Politik
Plattform wird im Wahlkampf rege genutzt

Das sind die Instagram-Vorreiter der Zuger Politik

Die Zuger Politiker wissen sich auf Instagram in Szene zu setzen.

(Bild: Instagram/Montage zentralplus)

Facebook und Twitter sind längst etabliert, wenn es um die politische Kommunikation in den sozialen Medien geht. Doch wie sieht es bei Instagram aus? Eines ist sicher: Wer auf diesem Medium aktiv sein will, gibt einiges von sich selbst preis. Und das tun nicht weniger Zuger Politiker, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg.

Der Zuger SVP-Gemeinderat Gregor R. Bruhin spielt Querflöte. SP-Kantonsrat Zari Dzaferi sitzt beim Après-Ski. Der Stadtzuger FDP-Präsident Patrick Mollet hängt am Seil unter der Hallendecke. Und CVP-Kantonsrat Fabio Iten reckt über dem Ägerisee sein Mountainbike in die Höhe.

All dies gibt es auf den Instagram-Profilen der Zuger Politiker zu sehen. Während heutzutage ein Auftritt auf Facebook und Twitter zum Repertoire der allermeisten Politiker gehört, ist die Sache bei Instagram anders gelagert – zumal man im Gegensatz zu Twitter sein Profil vor fremden Besuchern schützen kann. So ist jedem selbst überlassen, wie viel er von sich preisgeben möchte.

Gerhard Pfister: Null Beiträge – über 300 Abonnenten

Doch welche Zuger Politiker lehnen sich am weitesten aus dem Fenster und posten die gewagtesten öffentlichen Bilder? Und wer zieht die meisten Abonnenten an? zentralplus hat den Test gemacht.

«Bei mir ist es nicht trennscharf, ob ich das Profil als Politiker oder Privatperson betreibe.»

Gregor R. Bruhin, SVP-Gemeinderat Zug

Eines vorneweg: Die Zuger Regierungsräte üben sich in vornehmer Distanz zur 2010 gegründeten Plattform, weswegen hier getrost der Mantel des Schweigens darübergelegt werden kann. Eine Ehrenmeldung gibt es für den CVP-Präsidenten Gerhard Pfister (zentralplus berichtete). Deutlich über 300 Abonnenten bei null Beiträgen muss man erst einmal schaffen.

Wicki schwingt im Stadtrat obenaus

Ebenso wenig wie die Regierungsräte kommen auch die Zuger Stadträte nicht in den engeren Kreis der Wahl zum Instagram-König.

Immerhin besitzen André Wicki (SVP), Eliane Birchmeier (FDP) und Neo-Stadtpräsident Karl Kobelt (FDP) ein Profil – doch scheint dieses jeweils nur sehr sporadisch mit Inhalten gefüttert zu werden. Dabei entscheidet Wicki die stadtinterne Ausmarchung für sich. Sowohl was die Anzahl Beiträge als auch die Abonnentenzahl anbelangt.

Bleiben wir gleich in SVP-Kreisen. Während der Baarer Kantonsrat Beni Riedi vor allem durch Naturaufnahmen (und ein Bild von zwei Bugattis in Dubai) glänzt, kommt die unbestrittene Nummer eins bei der Schweizerischen Volkspartei aus dem GGR: Gregor R. Bruhin.

Das Profil des 25-Jährigen zählt exakt 700 Abonnenten (Stand Februar). Auf den über 150 Beiträgen findet sich Bruhin bei den verschiedensten Tätigkeiten. Schnell wird klar: Der Zuger Gemeinderat setzt nicht nur im Wahlkampf auf dieses Medium.

«Es ist Kreativität gefragt, die politischen Inhalte auf Instagram umzusetzen.»

Patrick Mollet, Präsident FDP Stadt Zug

Bruhin auf dem Pferd. Bruhin, der im Alter von neun Jahren dem damaligen SVP-Bundesrat Samuel Schmid gegenübersteht. Bruhin bei der Pommes-Zubereitung. Bruhin als Cowboy verkleidet an der Fasnacht.

