vogelperspektive.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Das Wahrzeichen von oben: die Museggmauer aus der Vogelperspektive.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Das Geld reichte nicht

2006 hatte die Stiftung für die Erhaltung der Museggmauer von der Stadt einen einmaligen Beitrag von 3 Millionen Franken erhalten – dies anstelle von jährlichen Zahlungen. Aus den Zinsen daraus sollte die Stiftung ursprünglich den auf 120’000 Franken geschätzten Unterhalt von Mauer und Türmen finanzieren. Was aber fehlte, war ein eigentlicher Leistungsbeschrieb und eine klare Aufgabenteilung zwischen Stadt und Stiftung.

Doch das Geld reichte nicht, die Unterhaltskosten wurden zu tief geschätzt: Die Mauer und der Innenraum der nicht vermieteten Türme waren in den Kosten nicht mitgerechnet (nur vier der Türme sind permanent vermietet), zudem kamen Betriebs- und Nebenkosten dazu. Und das Wichtigste: Das angelegte Geld wirft in der heutigen Marktsituation viel weniger Zinsen ab.

Kurzum: «Mit der heutigen Regelung ist der langfristige Unterhalt und Erhalt der Museggmauer und -türme nicht gesichert», schrieb der Stadtrat in seinem Bericht und Antrag ans Parlament. Ein Unterhalt alleine aus dem Zinsertrag war illusorisch – es musste ein neues Modell her.

Neuer Pflegeplan sichert Know-how

Die Stiftung rechnet heute mit einem Unterhaltsbedarf von 180’000 bis 200’000 Franken jährlich. Dazu kommen Betriebs- und Nebenkosten sowie Unterhaltskosten für das Innere der fünf nicht vermieteten Museggtürme. Dafür müsste, wenn nötig, auch die Stadt Luzern aufkommen. Die Gesamtkosten basieren auf dem neuen Pflegeplan, einer Art Checkliste, die auf den Erfahrungen aus der zwölfjährigen Sanierung basiert.

«Die Erfahrungen aus der Restaurierung sollen als wertvolles Know-how für die fortdauernde Pflege des Baudenkmals erhalten werden», so der Stadtrat. Der jährliche Unterhalt werde durch den Pflegeplan zwar aufwendiger, zeige dafür aber Schadstellen und Mängel frühzeitig auf. Der Pflegeplan ist das Steuerungsinstrument für den langfristigen Erhalt und Unterhalt des Bauwerks.

Stadträtin Manuela Jost im Innern des Wachtturms.  (Bild: jwy)

Stadträtin Manuela Jost im Innern des Wachtturms.  (Bild: jwy)

Jährlich 120’000 Franken

Doch warum zahlt die Stadt der Stiftung jährlich «nur» 120’000 Franken für Unterhalt und Betrieb? Manuela Jost gibt zu: «Der Unterhalt kostet mehr, die 120’000 sind knapp bemessen, aber der Betrag ist politisch gut vertretbar.» Zudem habe die Stiftung noch den Fonds.

Anfallende Kosten, die den Beitrag der Stadt übersteigen, sollen aus dem Unterhaltsfonds der Stiftung beglichen werden. Im Moment ist dieser Fonds komfortabel geäufnet: Ende 2014 war er auf 1,8 Millionen Franken geschrumpft, durch Legate und andere Beiträge beinhaltet er aktuell über 6 Millionen. Sollte der Fonds wieder unter die Schwelle von 1,5 Millionen Franken sinken, wird der Leistungsauftrag mit der Stadt neu verhandelt.

Kosten sind eine Annahme

Auch Beat Lötscher, der neu das Präsidium der Stiftung übernommen hat, sagt: «Der Unterhaltsbedarf ist eine Annahme, wenn ausserordentliche Massnahmen anfallen, wollen wir schnell und unbürokratisch eingreifen können.» Mit der jetzigen Vereinbarung und dem finanziellen Polster des Fonds sei das möglich, so Lötscher, der auch eine grosse Affinität zum Bauwerk hat und den Verein 2002 mitbegründete. Fertig saniert ist solch ein Bauwerk nie – bereits im Frühling 2017 starten nächste Unterhaltsarbeiten an Mauer und Innerem der Türme.

Die Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Stiftung startet 2017 und ist unbefristet – falls das Stadtparlament zustimmt. Voraussichtlich wird das am 24. November so weit sein – und voraussichtlich wird es ein deutliches Ja geben. Denn welcher Politiker will schon von sich behaupten, er gefährde eines der wichtigsten Wahrzeichen?

PS: Wer den öffentlichen Teil der Mauer zwischen Wacht-, Zyt- und Schirmerturm wieder mal besichtigen will, muss sich sputen: Nach Allerheiligen (1. November) schliesst der Wehrgang bis Karfreitag. Denn im Winterhalbjahr bleiben die Türme und Mauerabschnitte zum Schutz geschlossen.

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