Luzerner Regierungsratskandidaten

Armin Hartmann – der Netzwerker hinter den Kulissen

Armin Hartmann hat das politische Handwerk von der Pike auf erlernt. So war er 16 Jahre lang Gemeindeammann in «Schlierbch». In der Rochuskapelle (Hintergrund) finden jeweils die Gemeindeversammlungen statt. (Bild: Michael Flückiger)

Die Politik hat er im Blut und er packt an: Armin Hartmann, Regierungsratskandidat der SVP, deren Fraktionsschef im Kantonsrat und anerkannter Finanzexperte, gestaltet seit 20 Jahren mit. In Schlierbach und auch im Kanton.

Über die Hügelkuppe bei Schlierbach – das «a» verschlucken die Einheimischen, sie sagen «Schlierbch» – weht ein steife Bise, für Fernsicht ist es zu dunstig. An schönen Tagen eröffnet sich von hier aus ein Panorama mit dem Sempachersee im Vordergrund und den Alpen im Hintergrund. Doch Regierungsratskandidat Armin Hartmann (SVP) hat nicht deswegen bei der Rochuskapelle zum Fototermin geladen. Kaum ist der Mann mit Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften pünktlich auf die Minute mit seinem Tesla vorgefahren, geht es an die Wärme. Was im Inneren der Kapelle folgt, ist allerdings keine Bibelstunde, sondern eine Lehrstunde über mit Freude gelebte Politik direkt vor der eigenen Haustür.

«Die Menschenkenntnis und das Verständnis der politischen Zusammenhänge, die ich dadurch erlangt habe, sind unbezahlbar.»

Armin Hartmann über seine Zeit als Gemeindeammann

Der Ort passt in doppelter Hinsicht. Zum einen hat Hartmanns Vater, ein Bauunternehmer, dieses Gotteshaus in den Jahren 1971 bis 1973 erbaut. Zum anderen dient der Bau auch als Mehrzweckhalle und Saal für die Gemeindeversammlungen des Dorfes. Mit einer ausfahrbaren Wand lässt sich der Altar abtrennen.

Gewachsen an der Aufgabe als jüngster Luzerner Gemeindeammann

«Hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier habe ich mir meine politischen Sporen abverdient», sagt Armin Hartmann. Der zusammen mit drei Geschwistern aufgewachsene ledige 45-Jährige geht in der Politik und seiner Arbeit als Finanzberater vollends auf.

Angefangen hat alles im Jahr 2004. Damals haben ihn die Schlierbacher zum jüngsten Luzerner Gemeindeammann gewählt. So jung in die Politik einzusteigen, könne er jedem empfehlen, meint Hartmann. «Wenn man die Menschen gern hat, ist es die schönste Aufgabe.» In dieser Arbeit lerne man seine Mitmenschen mit all ihren Stärken und Schwächen kennen. Mit grossem Gewinn, wie er meint: «Die Menschenkenntnis und das Verständnis der politischen Zusammenhänge, die ich dadurch erlangt habe, sind unbezahlbar.»

Seine Freude und Zufriedenheit ist spürbar. Selbstverständlich ist das nicht: Denn als Jungpolitiker und Doktorand hatte er im Dorf anfangs keinen leichten Stand. Bei seinem Amtsantritt litt das 594 Einwohnerinnen starke Schlierbach unter klammen Gemeindefinanzen und einem hohen Steuerfuss von 2,4 Prozentpunkten. In der knapp 16-jährigen Amtszeit von Armin Hartmannn ist es der Gemeinde gelungen, die schiefen Finanzen wieder ins Lot zu bringen und den Steuerfuss auf heute 1,65 Prozentpunkte zu senken. Zudem konnte sie günstige Bedingungen für neuen Wohnraum schaffen. So konnte Schlierbach prosperieren und auf knapp 1000 Einwohner anwachsen.

Beruf und Politik liegen bei ihm ganz nahe beieinander

Schlierbach, so betont Hartmann, «pflegt eine sehr lebendige politische Kultur, die Gemeindeversammlung sind im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden in der Schweiz sehr gut besucht.» Die teils heftigen Diskussionen - an den Gemeindeversammlungen sei er öfter richtig auseinander genommen worden - hätten ihm sehr viel für seine persönliche Entwicklung gebracht.

