Bei ärztlicher Behandlung

Damian Müller fordert Dolmetscher für Ukraine-Flüchtlinge

Damian Müller will, dass beispielsweise Hausärzte Dolmetscherinnen beiziehen können, wenn sie ukrainische Flüchtlinge behandeln. (Bild: zvg / Adobe Stock)

Für eine nachhaltige medizinische Behandlung von ukrainischen Flüchtlingen braucht es Dolmetscherinnen, findet der Luzerner Ständerat Damian Müller. Er hat deshalb einen Vorstoss eingereicht.

Viele Flüchtlinge aus der Ukraine sind bei ihrer Ankunft in der Schweiz auf eine ärztliche Untersuchung und Behandlung angewiesen. Damit diese gelingen, ist es aus Sicht von Damian Müller oft notwendig, professionelle interkulturelle Dolmetscherinnen beizuziehen. «Wenn Ärztin und Patient nicht die gleiche Sprache sprechen, ist das sinnvoll», so der Luzerner Ständerat auf Anfrage.

Das Problem: Die Grundversicherung deckt die Kosten im ambulanten Bereich nicht. «Auch die längere Dauer der Konsultationen wird im Tarif nicht berücksichtigt», wie Müller in einem Vorstoss schreibt. «Ich finde, das geht nicht. Wir müssen beachten, dass bei der Übermittlung der Diagnose eine klare Übermittlung stattfinden muss. Elternteile können dies nicht übernehmen.»

Bundesrat soll eine rasche Lösung erarbeiten

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) können die Kosten für das Dolmetschen als integrierter Teil der medizinischen Leistung betrachtet werden. Allerdings nur, wenn «professionelles interkulturelles Dolmetschen für die Ausführung einer medizinischen Untersuchung oder Behandlung sowie für deren therapeutischen Erfolg unabdingbar» ist.

«Durch das gegenseitige Verständnis untereinander können Fehler vermieden und die Qualität der Behandlung kann erheblich verbessert werden.»

Ständerat Damian Müller

Die ambulante Tarifstruktur sieht jedoch keinen Posten für eine Übersetzung vor. Damian Müller will deshalb vom Bundesrat wissen, ob Ärztinnen diese Kosten verrechnen können. Und wenn ja: Ob der Bundesrat bereit ist, aufgrund des hohen Bedarfs an ukrainischen Dolmetschenden eine rasche Lösung zu suchen.

Übersetzung vermeidet Fehlbehandlungen

Nur: Was ist mit den Kosten, die das verursacht? Ist es wirklich nötig, dass die Allgemeinheit in Anbetracht der steigenden Krankenkassenprämien (zentralplus berichtete) auch noch für Dolmetscherkosten aufkommt? Damian Müller findet: Ja.

«Ich bin der Meinung, dass die Kosten für das Dolmetschen als integrierter Teil der medizinischen Leistung betrachtet werden sollten. Durch das gegenseitige Verständnis untereinander können Fehler vermieden und die Qualität der Behandlung erheblich verbessert werden. Das ist für mich entscheidend», so der FDP-Politiker.

Nur für Flüchtlinge aus der Ukraine – oder für alle?

Was auffällt: In seinem Vorstoss spricht Müller nur von geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Diese bevorzugte Behandlung von ukrainischen Geflüchteten hat von verschiedenen Seiten Kritik hervorgerufen. Der Vorwurf ist, dass die Schweizer Politik sich mehr um Ukrainerinnen sorge als um Geflüchtete aus anderen Kriegsgebieten.

«Jetzt geht es darum, diese Ausnahmesituation zu bewältigen. Grundsatzdebatten sollten wir nicht mitten in der Krise führen.»

Ständerat Damian Müller

Wie sieht das Damian Müller? Soll der Bund folgerichtig Übersetzungsdienste auch für Geflüchtete aus anderen Staaten finanzieren? Damian Müller lässt das offen. «Das Problem ist angesichts der vielen Flüchtenden aus der Ukraine dringlich und muss jetzt gelöst werden. Ob allfällige Leistungen später auch auf Flüchtlinge aus anderen Nationen ausgeweitet werden, wird die weitere politische Diskussion zeigen», meint er dazu.

Für eine Grundsatzdebatte ist jetzt nicht die Zeit

Möglich wäre also, dass im Sinne der Rechtsgleichheit langfristig Flüchtlinge im Allgemeinen profitieren. Ist die aktuelle Krise vielleicht eine Chance, den Umgang mit Flüchtlingen generell zu hinterfragen und im humanitären Sinne anzupassen (zentralplus berichtete)? Auch hier lässt sich der FDP-Ständerat nicht in die Karten blicken.

«Mich beeindruckt die Solidarität der Schweizerinnen und Schweizer mit Flüchtenden aus der Ukraine, und ich bewundere das vielfältige Engagement von zahlreichen Privatpersonen», beantwortet er die Frage recht allgemein. Dieser Krieg in Europa sei eine Ausnahmesituation. «Jetzt geht es darum, diese Ausnahmesituation zu bewältigen. Grundsatzdebatten sollten wir nicht mitten in der Krise führen.»

Verwendete Quellen
  • Vorstoss Damian Müller
  • Mailkontakt Damian Müller
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1 Kommentar
  • Profilfoto von Vreni
    Vreni, 06.06.2022, 19:47 Uhr

    Ich fordere den 13ten beiv der AHV
    Ich fordere für meine Ehe 200% AHV und nicht nur 150% was monatlich 1200 Fr weniger ausmacht

    Unsere Politiker sollen für das Schweizervolk fordern, von denen sie auch bezahlt werden

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