Politik

Grüne und GLP fordern rasches Handeln
Bodenuntersuchung rund um KVA Ibach wird teuer

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Rückbau KVA Ibach im Februar diesen Jahres. (Bild: fag)

Die Böden im Umfeld der früheren KVA Ibach bei Luzern könnten mit Dioxin verseucht sein. Dies systematisch zu untersuchen – wie es Bauernverband, Grüne und GLP fordern – könnte gemäss Experten teuer und aufwendig werden.

In der Stadt Lausanne sind viele Böden mit dem hochgefährlichen Schadstoff Dioxin verseucht. Die Lausanner Behörden gehen davon aus, dass das gefundene Gift von der früheren Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Vallon herrührt. Eine solche stand bis vor zwei Jahren auch noch im Gebiet Ibach. Politikerinnen der Grüne und der GLP fordern deshalb, dass auch hier Bodenproben durchgeführt werden (zentralplus berichtete).

Stellt sich die Frage, in welcher Entfernung einer ehemaligen KVA Beprobungen jeweils stattzufinden haben. Thomas Bucheli von Agroscope teilt auf Anfrage mit: «Bei Kehrichtverbrennungsanlagen geht man in der Regel von einer grossräumigen, distanzabhängigen Belastung aus.»

Gegebenenfalls werde auch bis zu einer Distanz von 10’000 Metern von der Emissionsquelle untersucht, wobei jeweils auch die Hauptwindrichtung mit berücksichtigt werden müsse. Bei einer solchen grossräumigen Untersuchung sei davon auszugehen, dass an Dutzenden Standorten Proben zu entnehmen wären, wobei an jedem Standort mehrere Einzelproben gezogen werden müssten.

Gemäss Agroscope sind solche Dioxinproben teuer; die Kosten liegen bei Hunderten von Franken pro Probe. In Lausanne und Umgebung zum Beispiel wurden an 126 Standorten Proben genommen. Der Betrag kann sich also schnell auf eine fünfstellige Höhe belaufen.

Der zu untersuchende Rayon könnte sehr gross werden

Was das Finanzielle betrifft, so stellen sich aber noch ganz andere, viel gewichtigere Fragen. Im Kanton Waadt  ist es beispielsweise derzeit noch ungeklärt, wer für mögliche weitere Kosten – man denke nur an die Frage der eventuellen Sanierungen – geradezustehen hat.

Nach Auskunft von Sprecher Marco Danesi vom Kanton Waadt  hat man in Lausanne Dioxinverseuchungen über dem entsprechenden Grenzwert bis zu einer Entfernung von rund drei Kilometern von der früheren KVA Vallon gefunden. Das ist ein beeindruckend grosser Rayon. Zum Vergleich: Die Jesuitenkirche in der Stadt Luzern liegt nur gerade – und dies ziemlich genau – zwei Kilometer von der früheren KVA Ibach entfernt.

«Die Gemeinde Emmen ist sich der Thematik bewusst.»

Philipp Bucher, Leiter Kommunikation

Grundsätzlich kommen somit weite Gebiete der Gemeinden Luzern, Emmen und Ebikon als denkbare Verseuchungs- und somit Beprobungsstandorte infrage. Auf Anfrage schreibt ein Sprecher des Abfallverbands Real: «In der näheren Umgebung zum Standort der ehemaligen KVA Ibach befinden sich weder Kinderspielplätze noch Familiengärten. Die nächsten Schrebergärten befinden sich im Friedental.»

So einfach ist die Sache nun aber ganz sicher nicht. Es stellt sich die Frage, was vorliegend unter dem Begriff «nahe» zu verstehen ist. Aufgrund der geschilderten Situation von Lausanne muss ein Gebiet wie beispielsweise das Friedental grundsätzlich ebenfalls zum hier interessierenden Perimeter gezählt werden.

In der Umgebung hat es viele Gärten und Spielplätze

Stefan Herfort, Projektleiter Natur- und Landschaftsschutz bei der Stadt Luzern, schildert die Ausgangslage folgendermassen: «Die nächstgelegenen Familiengärten liegen im Friedental, Luftlinie zirka 600 bis 700 Meter südöstlich der alten KVA.» Diese Familiengärten seien im Zeitraum 2016 bis 2017 aufgrund ihrer Lage im Bereich der ehemaligen städtischen Kehrichtdeponie altlastentechnisch saniert worden. Dies aufgrund von festgestellten Schwermetallbelastungen.

