So ticken die drei Luzernerinnen

Das SP-Trio für den Regierungsrat im Schnellcheck

Die SP will ihren 2015 verlorenen Sitz im Luzerner Regierungsrat zurückerobern. Mit Melanie Setz, Yvonne Zemp Baumgartner und Ylfete Fanaj stehen drei Kandidatinnen zur Auswahl. Was die drei Frauen antreibt und worin sie sich unterscheiden.

Eine Siegerin, das sagte SP-Präsident David Roth am Mittwoch zu Recht, steht bereits jetzt fest: die Partei. Die SP Kanton Luzern hat gleich drei Anwärterinnen für einen Sitz im Regierungsrat präsentiert: Yvonne Zemp Baumgartner, Melanie Setz und Ylfete Fanaj (zentralplus berichtete).

Sie hat damit ihre Lehren aus dem bitteren Ergebnis im Wahlkampf 2019 gezogen. Damals, im Jahr des Frauenstreiks, setzten die Genossen nur auf einen Kandidaten: Kantonsrat Jörg Meyer. Obwohl qualifiziert und politisch erfahren, holte er im ersten Wahlgang weniger Stimmen als Korintha Bärtsch von den Grünen, dem «Junior Partner» im linken Lager.

Für die Wahlen 2023, das machte die SP schon früh klar, setzt sie auf eine Frau. Bereits im Sommer 2020 startete man den Prozess, um geeignete Kandidatinnen zu finden, erläuterte Priska Lorenz von der parteiinternen Findungskommission. Mit mehr als 40 SP-Frauen führte die Partei Gespräche. Am Ende überzeugten Fanaj, Setz und Zemp Baumgartner (mehr zu ihrer Motivation im Video oben).

Dass die SP, die 2015 aus der Regierung flog, jetzt drei Kandidatinnen in die parteiinterne Ausmarchung schicken kann, hat für die Partei mehrere Vorteile. Das dürfte zum einen den Enthusiasmus innerhalb der Partei beflügeln, zum anderen den Sozialdemokraten bis zu den Wahlen am 2. April 2023 zusätzliche Aufmerksamkeit bescheren.

Wer sind die drei Kandidatinnen?

Ylfete Fanaj: Geprägt durch Lehrstellensuche

Geboren im Kosovo, kam Ylfete Fanaj als Neunjährige in die Schweiz. In Sursee wuchs sie mit vier Geschwistern auf und absolvierte nach der Schule eine kaufmännische Lehre. «Die 200 Bewerbungen, die ich nach der Sekundarschule geschrieben habe, um die mir so wichtige KV-Lehre beginnen zu können, haben mich geprägt», sagte sie am Mittwoch. «Derart um eine Ausbildung kämpfen zu müssen, das hat mich politisiert.»

«Als Macherin voranzugehen, parteiübergreifend zusammenzuarbeiten und Menschen mit Wohlwollen zu begegnen: Das zeichnet mich aus.»

Ylfete Fanaj

Die 39-Jährige blickt bereits auf eine langjährige politische Karriere zurück. Zunächst sass sie vier Jahre im Grossen Stadtrat von Luzern, wo sie seit 2006 wohnt. Seit 2011 ist Fanaj im Kantonsrat, wo sie vier Jahre lang die SP-Fraktion leitete. 2020/2021 folgte das Jahr als Kantonsratspräsidentin (zentralplus berichtete). Dass sie als erste Seconda zur höchsten Luzernerin gewählt wurde, bescherte ihr weit über den Kanton hinaus Aufmerksamkeit.

Ylfete Fanaj
SP-Kantonsrätin Ylfete Fanaj. (Bild: zvg)

Nicht nur, aber auch mit ihrem Migrationshintergrund will sie jenen eine Stimme geben, die oft zu wenig gehört werden. Zu Fanajs politischen Schwerpunkten zählen Gleichstellung, Inklusion und Chancengleichheit. Beruflich ist sie nach mehreren Aus- und Weiterbildungen, dazu zählt ein Masterabschluss in Sozialer Arbeit, bei einem Integrations- und Präventionsprogramm für Jugendliche in Bern tätig. Die Mutter eines knapp jährigen Sohnes übernimmt gerne mehr Verantwortung, wie sie bei der Medienkonferenz betonte. «Als Macherin voranzugehen, parteiübergreifend zusammenzuarbeiten und Menschen mit Wohlwollen zu begegnen: Das zeichnet mich aus.»

