Politik

Zweiter Wahlgang: Wer steigt mit wem ins Bett?
CVP: «Das Ganze ist ein Wahldebakel»

  • Lesezeit: 4 min
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Müssen in den zweiten Wahlgang: Manuela Jost, Stefan Roth und Peter With. Unerwartet kam das schlechte Abschneiden des CVP-Stadtpräsidenten Roth. (Bild: Jakob Ineichen)

Tritt die CVP-Präsidentin ob der Schlappe ihrer Partei zurück? Gibt’s für den zweiten Wahlgang am 5. Juni einen Super-Deal zwischen FDP und CVP? Unterstützt die SP die GLP-Kandidatin Manuela Jost und, falls ja, zu welchem Preis? Schafft es die SVP doch noch, die CVP zu einem bürgerlichen Schulterschluss zu bewegen? zentralplus sucht für Sie nach Antworten.

Da hat es die CVP aber böse erwischt, bei den städtischen diesen Sonntag. Zwei von acht Sitzen weg im Stadtparlament, das schlechteste Resultat seit vielen Jahren, und Stapi Stefan Roth scheitert doch bei den Stadtratswahlen tatsächlich am absoluten Mehr und muss in den zweiten Wahlgang. Als wär das nicht genug, musste er sich auch beim Kampf ums Stadtpräsidium von SP-Neuling Beat Züsli übertrumpfen lassen. Weil aber beide das absolute Mehr nicht erreicht haben, wird über dieses Amt am 5. Juni das Volk abschliessend entscheiden.

Zur Auswahl für die zwei noch zu besetzenden Stadtratssitze stehen dann wohl auch: Manuela Jost (GLP, bisher), Stefan Roth (CVP, bisher) und Peter With (SVP, neu). Am Sonntag direkt gewählt wurden Martin Merki (FDP, bisher), Adrian Borgula (Grüne, bisher) und Beat Züsli (SP, neu).

Ein interessantes Gedankenspiel aus FDP-Kreisen dürfte auch noch zu reden geben: Stefan Roth soll aufs Präsidium verzichten, und Martin Merki für dieses Amt aufs Schild heben. Im Gegenzug unterstützt die FDP Roths Kandidatur für den Stadtrat. Dazu gleich mehr.

CVP leckt ihre Wunden

Andrea Gmür-Schönenberger hat als Präsidentin der städtischen CVP das Debakel ihrer Partei mit zu verantworten. Sie sagt unumwunden: «Das Ganze ist ein Wahldebakel, da gibt es nichts schönzureden.»

«Wir sind zu unserer politischen Überzeugung gestanden und haben unsere Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel gesetzt.»

Andrea Gmür, CVP-Präsidentin

Dazu beigetragen haben gemäss Gmür zum einen die Linken, die stark zusammengehalten haben, sehr viele Kandidaten hatten und gut mobilisieren konnten. «Zum anderen sind wir mit der FDP und SVP keine gemeinsame Liste eingegangen, wir sind allein gegangen. Ein Fehler war dies jedoch nicht. Wir sind zu unserer politischen Überzeugung gestanden und haben unsere Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel gesetzt.»

Tritt Präsidentin zurück?

Nationalrätin Andrea Gmür selber war im Wahlkampf nicht spürbar. Zieht sie nun Konsequenzen und tritt als Präsidentin zurück? Bekanntlich hat sich Gmür nie um den Job gerissen und würde ihn wohl «ruckzuck» abgeben, wenn die Partei denn nur einen Nachfolger hätte. Ganz der Profi versucht sie in dieser Frage aber demonstrativ, Durchhaltewillen zu proklamieren: «Nein, jetzt ganz bestimmt nicht. Ich trete erst zurück, wenn die CVP zu den Wahlsiegern gehört. Nun werden wir halt in vier Jahren wieder gewinnen.»

«Wir können den Linken nur Paroli bieten, wenn wir näher zusammenstehen.»

