Mehr Holz, mehr Grün, mehr See

Altes Kantonsspital: Zuger Parteien träumen vom Seezugang

Die Dachterrasse des geplanten Projekts «Süd-See Zug». Der Kanton will das Areal im Baurecht abgeben. (Bild: zvg)

Auf dem Areal des ehemaligen Zuger Kantonsspitals entsteht ein neues Quartier – wenn der Kantonsrat zustimmt. Die Politikerinnen üben allerdings Kritik am Projekt. Auch wenn die Abgabe im Baurecht kaum umstritten sein dürfte.

Im Süden der Stadt Zug soll in einigen Jahren ein neues Quartier entstehen. Konkret geht es um das Areal des alten Kantonsspitals, auf dem unter anderem Wohnungen und ein Hotel geplant sind. Daneben ausserdem ein «identitätsstiftendes Herzstück» mit einem «publikumsattraktiven Nutzungsmix».

Die erste Etappe, der Ideen- und Investorenwettbewerb, wurde kürzlich abgeschlossen. Dabei ging das Projekt Süd-See Zug der Credit Suisse Anlagestiftung als Siegerin hervor (zentralplus berichtete).

Das Areal gehört dem Kanton Zug und soll auch in dessen Besitz bleiben. Er plant vielmehr, das Grundstück im Baurecht abzugeben. Dies jedoch bedarf der Genehmigung durch den Kantonsrat.

«Die Baurechtsnehmerin bezahlt dem Baurechtsgeber ab Datum der Grundbucheintragung des
Baurechtsvertrags bis zum Ablauf des Baurechts einen Baurechtszins von mindestens
830 000 Franken pro Jahr», heisst es im Bericht und Antrag des Regierungsrates. Diesem Baurechtszins liege ein Basislandwert von 29,7 Millionen Franken sowie ein Verzinsungssatz von 2,8 Prozent zugrunde.

Noch haben die Kantonsratsfraktionen das Geschäft nicht intern behandelt. Eine Anfrage bei einzelnen Parteimitgliedern schafft jedoch bereits einen guten Überblick über die Grundstimmung und die Knackpunkte des Themas.

Lobende Worte des FDP-Fraktionschefs

FDP-Fraktionschef Michael Arnold hat nur gute Worte dafür übrig: «Das Areal des alten Kantonsspitals liegt an einer hervorragenden Position und ist für die Stadt und den Kanton Zug wertvoll und wichtig.» Entsprechend erachtet er die Abgabe im Baurecht als sinnvoll. «Ein Verkauf wäre hier nicht angezeigt gewesen.»

Es sei dem Kanton Zug bei der Projektausschreibung nicht um einen möglichst hohen Ertrag, sondern darum gegangen, ein städtebaulich stimmiges und für die Nutzung offenes Projekt zu erhalten. «Das Areal ist keine Finanzanlage, sondern ein Gebiet mit hervorragendem Entwicklungspotenzial», sagt der Baarer FDP-Kantonsrat. Das Projekt überzeuge ihn auf den ersten Blick mit seiner Vielfältigkeit und Offenheit.

Ist froh, dass es weitergeht: Philipp C. Brunner von der SVP. (Bild: mbe.)

Etwas weniger euphorisch zeigt sich SVP-Fraktionschef Philip C. Brunner. Auch wenn er sich darüber freut, dass der Prozess, der schon viele Jahre dauert, nun langsam zu einem Ende kommt. «Für die Stadt Zug ist dies neben dem ZVB-Gelände eines der wichtigsten Areale», äussert er sich auf Anfrage.

Technisch gesehen wird man den Anforderungen mit dem Siegerprojekt gerecht, findet er. Dies insbesondere bei den Themen wie Wohnen im Alter, preisgünstiger Wohnraum sowie dem Hotelbetrieb.

Ebenfalls freut sich Brunner darüber, dass der Kanton Investoren für das Projekt gefunden hat. «Ich werde der Abstimmung zum Baurechtsvertrag sicher zustimmen. Es muss weitergehen nach all den Jahren.»

Warum dauerte denn das so lange?

Der Stadtzuger ist aber auch irritiert: «Was mich wundert ist, weshalb dieser Prozess seit Abschluss des  Bebauungsplanverfahrens so lange gedauert hat. Zumal es damals, 2016, keine Interventionen wie etwa ein Referendum gab.» Das Thema stehe bereits viel länger im Raum. Tatsächlich hat die Zuger Stimmbevölkerung bereits 2003 Ja gesagt zum neuen Kantonsspital.

