Politik
Stadt lehnt Vermietungszwang ab

Bodum-Villen verursachten immensen Aufwand beim Luzerner Stadtrat

Die alte Villa an der Obergrundstrasse ist derzeit wieder verwaist. (Bild: bic)

Die Villen an der Obergrundstrasse beschäftigen die Stadt Luzern seit Jahren. Aus der Antwort auf einen Vorstoss geht hervor, wie intensiv sich die Verwaltung mit dem Thema auseinandergesetzt hat – und wieso sie optimistisch ist, dass sich die Geschichte mit den neuen Besitzern nicht wiederholt.

Für die SP-Politiker Mario Stübi und Cyrill Studer Korevaar sind die Geschehnisse rund um die beiden Villen an der Obergrundstrasse 99 und 101 ein «Trauerspiel», das mit der neuen Besitzerin, der Romano & Christen Management AG, in eine «nächste, hoffentlich bessere Runde» geht (zentralplus berichtete).

Vom Stadtrat wollten die beiden deshalb wissen, ob er wirklich alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft habe, um die Gebäude zu erhalten und einen zweiten «Fall Bodum», zu verhindern. Denn wie es sich zeigte, hielt diese Causa nicht nur die Stadtluzerner Öffentlichkeit auf Trab, sondern in nicht geringem Masse auch die Stadtverwaltung.

Aus der Antwort der Stadtregierung geht hervor, dass es unzählige, wohl Hunderte Stunden gewesen sein müssen, in denen sich die Stadtregierung und ihre Mitarbeiterinnen mit dem Fall schon auseinandergesetzt haben – in erster Linie in jener Zeit, als die Villen noch Jørgen Bodum gehörten.

Stadt traf sich fünfmal mit Bodum

Nicht weniger als 29 «wesentliche Kontakte» listet der Stadtrat in seiner Antwort auf. Darunter werden insgesamt fünf persönliche Treffen mit Jørgen Bodum erwähnt, die seit Anfang 2014 stattfanden.

Brisant: Dieser wollte schon nach einer ersten Sitzung die Gebäude weiter verkaufen. Trotzdem startete man die Planung, die damals wohl noch eher in Richtung Umbau oder Sanierung ging.

«In solch aussergewöhnlichen Geschäften spielen manchmal auch persönliche Aspekte und Interessen eine Rolle.»

Baudirektorin Manuela Jost

Das letzte persönliche Treffen fand bereits im September 2014 statt. Dies wohl deshalb, weil Bodum merkte, dass er sein Vorhaben nicht so einfach in die Tat umsetzen kann. Der dänische Unternehmer wollte ursprünglich einen Firmensitz mit «sehr vielen Parkplätzen» bauen. Die Sitzung vom 22. September, in der es um das weitere Vorgehen ging, ist die letzte, an welcher der Firmeninhaber persönlich teilnahm.

Planerwechsel und Abrissversuche

In der Folge hat sich Bodum durch seine Rechtsanwälte der Bodum Invest AG vertreten lassen. Es folgten bekanntermassen politische Diskussionen um den möglichen Abriss der Villen, Hausbesetzungen und Gerichtsverhandlungen. Die Stadt ist der Meinung, alles getan zu haben, was vom Gesetz her sinnvoll ist: Eine Sanierung zu erzwingen, wie es rechtlich im Prinzip möglich gewesen wäre, sei gegen den Willen des Besitzers «sehr aufwendig und mit grossen Prozessrisiken» umsetzbar gewesen, weshalb man weiter auf Gespräche gesetzt habe – die sich schwierig gestalteten.

Bodum war ein aussergewöhnlicher Fall

Auf Anfrage kann Baudirektorin Manuela Jost (GLP) den Aufwand nicht in Stunden und Franken beziffern – sie sagt aber: «Es ist ganz klar, dass der Begleitungs- und Unterstützungsaufwand in dem Fall aussergewöhnlich war, dies allein schon aufgrund der langen Zeitdauer seit 2014 oder der aussergewöhnlich hohen Inanspruchnahme der Stadtbaukommission.»

Für Jost liegt eine mögliche Erklärung, weshalb trotz des enormen Aufwandes keine Einigung mit Bodum erzielt werden konnte, darin, dass sich der damalige Besitzer nicht bewusst war, was es bedeutet, in der Schutzzone B bauen zu wollen, wie er es vorhatte.

Jost spricht aber auch von «einer gewissen Beratungsresistenz bezüglich der Rahmenbedingungen». Schliesslich entziehe es sich ihrer Kenntnis, «warum Herr Bodum die von der Stadt und der Stadtbaukommission letztlich 2018 gutgeheissene Projektstudie nicht weiterverfolgt hat».

Ein optimistischer Ausblick mit Fragezeichen

Dass sich der Fall wiederholt, davon geht die Stadtregierung nicht aus. Von den neuen Besitzern habe der Stadtrat bisher keine Signale erhalten, die Villen abreissen zu wollen. Die statisch-technische Sanierung sei nach aktuellen Kenntnissen trotz schlechten Zustands des Dachs «weiterhin möglich» (zentralplus berichtete). Nachdem die Suva einschritt, musste die Sanierung des Daches vorläufig gestoppt und die Baustelle neu gesichert werden.

Die Stadt will die Eigentümer auch nicht dazu verpflichten, die Gebäude künftig zu vermieten und so den Unterhalt langfristig zu sichern. Dies wäre laut Stadtrat ein zu starker Eingriff und mit der Eigentumsgarantie nicht vereinbar, wie aus der Antwort hervorgeht.

Doch was passiert, sollten die neuen Besitzer trotz allen zugesicherten Bestrebungen doch zum Schluss kommen, dass es sich nicht lohne zu sanieren? Ein allfällig neues Abrissgesuch müsste der Stadtrat erneut prüfen – auch wenn er sich der politischen Dimension bewusst sei, so die Stadtregierung. Dabei könne er indes nur bedingt aus dem Fall Bodum lernen, sagt Jost: «Die gemachten Erfahrungen lassen sich nicht einfach auf andere Fälle übertragen. Das Thema Abbruch in Schutzzone B ist an sich schon ein sehr seltenes Vorkommnis.» Zudem «spielen in solch aussergewöhnlichen Geschäften manchmal auch persönliche Aspekte und Interessen eine Rolle».

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