Kurze Videos braucht’s

Er sagt: «Bei mir ist es nicht trennscharf, ob ich das Profil als Politiker oder Privatperson betreibe. Klar ist jedoch, dass ich nichts extrem Privates poste.» Dies habe er auch nicht getan, als er noch nicht auf der politischen Landkarte war.

Er versuche in den verschiedenen sozialen Medien zu zeigen, wer er ist und wofür er steht. «Instagram ist ein eher oberflächliches Medium mit einem jüngeren Publikum», erklärt Bruhin. Deshalb müssten die Videos kürzer sein als beispielsweise auf Facebook. Das Twitter-Publikum sei wiederum anders. «Dort tummeln sich vor allem Leute, die sich aktiv informieren wollen.»

Facettenreich in den sozialen Medien

Auf der Seite der Freisinnigen schwingt Patrick Mollet obenaus. Der Präsident der FDP Stadt Zug hat schon über 200 Posts auf Instagram verfasst. Dank seinen Beiträgen weiss man, wann der gebürtige Solothurner beim Blutspenden war, wie viele Kalorien er bis am Mittag bereits verbrannt hat und was ihn am Arbeitsrecht stört.

Auch aus seiner Sicht ist es nicht klar trennbar, ob man als Politiker oder Privatperson auf Instagram unterwegs ist. «Dies ist jedoch genau der Wert von Social Media, dass man sich in all seinen Facetten präsentieren kann.»

«Instagram ist für mich eher ein Lifestyle-Medium, wo Politisches keinen grossen Platz hat.»

Manuela Kaech, CVP-Kantonsrätin

Seine Fotos seien vor allem privater Natur. Während des Wahlkampfes habe er auch politische Beiträge geteilt. Trotzdem sagt er: «Ich bin schon lange auf dieser Plattform unterwegs und setze das Medium nicht spezifisch für die Wahlen ein.»

Instagram wird wichtiger

Instagram sei ein sehr visuelles Medium. «Politik hingegen ist meist textlastig. Daher ist Kreativität gefragt, die Inhalte auf Instagram umzusetzen», gibt Mollet zu bedenken. Das Medium werde immer wichtiger. Gerade in Anbetracht dessen, dass sich Facebook auf der Beliebtheitsskala der Jungen schon seit geraumer Zeit im Sinkflug befindet.

Weiter geht es in die Reihen der CVP. Dort teilen sich zwei Kantonsräte den parteiinternen Platz an der Sonne. Denn wenn man nach der Zahl der Abonnenten geht, schwingt der Unterägerer Fabio Iten obenaus. 739 Abonnenten zählt sein Profil.

 
 
 
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Los gehts.. Die Wahlunterlagen sind da, Wahlzettel ausfüllen und CVP wählen😉👍 #jcvp #wahlen2018 #jungpolitiker #frischerfrecher #fürunterägeri

Ein Beitrag geteilt von Fabio Iten (@favisual) amSep 19, 2018 um 9:59 PDT

Zu sehen gibt es vor allem Ferienbilder. Als Politiker tritt er kaum je in Erscheinung. Selbst von den Zeiten des Wahlkampfes im vergangenen Herbst zeugt nur ein Bild. Total gibt es gut 80 Beiträge zu entdecken.

Vom Familienalltag

Dies ist eine eher bescheidene Zahl, wenn man den Vergleich zu Parteikollegin Manuela Kaech (zentralplus berichtete) zieht. Die Chamerin wird bald einmal die 400er-Marke geknackt haben.

Die «Mutter aus tiefstem Herzen», wie sie sich auf ihrem Profil selbst betitelt, postet in erster Linie Bilder aus dem Familien- und Alltagsleben. Sei dies nun beim Skifahren oder in der Badi. Auch bei Kaech findet sich nur ein Bild, welches sie als Politikerin zeigt – auf einem Wahlplakat.