Weitere Familiengartenareale befänden sich an der Sedelstrasse und am Urnerhof, in einer Entfernung von zirka 800 respektive 1000 Metern. Der nächstgelegene Spielplatz befinde sich im Bereich Reusszopf, in einer Distanz von rund 400 bis 500 Metern westlich der alten KVA. Allerdings sei dieser Platz erst in den Jahren 2016/17 eingerichtet beziehungsweise vollständig neu gebaut worden. Weitere Gärten und Spielplätze bestehen im weiter westlich liegenden Reussbühlquartier.  

Nicht nur in Luzern ist das Thema aktuell. «Die Gemeinde Emmen ist sich der Thematik bewusst», sagt Philipp Bucher, Leiter Kommunikation und Marketing. «Wir stehen sowohl mit der Real als auch mit der kantonalen Dienststelle und Energie in Kontakt.» Sobald fundierte Antworten vorlägen, werde eine entsprechende Kommunikation durch die kantonale Dienststelle und Real erfolgen.

Philipp Bucher weist darauf hin, dass sich die nächstgelegenen öffentlichen Spielplätze auf Gemeindegebiet auf der anderen Seite der Reuss im Quartier Meierhöfli (Meierhöflistrasse) befinden. Gleich daneben lägen auch die nächstgelegenen Schrebergärten in der Gemeinde Emmen.

Diverse Kantone wollen nun schnell vorwärts machen

Andere Kantone machen in der Dioxin-Frage nun offenbar schnell vorwärts. So erklärt etwa Jakob Marti vom Departement Bau und Umwelt des Kantons Glarus auf Anfrage: «Wir werden in den nächsten Wochen Beprobungen rund um die KVA Linth in Niederurnen durchführen.» Diese KVA ist seit 1973 in Betrieb.  

Aline Loher vom Amt für Umwelt des Kantons St. Gallen sagt, bei ihnen würden nun das Nehmen von Proben sowie die entsprechenden Analysen «so schnell wie möglich» umgesetzt. Ein exakter Zeitpunkt stehe noch nicht fest, da eine aussagekräftige Kampagne eine gewisse Planung benötige.  

«Trotz fehlendem Verdacht in Graubünden laufen derzeit Abklärungen für die Durchführung von Bodenuntersuchungen bezüglich Dioxin», teilt das Amt für Natur und Umwelt Graubünden auf Anfrage mit.

Der Kanton Wallis untersuchte bereits Mitte der 1980er-Jahre Böden im Umfeld von Kehrichtverbrennungsanlagen. Christine Genolet-Leubin, Vorsteherin der Dienststelle für Umwelt, bestätigt auf Anfrage, dass es sich dabei um eigentliche Bodenanalysen gehandelt hatte. Dabei seien zum Teil erhöhte Dioxinwerte gefunden worden. Diese hätte aber nie jene Werte überschritten, welche eine Sanierungsmassnahme erforderlich gemacht hätten.  

Isabelle Rüegg von der Baudirektion des Kantons Zürich sagt: Im Kanton Zürich habe man bereits in den 1990er-Jahren im Umkreis von einem Kilometer um die Kehrichtsverbrennungsanlagen Zürich-Hagenholz und Hinwil Böden hinsichtlich Dioxinen untersucht. Aufgrund der Berichterstattungen über die Befunde in Lausanne und entsprechender Anfragen bei einigen KVA und deren Standortgemeinden werde man diese Befunde nun verifizieren und auch an den anderen KVA-Standorten im Kanton Bodenproben nehmen.

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3 Kommentare
  1. Paul, 17.11.2021, 17:24 Uhr

    Die untersuchungen werden im vergleich zur entsorgung günstig sein…. Wenn es verschmutzt sein sollte ……

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  2. schaltjahr, 15.11.2021, 13:38 Uhr

    Im Kanton Luzern vertraut man eben noch den alten Werten. .. Was man nicht sieht und riecht, das Existiert nicht … So hat man schon lange gelebt und wir wollen doch nun wirklich nichts Neues Anfangen … Messungen ? Teufelszeug …

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  3. Michel von der Schwand, 15.11.2021, 08:48 Uhr

    Natürlich ist der Boden dort oben verseucht. Warum sollte es hier plötzlich anders sein, als in Zürich? Mann oh……

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