Melanie Setz: Kennt Stadt, Land und Agglo

Melanie Setz ist im ländlichen Inwil aufgewachsen, lebte über zehn Jahre in der Stadt Luzern und wohnt seit 2014 mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Emmen. Sie kenne den Kanton in seiner Vielfalt, sagte die 41-Jährige am Mittwoch vor den Medien. «Ob Stadt, Land, Agglo: Ich kann mich identifizieren mit unterschiedlichen Lebenswelten.» 

«Es ist Zeit für neue Vorbilder und Veränderung.»

Melanie Setz

Auch Setz politisiert bereits seit etlichen Jahren in Parlamenten: Zunächst als Grossstadträtin in Luzern, seit 2018 als Kantonsrätin. Dort ist sie in der Justizkommission, machte sich aber auch in der Bildungs-, Familien- und Gesundheitspolitik einen Namen. Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen habe sie bereits als Kind schlecht ertragen, sagt die Präsidentin der Gewerkschaft VPOD Luzern.

Melanie Setz Isenegger
SP-Kantonsrätin Melanie Setz. (Bild: zvg)

Nach einer kaufmännischen Lehre und Stationen in der Gastronomie und als Flight Attendant holte sie die Berufsmatura nach und liess sich zur Pflegefachfrau ausbilden. Heute arbeitet sie als Leiterin der Administration an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Luzerner Kantonsspital. Als berufstätige Mutter könne sie Vorbild sein für andere Eltern, die Vereinbarkeit vorleben, sagte sie. «Es ist Zeit für neue Vorbilder und Veränderung. Und ich bin bereit, Teil dieser Veränderung zu sein.»

Yvonne Zemp Baumgartner: Im Entlebuch geerdet

Yvonne Zemp Baumgartner, Mutter zweier erwachsener Kinder, ist im Entlebuch auf einem Bauernhof aufgewachsen. Eine politische Laufbahn bei der SP sei da eher ungewohnt, sagte die 54-Jährige an der Medienkonferenz der SP. Doch darin sieht sie keineswegs einen Nachteil: «Durch meine Herkunft bin ich eine soziale, geerdete Persönlichkeit.»

«In der aktuellen Regierung fehlen am Verhandlungstisch nicht nur die Frauen, sondern auch eine Vertretung der linken Politik.»

Yvonne Zemp Baumgartner

Inzwischen lebt Zemp Baumgartner in Sursee. Auch sie bringt die nötige politische Erfahrung mit. Rund acht Jahre lang politisierte sie für die SP im Luzerner Kantonsrat. Ihren Rücktritt begründete sie 2020 mit einer beruflichen Änderung (zentralplus berichtete). Yvonne Zemp Baumgartner übernahm die Stelle als Rektorin einer Schule in der Stadt Zürich. «Bald habe ich gemerkt, dass mein politisches Engagement damit noch nicht vorbei ist», sagte sie. Zuletzt war sie vermehrt auf regionaler und kommunaler Ebene tätig.

Yvonne Zemp Baumgartner
Die frühere SP-Kantonsrätin Yvonne Zemp Baumgartner. (Bild: zvg)

Nun will Zemp Baumgartner zurück in die kantonale Politik. Als erfahrene Berufs- und Familienfrau bringe sie ein breites Netzwerk mit. Besonders die Kommunikation und den gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt will sie verbessern. «In der aktuellen Regierung fehlen am Verhandlungstisch nicht nur die Frauen, sondern auch eine Vertretung der linken Politik», so Zemp Baumgartner.

SP plant eine «Tour de Lucerne»

Von ihren Fähigkeiten und Wahlchancen müssen die drei Frauen jetzt die Parteibasis überzeugen. Sie werden in den kommenden Monaten eine «Tour de Lucerne» durch die Sektionen der SP Luzern absolvieren. Geplant sind mehr als zehn Anlässe. Am Ende wird es nur eine aufs offizielle Ticket der SP schaffen. Wer das Rennen macht, entscheiden die Mitglieder an einem ausserordentlichen Parteitag am 24. September in Wolhusen.

Danach fängt der Wahlkampf erst richtig an. Dass die bürgerliche Männerregierung linker und weiblicher werden sollte, ist bis ins rechte Lager hinein unbestritten. Doch ob die SP wieder in den Regierungsrat einzieht, hängt auch massgeblich von den weiteren Kandidaturen ab. Nebst der Strategie der Grünen – laut SP-Präsident David Roth gab es keine Absprachen zu einer gemeinsamen Kandidatur – beeinflusst insbesondere der Entscheid des parteilosen Marcel Schwerzmann für oder gegen eine fünfte Legislatur die Wahlchancen der SP.

Verwendete Quellen
  • Medienkonferenz der SP Luzern
  • Persönliche Gespräche mit Ylfete Fanaj, Yvonne Zemp Baumgartner und Melanie Setz
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