Politik

Kriens: CVP braucht neue Kandidaten
«Das Ergebnis tut weh»: Franco Faé tritt nicht mehr an

  • Lesezeit: 4 min
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In Kriens bleibt kein Stein auf dem anderen: Franco Faé (dritter von links) zieht seine Kandidatur zurück – genauso wie Lothar Sidler (ganz links) und Matthias Senn (rechts). (Bild: zvg)

Der Krienser Finanzvorsteher Franco Faé (CVP) tritt am 28. Juni nicht mehr zum zweiten Wahlgang an. Die Bevölkerung wolle offenbar neue Gesichter im Stadtrat, begründet er seinen Rücktritt.

«Drei Wochen nach dem ersten Wahlgang der Stadtrats- 2020 hat die CVP Kriens entschieden und mit mir beschlossen, dass ich nicht mehr zum zweiten Wahlgang am 28. Juni 2020 antreten werde.» Mit diesen Worten eröffnet Franco Faé sein persönliches Schreiben zu den Wahlen, das er diesen Mittwoch publik macht.

Der Finanzvorsteher erreichte im ersten Wahlgang Ende März nur den zweitletzten Platz – und hat nun entschieden, auf einen zweiten Wahlgang zu verzichten. Das Resultat sowie die politischen Diskussionen hätten gezeigt, dass «in Kriens offenbar neue Gesichter im Stadtrat erwünscht sind», so der 61-Jährige.

«Das Ergebnis des ersten Wahlgangs hat mich in dieser Deutlichkeit überrascht und ja, es tut auch weh.» Er hätte die anstehenden Herausforderungen gerne in der neuen Legislatur angepackt, sagt Faé auf Nachfrage. Entsprechend habe er lange mit dem Entscheid gerungen, den er gemeinsam mit seinem Umfeld und der Partei gefällt habe. «Es gilt, das Resultat demokratisch zu akzeptieren, damit Platz frei wird für neue Kräfte.»

Ein grosser Umbruch steht an

Damit folgt Franco Faé seinen beiden Ratskollegen Lothar Sidler (CVP) und Matthias Senn (FDP). Die bürgerlichen Stadträte hatten allesamt im ersten Wahlgang schlecht abgeschnitten – sie landeten auf den hintersten drei Plätzen (siehe Grafik). Sidler und Senn zogen deshalb bereits die Konsequenzen und gaben ihren Rückzug und damit ihren Rücktritt per Ende August bekannt (zentralplus berichtete). Dass sich gleich drei amtierende Stadträte nach dem ersten Wahlgang aus dem Rennen nehmen, hat politischen Seltenheitswert.

«Vielleicht haben wir uns zu wenig gewehrt und waren zu brav.»

Franco Faé wurde 2015 in die Krienser Exekutive gewählt und 2016 bestätigt. Es sei vor allem nach der Departementsreform 2016 eine sehr grosse Herausforderung gewesen, alle Aufgaben im neuen Departement zu meistern. Wenn er auf die letzten fünf Jahre zurückblickt, sehe er viele gelungene Projekte, eine enorme Investitionssumme und eine schlanke Verwaltung, die das Optimum herausgeholt habe. «Womöglich haben wir das zu wenig gut verkauft», sagt er rückblickend. Klar sei beim Controlling oder der Lohndiskussion nicht alles optimal gelaufen. Zuletzt stand der Finanzvorsteher in der Kritik, weil es beim Zentrumsprojekt und dem Kleinfeld-Neubau zu Kostenüberschreitungen kam. Faé betont jedoch, dass er stolz sei, dass man zu den Fehlern, die bei der Arbeit entstehen können, gestanden sei und man bei all diesen Projekten keine unnötigen Gelder zulasten der Steuerzahler ausgegeben habe.

Dass in der Öffentlichkeit oft die Kritik dominierte, hat laut Faé auch damit zu tun, dass «gewisse politische Kreise» darauf abgezielt hätten, das Misstrauen in der Bevölkerung zu schüren. «Vielleicht haben wir uns zu wenig gewehrt und waren zu brav», so Faé.

Am Ende sei das aber der Lauf der Politik, jeder wisse, dass die Wiederwahl kein Selbstläufer sei. Er sei nun gespannt, ob die neuen Kräfte im Stadtrat die Hoffnungen der Bevölkerung erfüllen und den Know-How-Verlust kompensieren können. Über seine persönliche Zukunft habe er sich erste Gedanken gemacht, spruchreif sei aber noch nichts.

Franco Faé wurde 2015 in die Krienser Exekutive gewählt. (Bild: lwo)

Mit seinem Entscheid ist also klar, dass es im Krienser Stadtrat zu einer grösseren Rochade kommt als ursprünglich erwartet werden konnte. Im ersten Wahlgang schaffte Maurus Frey (Grüne, neu) als Einziger den Sprung ins Gremium. Von den fünf Bisherigen tritt einzig Judith Luthiger (SP) am 28. Juni nochmals an. Zudem steigen Cla Büchi (SP), Roger Erni (FDP) und Marco Frauenknecht (SVP) nochmals ins Rennen um die vier verbleibenden Sitze.

Die Frage ist nun, mit wem die CVP ins Rennen steigt und ob sie weiterhin auf ein Zweierticket setzt oder aus taktischen Gründen einen ihrer beiden Sitze aufgibt, um zumindest einen zu retten. Parteipräsidentin Christine Kaufmann-Wolf sagte am Dienstag auf Anfrage von zentralplus, die CVP werde am Donnerstag darüber informieren. Noch offen ist auch, wer für das Stadtpräsidium kandidiert.

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