Politik
Reklame im Briefkasten

«Bitte Werbung!»: So will die GLP in der Stadt Luzern unnötiges Altpapier vermeiden

Werbeprospekte sollen nur noch in den Briefkasten gelangen, wenn es ausdrücklich erlaubt ist. (Bild: uus)

«Bitte keine Werbung»-Kleber auf Briefkästen sind beliebt, aber ihre Wirkung ist gefühlt mässig. Grossstadtrat Daniel Lütolf von der GLP schlägt nun einen Systemwechsel vor, der in der Stadt Luzern bis zu 500 Tonnen Altpapier sparen könnte. Die Frage ist nur, ob sich der Stadtrat dies traut.

«In Amsterdam hat man mit einer kleinen System-Änderung dafür gesorgt, dass jährlich 6’000 Tonnen Prospekte vermieden werden und somit nicht ins Altpapier wandern.» So beginnt Daniel Lütolf den Text für sein Postulat im Namen der GLP-Fraktion, das der Grossstadtrat am Montag eingereicht hat. Der Trick, wie in der holländischen Stadt unnötiges Altpapier vermieden wird: Die Bewohner müssen der Post ausdrücklich erlauben, Werbeprospekte in den Briefkasten zu legen.

Statt «Bitte keine Werbung»-Aufkleber anzubringen, heisst es dort: «Bitte Werbung». Oder in etwas technischer Sprache des Postulats: «Anstatt auf das Opt-Out-Verfahren setzt man in Amsterdam äusserst erfolgreich auf das Opt-In-Verfahren.»

«Mit einem Systemwechsel können Kosten und Ressourcen optimiert werden. Diese Ressourcen kommen wieder der Wirtschaft zu Gute.»

Postulant Daniel Lütolf

Daniel Lütolf geht davon aus, dass man mit einer solchen Systemanpassung allein in der Stadt Luzern rund 500 Tonnen Altpapier pro Jahr einsparen könnte. Doch: Geraten sich da die wirtschaftlichen Ansprüche und der Umweltgedanke der GLP nicht in die Haare? Schliesslich sollen die Prospekte ja eigentlich die Kauflust fördern. Daran glaubt der Postulant allerdings nicht: «Wie viele Werbesendungen entsorgen Sie ungelesen? Ich vermute eine Menge», antwortet Lütolf in rhetorischer Manier auf die entsprechende Frage von zentralplus.

Dank Pilotversuch soll Luzern zum Modell für die Schweiz werden

Zumal zielgerichtete Werbung ohnehin online besser funktioniere als mit ungewollten Prospekten. «Mit einem Systemwechsel können Kosten und Ressourcen optimiert werden. Diese Ressourcen kommen wieder der Wirtschaft zugute. Also ist dies aus meiner Sicht eine smarte Lösung für beide Anliegen der GLP: Wirtschaft und Umwelt», schlussfolgert der Luzerner. Es handle sich auch nicht um ein Verbot, sondern «eine Lenkung im Sinne einer ökologischen wirtschaftsfreundlichen Umwelt».

GLP-Politiker Daniel Lütolf. (Bild: zvg)

Lütolf ist sich dabei auch der gesetzlichen Hürden bewusst, die dem «Bitte Werbung»-Aufkleber im Wege stehen. Zum Beispiel das Postgesetz. «Auch aus taktischen Gründen», regt die GLP-Fraktion deshalb einen Pilotversuch an.

«Dieses Pilotprojekt wäre zeitlich begrenzt und hätte wohl die besseren Chancen auf eine Umsetzung, als wenn wir gleich das ‹Grosse Ganze› fordern würden», so Lütolf. Auf diese Art und Weise könnten zunächst Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt und der Erfolg dieser Massnahme geprüft werden.

Lütolf ist überzeugt, dass sich das lohnen wird: «Somit zeigte die Stadt Luzern deutlich, dass sie nachhaltige Innovationen unterstützt – und für ein Novum sorgt in der Schweiz.» Das entspreche ganz dem Motto: «Wie aus Kleinem Grosses entstehen kann.»

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