Politik
Ein Pflaster sorgt für Turbulenzen

Bundesratskandidatin Blöchliger und das «Wunder» aus Root

Die Nidwaldner SVP-Regierungsrätin Michèle Blöchliger stolpert erneut über ihren eigenen Lebenslauf. (Bild: Screentshot Youtube)

Die Nidwaldner Regierungsrätin Michèle Blöchliger möchte gerne die Nachfolge von Ueli Maurer im Bundesrat antreten. Allerdings strauchelte sie schon zu Beginn über ihren eigenen Lebenslauf. Aus Root kommt nun erneut Ungemach auf sie zu.

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler meinte, dass es einen Vertreter der Geberkantone im Bundesrat geben soll. Und damit meinte er sich selbst. Jedoch hat er mit Michèle Blöchliger eine Konkurrentin bekommen, die mit dem gleichen Argument in die engere Auswahl kommt (zentralplus berichtete).

Eine wirkliche Konkurrenz scheint die Nidwaldner Regierungsrätin allerdings nicht mehr zu sein. Nur wenige Stunden nach ihrer Bundesrats-Bewerbung stolperte Blöchlinger über ihren eigenen Lebenslauf. Sie hat ihre britische Staatsbürgerschaft erst verleugnet.

Nach UK-Debakel kommt das LU-Debakel

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, befindet sich in Blöchliners Lebenslauf noch einen weiteren Stolperstein. Dort verheimlicht sie, ihre Beziehung zu der Firma «Delin Bionics» aus Root. Das Unternehmen wurde 2014 gegründet und trat 2020 in den Schweizer Markt ein. Laut der NZZ habe die Luzerner Firma eine «immer wichtigere Rolle in ihrem Nebenberufsleben» der Bundesratskandidatin gespielt.

Die Firma verkauft nur ein einziges Produkt. Es ist ein Pflaster, welches als Medizinprodukt angepriesen wird. Klebt ein Patient dieses «Wunder-Pflaster» auf seinen Wundverband, oder auch an die Matratze, den Autositz oder unter die Schuhsohle, lebt der Patient gesünder. Mehr Leistung oder eine bessere Wundheilung soll dieses Ding liefern.

Wie dies genau funktionieren soll, ist nicht ganz klar. Ein beim eidgenössischen Patentamt hinterlegtes Dokument liefert einen oberflächlichen Einblick. So soll im Pflaster neben Kunststoff und Metall auch Kleinstpartikel diverser Mineralien enthalten sein.

Mitglied der Geschäftsleitung – oder doch nicht?

Bundesrats-Aspirantin Michèle Blöchliger ist von der Wirkung überzeugt. So überzeugt, dass sie und ihr Ehemann in einem Dokument der Firma gar als Mitglieder der vierköpfigen Geschäftsleitung aufgeführt werden. Doch davon will sie nun nichts wissen. «Ein Faktenblatt auf der Website der Firma ist missverständlich gegliedert und wird umgehend angepasst», sagt Blöchliger gegenüber der NZZ. Sie selbst sei weder Geschäftsführerin noch in der Geschäftsleitung. Ihr Mann gehöre allerdings durchaus zu der Geschäftsleitung. «Ich unterstütze als Strategie-Beirat dieses Startup-Unternehmen und war nie operativ tätig.»

Auf ihrer Homepage wird der Name der Firma aus Root nicht erwähnt. Gegenüber der Zeitung erklärt sie: «Auf meiner Website habe ich dieses Engagement als ‹Strategie-Coach eines Startup-Unternehmens› erwähnt», sagt Blöchliger. Auf die Nennung von Delin Bionics habe sie bewusst verzichtet, «weil dieser grundsätzlich dem Geschäftsgeheimnis unterliegt.»

Umstrittene Wirkung des Pflasters

Das Problem bei dieser Verbindung: Ob dieses Pflaster wirkt oder nur Geld für die Firma aus Root generiert, ist fraglich. Eine Studie, welche die Wirksamkeit belegen soll, hat eine dubiose Quelle. Als Verfasser wird ein vom deutschen Arzt Rainer Klopp geführtes «Institut für Mikrozirkulation» genannt. Eine Website oder Telefonnummer existiert allerdings nicht. Klopp verstarbt im Jahr 2019.

Schon vor eineinhalb Jahren hat sich der Zürcher Hausarzt, Thomas Walser, in der Zeitschrift «Saldo» kritisch gegenüber der Wirksamkeit geäussert. Zu der Klopp-Studie sagt er nun gegenüber der NZZ erneut: «Ich habe die Studie als völlig ungenügend eingestuft, und meine damalige Meinung und Aussage gilt noch heute.»

Verwendete Quellen
  • Bericht Das «Wunder»-Pflaster und Frau Blöchliger der NZZ
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.