«Wenn mein Beruf und meine Politik nicht derart eng verbunden wären, könnte ich nie alle diese Ämter ausüben»

Er hat so gelernt, «dass es nur gemeinsam geht». Das hat Hartmann von Anfang an immer wieder erlebt. Der Erfolg von Schlierbach, so wird ihm attestiert, sei zu guten Teilen ihm zu verdanken. Er hat die ganze Gemeinde in die Weiterentwicklung Schlierbach einbezogen und hat mit seiner konzilianten Gründlichkeit überzeugt.

Diese stellt er auch beruflich unter Beweis. Notabene als Finanzberater von Gemeinden, die nach Lösungen suchen, um ihren Finanzhaushalt wieder auf solide Beine zu stellen. Darin steckt auch die Antwort darauf, weshalb er so viel unter einen Hut bringt. «Wenn mein Beruf und meine Politik nicht derart eng verbunden wären, könnte ich nie alle diese Ämter ausüben», gibt er denn auch freimütig zu. Unter seinen zahlreichen Ämtern, die er einst ausgeübt hat oder noch ausübt, seien folgende herausgegriffen: Präsident Hauseigentümerverband (HEV) Luzern mit 17'000 Mitgliedern sowie Verwaltungsrat Wirtschaft Arbeit Soziales (WAS).

Anerkannte Finanzkompetenz in politischen Grundsatzfragen

Im Kantonsrat politisiert Armin Hartmann schon seit 2007 für die Schweizerische Volkspartei (SVP). Sein 2020 erlangtes Amt als Fraktionspräsident hat er im Hinblick auf die Regierungsratswahlen sistiert. Im Kantonsrat hat er sich parteiübergreifend einen Namen als Finanzexperte gemacht. Unter anderem, weil er sich im Zusammenhang mit Finanzgeschäften zu Wort meldet und unaufgeregt und sachlich einen Sachverhalt klärt.

Armin Hartmann gilt als blitzgescheit. Ihn zeichnet eine systematische Herangehensweise aus. Was könnte das besser belegen, als die Tatsache, dass er als Kantonsrat und damaliger Finanzchef des Verbands Luzerner Gemeinden (VLG) damit beauftragt worden war, die komplizierte Aufgaben- und Finanzreform 2018 (AFR18) auszuarbeiten (zentralplus berichtete)?

Der Smartspider zeigt: Armin Hartmanns Positionen sind klar rechts und damit SVP-konform. Seine konstruktive Art ist es etwas weniger.

Aussagekräftig für seine Gelduld und Weitsicht ist seine Leidenschaft für das Schachspiel. Wobei er es in jüngeren Jahren intensiver gepflegt habe als heute. «Mich reizt es, strategisch vorauszuplanen», sagt er, «über die Lage auf dem Brett herrscht stets volle Transparenz, nicht so wie beim Jassen.» Mit dem Diktum, dass man seinen Gegner hassen soll, das man wechselweise den Schachlegenden Garri Kasparov oder Bobby Fischer zuschreibt, könne er allerdings nichts anfangen.

Grundsätzliches klären, Bürokratie vermeiden

Dafür arbeitet Hartmann zu konstruktiv. Eventuell auch zu konstruktiv für seine Partei? Seine freundliche, lösungsorientierte Art, sein Interesse daran mit dem besseren Argument zu überzeugen, mag nicht so ganz zur SVP passen. Denn die mag es eher laut und konfrontativ.

Was ihn mit der SVP allerdings sehr verbindet, sind Bodenständigkeit und das Traditionsbewusstsein. So würde Hartmann beispielsweise nie aus Schlierbach wegziehen. Warum auch?

«Mit dieser neuen Regelung haben wir künftig mehr Zeit für tragfähige Lösungen und können verhindern, dass wir mit Sparschnellschüssen wie einer zusätzlichen Schulferienwoche die Luzerner Bevölkerung vor den Kopf stossen.»

Der Regierungsratskandidat hat auch eine gemütliche Seite an sich. So verfügt er über eine gesunde Portion Humor und lacht gerne, vorzugsweise über Feinsinniges. So hat er über den Hermann-Burger-Roman «Schilten» – eine rabenschwarze Satire zu Schweizer Bürokratie und Kompliziertheit – eine Arbeit geschrieben. Vorbild des Schulhauses im «Bericht zuhanden der Inspektorenkonferenz» ist die zwei Kilometer von Schlierbach entfernte Schule in Schiltwald (AG). Die in diesem Roman satirisch aufs Korn genommene Bürokratie ist Armin Hartmann zuwider. Er klärt die Dinge zwar gerne grundsätzlich. Aber mit dem Ziel Vereinfachungen zu erreichen und um – dies ganz im Sinne einer liberalen Haltung – genug Spielraum für die Beteiligten einzuräumen.