Für Politik gibt es andere Plattformen

Sie sagt, sie habe sich bewusst dafür entschieden, auf Instagram unpolitisch zu bleiben. «Es ist für mich eher ein visuelles Lifestyle-Medium, wo politische Botschaften schwieriger zu transportieren sind.» Instagram, Facebook, Twitter – Kaech bewirtschaftet alle ihre Kanäle unterschiedlich.

«Vor den Wahlen wurde ich gefragt, ob ich nicht auch etwas in diese Richtung posten möchte.»

Barbara Gysel, SP-Kantonsrätin

Ihre Wählerschaft tummle sich vor allem auf Facebook. Ihrer Meinung nach sei es mehr als unglücklich, während des Wahlkampfes voll auf ein Medium zu setzen und den Kanal anschliessend «verwahrlosen» zu lassen. «Da sollte man sich vorher Gedanken zu den eigenen Social-Media-Aktivitäten machen und sich eine Strategie zurechtlegen», so Kaech.

Wesentlich politischer geht es beim Instagram-Profil von SP-Kantonsrat Rupan Sivaganesan zu. Besonders zu Wahlkampf-Zeiten forderte er seine Abonnenten mehrmals auf, Farbe zu bekennen und ihn zu wählen. 

Mit den Ziegen herumtollen

Für eine Spitzenposition innerhalb der SP reicht dies freilich nicht. Denn die Konkurrenz aus den eigenen Reihen ist äusserst gross. Da wäre zum einen Kantonsrat Zari Dzaferi. Der 33-Jährige bringt es auf über 700 Abonnenten – und dies bei nur gut 40 Posts.

Der Baarer Gemeinderat setzt auf einen Mix zwischen Politischem und Privatem. Nach den Wahlen präsentiert sich Dzaferi nun eher wieder als Privatperson. Das Verteilen von persönlichen Briefen ist nicht mehr nötig, nun hat man auch mal Zeit, während der Wanderung mit den Ziegen herumzutollen.

Die Instagram-Krone geht an…

Doch die Instagram-Krone darf sich jemand anderes aufsetzen: Die Zuger SP-Präsidentin Barbara Gysel. Was Instagram anbelangt, kann sie mit Fug und Recht als «Early Adopter» bezeichnet werden. Ganze zwei Monate nach dem Erscheinen der Plattform hatte die 41-Jährige bereits ihr erstes Bild gepostet.

«Ich wollte einfach eine Idee bekommen, was für ein Tool es ist, weil mich Fotografie und Ästhetik interessieren», erinnert sich Gysel, die auch Kulturmanagement studiert hat. Seit dem Beginn sind fast 600 weitere Bilder hinzugekommen. Das Profil ist bis heute unpolitisch geblieben.

 
 
 
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#esläuftrund #cham

Ein Beitrag geteilt von barbara gysel (@barbaragysel) amOkt 1, 2018 um 12:34 PDT

«Vor den Wahlen wurde ich gefragt, ob ich nicht auch etwas in diese Richtung posten möchte.» Doch habe sie sich dagegen entschieden. Sie wollte ihre Linie fortführen. Sie fotografiere einfach gerne und gehe aufmerksam durch den Alltag. Zudem müsse man nicht immer politisch kommunizieren. «Nebst Politik schlägt mein Herz auch für Kultur.»

Schwarz-weiss ist Trumpf – auf den Bildern

Auf den Fotos zu sehen ist die Zugerin nie. Es sind fast ausschliesslich Schwarz-weiss-Bilder. «Das bedeutet jedoch nicht, dass ich politisch schwarz-weiss denke», sagt sie lachend.

Sie stellt die Sinnhaftigkeit von Instagram als politisches Instrument nicht in Abrede – nur müsse man sich als Politikerin eben entscheiden, wie man die Plattform nutzen will. Die Profile der Zuger Politiker stellen dies exemplarisch unter Beweis.

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