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Obwohl der Bund 3000 Franken zahlt
Deutschkurse für Flüchtlinge in Luzern: Nicht alle dürfen hin

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Der Bund zahlt für Deutschkurse – in Luzern bekommen trotzdem nicht alle Flüchtlinge aus der Ukraine Zugang. (Bild: Adobe Stock)

Damit aus der Ukraine hier Fuss fassen können, zahlt der Bund den Kantonen eine Pauschale von 3’000 Franken pro Person. In Luzern bleibt der Zugang zu Deutschkursen einigen dennoch verwehrt.

«Der Status S sieht vor, dass Sie in Ihre Heimat zurückkehren, sobald dies möglich ist. Daher erhalten Sie keine umfassende Integrationsförderung.» Das steht in einer Broschüre des Kantons Luzerns, die seit Anfang Woche an aus der Ukraine verteilt wird. Willkommenskultur klingt anders.

Derweil rücken russische Truppen weiter in die Ukraine vor. Rund um Charkiw, der grössten Stadt im Osten des Landes, sind schwere Kämpfe in Gang. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

«Wenn man die Bilder von den zerstörten Städten sieht, muss man sich fragen, ob (eine rasche Rückkehr) wirklich realistisch ist», sagte der Zuger Regierungsrat Andreas Hostettler bereits Ende März gegenüber zentralplus. Das sieht auch der so. Er hat entschieden, den Kantonen pro Person mit Schutzstatus S insgesamt 3’000 Franken zur Verfügung zu stellen, damit sie Deutsch lernen können.

Wer Geld hat, soll sich selber um seine Integration kümmern

Die Flüchtlinge aus der Ukraine sollen dank der Unterstützung rasch im Arbeitsmarkt Fuss fassen. Wie die umgesetzt werden, ist Sache der Kantone. Und da zeichnet sich einmal mehr ein Flickenteppich ab.

Der Kanton Luzern hat nämlich vor, nur denjenigen Flüchtlingen die Kurse zu finanzieren, die Asylsozialhilfe beziehen. Wer finanziell (noch) auf eigenen Beinen steht, soll sich selber darum kümmern, Deutsch zu lernen.

Der Bund zahlt für alle – in Luzern dürfen aber nicht alle hin. Macht das Sinn?

Wer schon Deutsch kann, braucht keinen Kurs. Logisch.

«Die Pauschale muss nicht personenbezogen verwendet werden, sondern vielmehr bedarfsbezogen», schreibt die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) auf Anfrage von zentralplus. Das Geld kann dadurch gezielt eingesetzt werden. «So haben zum Beispiel einige Personen bereits sehr gute Deutschkenntnisse und benötigen keinen Sprachkurs, andere Personen machen wiederum sehr schnell Fortschritte und absolvieren innert kürzerer Zeit mehr Kurse als andere», heisst es seitens der DAF.

So weit, so nachvollziehbar. Aber: Wenn eine Ukrainerin genug Geld hat, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, heisst das ja noch nicht, dass sie auch bereits Deutsch spricht. Anders gesagt: Es ist durchaus denkbar, dass Bedarf besteht, einen Sprachkurs zu besuchen. Doch in Luzern bleibt ihr der Zugang verwehrt.

Zug: Deutschkurse werden gezielt eingesetzt, um Job-Chancen zu erhöhen

In Zug ist das – voraussichtlich – anders. «Mit allen Personen wird eine Potenzialanalyse durchgeführt», erklärt Stefan Ziegler, Leiter des Kantonalen Sozialamtes. Berücksichtigt werden dabei Ausbildung, Berufserfahrung, Motivation und weitere Kompetenzen. «Aufgrund dieser Daten erfolgt eine Selektion für Intensivsprachkurse mit Fokus auf den ersten Arbeitsmarkt.»

Im Nachbarkanton werden also gezielt die Personen gefördert, bei denen die Chancen intakt sind, dass sie hier einen Job finden und so finanziell unabhängig werden – oder eben bleiben. Denn auch wenn jemand aufgrund seiner Vermögensverhältnisse heute noch keinen Anspruch auf Asylsozialhilfe hat: In ein paar Monaten kann das schon ganz anders aussehen, wenn kein neues Einkommen mehr reinkommt.

Noch gibt es gar keine Sprachkurse für Flüchtlinge aus der Ukraine

Definitiv entschieden hat der Kanton Zug noch nicht, dass potenziell alle ukrainischen Flüchtlinge einen Sprachkurs besuchen dürfen. «Derzeit erarbeiten wir die Details», so Ziegler. Diese Woche finde noch ein Austausch mit dem Bundesamt für Migration und eine Abstimmung mit den anderen Kantonen statt. Die Erkenntnisse werden dann in einem Merkblatt festgehalten. «Eine erste Staffel von Kursen startet diesen Monat.»

Während der Kanton Zug sich die Optionen also offen lässt, hat sich Luzern bereits entschieden. Die Angebote sind auch in Luzern erst noch im Aufbau. Am 20. Mai wird auf der Website der DAF ein Formular aufgeschaltet (zentralplus berichtete). Die Interessentinnen müssen einen Einstufungstest machen, die DAF macht dann die Anmeldung bei den Anbietern.

Verwendete Quellen
  • Broschüre: Informationen für Personen mit Status S
  • Medienmitteilung des Bundes zur Sprachförderung
  • Mailaustausch DAF
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. Ruckli Käthy, 12.05.2022, 12:27 Uhr

    Deutschkurs für ukrainische Flüchtlinge.
    Die Kerngruppe Freiwillige in Buchrain handelt. Und zwar für alle rund 50 Flüchtlinge, welche in der Unterkunft am Unterdorfweg 3 (ehemals Pflegewohngruppe AZ Buchrain) vom Kanton einquartiert worden sind. Unter der Leitung von Lilo Keller, Mitglied der Kerngruppe Freiwillige, haben sich Freiwillige organisiert um ab kommenden Montag mit 30 Flüchtlingen, Frauen und Männer jeglichen Alters und ohne Abfrage des sozial-wirtschaftlichen Standes, aufgeteilt in 5 Gruppen, mit Deutschstunden zu starten. Hier in Buchrain durften sich alle Erwachsenen für diese Deutschstunden einschreiben. Dies ist gedacht als Start ins Deutsch, solange bis der Kanton mit seinen offiziellen Deutschkursen startet.
    Wie bereits gesagt, wir handeln. Und wir handeln pragmatisch!
    Herzlicher Gruss aus Bueri, Käthy Ruckli, Koordination Freiwillige Buchrain

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