Peter With, SVP-Präsident und Stadtratskandidat

Und die Partei werde mit Stefan Roth im zweiten Wahlgang ein «Top-Resultat erzielen und ihn auch aufs Präsidium hieven». Dazu müsse man aber sicher das Wahlpotenzial besser ausschöpfen. Dass Stefan Roth zugunsten von Martin Merki aufs Präsidium verzichtet und er dafür von der FDP als Stadtrat unterstützt wird, ist für Gmür keine Option. «Das ist nicht diskutabel. Denn Stefan Roth hat als Stadtpräsident sehr gute Arbeit geleistet, er ist der Richtige für uns.»

FDP ist unzufrieden über CVP

Die FDP hat mit Stadtrat Martin Merki ein grossartiges Ergebnis eingefahren. Rundum glücklich ist Parteipräsident Fabian Reinhard aber nicht, weil ihr bürgerlicher Partner, die CVP, so schlecht abgeschnitten hat. Dass die FDP Merki als Stadtpräsidenten portieren könnte, wenn Roth auf dieses Amt verzichten würde, sei durchaus eine Option. «Martin Merki hat weit über die Partei hinaus Stimmen geholt. Uns geht’s aber klar darum, auch weiterhin einen bürgerlichen Stadtrat und Stadtpräsidenten zu haben.» Die FDP werde die Situation nun analysieren und am Dienstag an der Parteiversammlung entscheiden, wie es betreffend zweiten Wahlgang weitergehe.

Zaubern SP und FDP zweiten Kandidaten hervor?

Bis diesen Freitagmittag müssen die Parteien bekanntgeben, wen sie für den zweiten Wahlgang für den Stadtrat und das Stadtpräsidium ins Rennen schicken. Theoretisch kann bis dahin jede Partei ihre Kandidaten auswechseln oder jemand Neuen aufbieten.

Dass die SP ob ihres historischen Erfolges versucht ist, am 5. Juni noch eine zweite SP-Person in den Stadtrat zu bugsieren, ist zwar möglich. Parteipräsident Claudio Soldati hält es aber für eher unwahrscheinlich. Auch bei der FDP hält man sich diese Möglichkeit offen, sehr realistisch scheint sie aber nicht.

SVP hofft weiter auf CVP-Support

Von diesem Deal zwischen FDP und CVP wäre Peter With natürlich wenig begeistert. Der SVP-Präsident und Stadtratskandidat bräuchte für eine Wahl die Unterstützung von FDP und zumindest Teilen der CVP. With sagt: «Die Parteileitung wird am Dienstagabend an der Mitgliederversammlung den Antrag stellen, mit mir in den zweiten Wahlgang zu gehen. Wir suchen nach wie vor den bürgerlichen Schulterschluss, hoffen also auf ein Päckli ‹With und Roth›. Es hat sich gezeigt, dass wir es nicht schaffen, den Linken Paroli zu bieten, wenn wir nicht näher zusammenstehen.» Wenn die CVP das trotzdem nicht wolle, dann könne die SVP Roth als Stadtrat und auch Stadtpräsidenten auch nicht unterstützen. «Und Züsli würde wohl das Rennen ums Präsidium machen. Das aber will sicher niemand von uns.»

GLP muss Kompromisse an Linke machen

Stark unter Druck ist und bleibt auch Manuela Jost. Die bisherige Baudirektorin könnte im Hinblick auf den zweiten Wahlgang von den Linken einen Forderungskatalog präsentiert bekommen. Denn sie ist auf deren Unterstützung angewiesen – und die gibt’s nicht gratis. «Diese Gespräche müssen wir zuerst noch führen», sagt Parteipräsident Louis von Mandach. Er schätzt die Gefahr von linken Forderungen an Jost aber als nicht so gross ein. Denn SP und Grüne seien ja auch nicht an einem bürgerlicheren Stadtrat interessiert.

Hinweis: zentralplus wird Sie am Dienstagabend natürlich darüber informieren, wie und mit wem die Parteien in den zweiten Wahlgang gehen wollen und wer wen unterstützt.

 


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