Grundlagen schaffen für wichtige Entscheide

Ein erfolgreicher Vorstoss von Armin Hartmann führt dazu, dass Regierung und Parlament neu eineinhalb Jahre statt nur ein halbes Jahre Zeit haben, um mit geeigneten Sparmassnahmen auf zwar budgetierte, aber allenfalls dann doch ausbleibende Nationalbankzuschüsse zu reagieren. «Mit dieser neuen Regelung haben wir künftig mehr Zeit für tragfähige Lösungen und können verhindern, dass wir mit Sparschnellschüssen wie einer zusätzlichen Schulferienwoche die Luzerner Bevölkerung vor den Kopf stossen», sagt Hartmann.

«In persönlichen Begegnung lässt sich manches rasch und einfach regeln. Ohne den regelmässigen Austausch bekommen die Leute schnell einen dicken Hals und reagieren dann heftiger als sie es wirklich beabsichtigen.»

Ihm ist es wichtig, mit den Leuten eher zu früh als zu spät ins Gespräch zu treten. Er schätzt den niederschwelligen Kontakt. «In persönlichen Begegnung lässt sich manches rasch und einfach regeln. Das war im Rahmen der Coronapandemie nicht möglich. Ohne den regelmässigen Austausch bekommen die Leute schnell einen dicken Hals und reagieren dann heftiger als sie es wirklich beabsichtigen.»

Vorliebe für das Justiz- und Sicherheitsdepartement

Welches Departement würde Hartmann denn übernehmen, wenn er gewählt würde? «Das Finanzdepartement wird nicht frei sein, das akzeptiere ich», sagt er. Aber mit Verweis darauf, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit alle Themenbereiche der Politik kennengelernt hat, meint Armin Hartmann: «Ich kann mir sehr gut vorstellen, das Justiz- und Sicherheitsdepartement von Paul Winiker zu übernehmen.»

Die Organisationsentwicklung der Polizei mit der Reduktion der Polizeistandorte und Aufstockung des Korps umzusetzen, findet er «reizvoll». «Auch der Bau des neuen Sicherheitszentrums Rothenburg und das neue Zivilschutzzentrum in Sempach sind Herausforderungen, die ich gerne angehen würde.»

Das sind alles Projekte, bei denen die Vermittlungs- und Konsensfähigkeit von Armin Hartmann gut zum Tragen kommen könnten. Die Frage ist nun, wie die Luzerner Stimmbürger auf seine Kandidatur reagieren. Denn bisher war Hartmann stets der tüchtige Problemlöser im Hintergrund. Das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit hat er bis anhin nie gesucht.

In einem kurzen Video erzählen die Regierungsratskandidaten, was sie motiviert und weshalb sie gewählt werden sollen.

Ist der unbestrittene Fachmann auch genug Showman?

Es dürfte angesichts seiner 20-jährigen beruflichen wie auch politischen Erfahrung nicht viele geben, die den Kanton Luzern über die ganze politische Bandbreite so gut kennen wie er. Mit seinen unbestrittenen Fachkompetenzen käme er auch als Chefbeamter im Hintergrund, respektive als Schattenminister in Frage. Als einer eben, den man immer fragen kann, wenn man mal nicht mehr weiter weiss.

Sobald er im Regierungsrat wäre, müsste Armin Hartmann aber viel repräsentieren. Als Departementschef würde er die Grundlagenarbeit nicht selber machen, sondern müsste sie anderen in Auftrag geben und kontrollieren. Die Bevölkerung, seine Kollegen und sein Departement müsste er mit Visionen begeistern. Extrovertiert genug, um jederzeit das Gespräch zu suchen, ist er. Doch ist er auch der Showman, der er als Regierungsrat manchmal auch sein müsste?

Die Frage muss offen bleiben, weil er dies ja auch noch unter Beweis stellen kann. Als einziger Regierungsratskandidat der SVP geniesst Armin Hartmann einen starken Support, auch von ausserhalb der Partei. Und folgende alte Weisheit ist als humanistisches Gebot stets zu berücksichtigen: Mit der Übernahme einer neuen Aufgabe gewinnt jemand oft auch die Fähigkeit, diese zu bewältigen.

Verwendete Quellen

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