Was Brunner am vorliegenden Projekt bedauert: «Es ist schade, dass man es nicht geschafft hat, das Areal Süd-See Zug tatsächlich mit dem See zu verbinden. Die Artherstrasse stellt auch in Zukunft eine Art Riegel dar.» Und weiter: «Eines der Projekte sah ein Seebad vor. Es ist klar, dass dessen Umsetzung aufgrund von verschiedenen Aspekten nicht unproblematisch wäre. Die Idee sollte jedenfalls weiterverfolgt werden.»

Brunner hofft, dass die Stadt Zug die Idee eines klassischen Seebades unterstützen würde, «statt satte 13,5 Millionen Franken für eine Luxusliegewiese mit oberirdischen Holzgebäuden beim Strandbad Zug auszugeben».

Politiker wünschen sich einen Seezugang

Mit dem Wunsch nach Seezugang ist Brunner nicht allein. Auch die ALG und die Grünliberalen äussern dieses Bedürfnis. Tabea Estermann, Präsidentin der GLP Kanton Zug, sagt dazu: «Eine Planung ohne den See miteinzubeziehen ist eine verpasste Chance.»

«Wir finden es schade und falsch, dass das Personalhochhaus nicht Teil der Gesamtplanung ist.»

Tabea Estermann, GLP-Präsidentin

Auch die Grünliberalen sehen im Baurechtsvertrag den richtigen Ansatz. «Eine solche Perle sollte der Kanton nicht verkaufen.» Auch wenn Detailfragen noch geklärt werden müssen. Ein grosses Fragezeichen setzt die Partei hinter den Erhalt des Personalhochhauses.

GLP wünscht sich mehr Mut für Visionen

«Wir finden es schade und falsch, dass das Personalhochhaus nicht Teil der Gesamtplanung ist. Jetzt ein Konzept um das Hochhaus herumzubauen und dann später ein separates Projekt zu lancieren, scheint uns der falsche Ansatz.» Hier fehle der Zuger Regierung der Mut und die Visionen, findet Estermann. «Die Bausubstanz und die Raumaufteilung des Hochhauses sind veraltet und ein Abbruch wäre womöglich der beste Ansatz, auch wenn dann nicht mehr so hoch gebaut werden kann.»

Man sei gespannt auf die nächste Phase mit dem Architekturwettbewerb. «Insbesondere werden wir ein Auge auf die Themen preisgünstiger Wohnungsbau und Wohnen im Alter haben», so die GLP-Präsidentin abschliessend.

ALG ist der Sache wohlgesinnt, wünscht sich aber mehr Grün

Grundsätzlich wohlgesinnt ist man dem Projekt auch bei der Alternative-die Grünen. Tabea Zimmermann, Fraktionschefin der ALG, erklärt gegenüber zentralplus: «Wir können uns eine Abgabe im Baurecht sicher vorstellen, wenn der Baurechtsabgabevertrag eine gute Balance zwischen öffentlichem und privatem Interesse schafft.»

«Unter Baumschatten zu sitzen, ist viel angenehmer als unter Sonnenschirmen.»

Tabea Zimmermann, Fraktionschefin ALG

Der geplante Park für die Öffentlichkeit empfindet Zimmermann als «richtig und wichtig», doch scheine ihr die Fläche auf der Visualisierung etwas eingeengt. «Die Biodiversität könnte man erhöhen. Auch könnte allenfalls die Beschattung genauer geplant werden», erklärt sie. «Unter Baumschatten zu sitzen, ist viel angenehmer als unter Sonnenschirmen.»

Tabea Gibson Zimmermann wünscht sich für das Projekt mehr Grün. (Bild: zvg)

Das Projekt sei mit dem vielen Glas zwar «stylisch», doch hätte Zimmermann eine Holzbauweise vorgezogen, wie sie etwa beim Projektvorschlag «Body & Mind» angedacht war.

Auch die SP ist grundsätzlich einverstanden

Die SP betont auf Anfrage, dass sich die Fraktion noch nicht mit dem Geschäft befassen konnte. Fraktionschef Alois Gössi äussert sich deshalb nur vage. «Das neue Projekt mit den Grundzügen wie zusätzliche preisgünstige Wohnungen begrüssen wir», hält er schriftlich fest.

Doch auch bei der SP stelle sich die Frage, wieso das Ganze seit der Ablehnung des ersten Bebauungsplans 2008 so lange gedauert habe.

So geht es weiter

Sollte der Kantonsrat den Baurechtsvertrag genehmigen, übernimmt die Investorin die Verantwortung für die Durchführung der weiteren Projektstufen. Will heissen: Es folgt zunächst ein Architekturwettbewerb. Daraufhin wird der Bau geplant und ausgeführt. Frühster Baubeginn ist gemäss aktuellem Stand im Jahr 2027.

Verwendete Quellen
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