Politik
Jill Nussbaumer und Virginia Köpfli im Battle

AHV-Reform: Politikerinnen chatten sich die Finger wund

Die beiden Feministinnen sind sich uneins: die Zuger FDP-Kantonsrätin Jill Nussbaumer und SP-Kantonsrätin Virginia Köpfli. (Bild: Montage ida)

Bald stimmen wir über die AHV 21 ab. Während sich die Zuger SP-Kantonsrätin Virginia Köpfli an die Stirn klatscht, ist Jill Nussbaumer (FDP) von der AHV-Reform angetan. Wir haben die beiden im WhatsApp-Chat getroffen.

Es ist ein Thema, das selbst die Frauen spaltet: die bevorstehende Abstimmung zur AHV 21. Befürworter finden die Reform nötig, um die AHV für die nächsten zehn Jahre zu stabilisieren. Gegnerinnen hingegen betiteln die Reform als «Rentenklau» und sagen, dass es sich um eine reine Abbauvorlage auf dem Buckel der Frauen handle.

Bei der Abstimmung zur AHV 21 geht's um zwei Vorlagen – in einer Reform. Lehnt das Schweizer Stimmvolk eine der beiden Vorlagen am Abstimmungssonntag vom 25. September ab, scheitert die ganze Reform.

Um das geht's bei der AHV 21

Doch um was geht's konkret? Das Reformpaket setzt an beiden Enden der Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) an. Bei den Einnahmen soll mehr Geld in die Kasse der AHV einfliessen – und bei den Ausgaben weniger Geld rausfliessen. Bei der Einnahmenseite baut die Vorlage darauf auf, dass die Mehrwertsteuer erhöht wird. Der Normalsatz würde neu bei 8,1 statt 7,7 Prozent liegen. Der Bund schätzt, dass damit bis 2032 gut 12 Milliarden Franken zusätzlich in die AHV fliessen.

Bei der Ausgabenseite will man Geld einsparen, indem das Rentenalter von Frauen von heute 64 Jahren auf 65 Jahre erhöht wird – also gleich lang wie bei Männern. Frauen würden künftig also ein Jahr länger arbeiten. Die Umstellung soll allerdings schrittweise erfolgem werden.

Mit jedem Schritt arbeitet die Generation, die vor ihrer Rente steht, drei Monate länger. Dafür sind zwei Ausgleichsmassnahmen für die Jahrgänge von 1961 bis 1969 vorgesehen. Frauen mit diesen Jahrgängen könnten sich zu besseren Bedingungen vorzeitig pensionieren lassen oder erhielten einen Zuschlag auf ihre AHV-Renten, wenn sie bis 65 arbeiten.

Wer dafür ist – wer dagegen

Mitte, GLP, FDP und SVP haben sich für ein Ja ausgesprochen, auch Bundesrat und Parlament sind dafür. SP und Grüne haben die Nein-Parole beschlossen.

Wir haben zwei junge Politikerinnen aus dem Zuger Kantonsrat befragt, wie Sie diesbezüglich ticken. Und haben deswegen Jill Nussbaumer (FDP) und Virginia Köpfli (SP) zum WhatsApp-Streitgespräch eingeladen.

Das WhatsApp-Protokoll

(Bild: Screenshot)
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Die Fronten wären bereits geklärt: FDP-Kantonsrätin macht sich für ein Ja zur AHV-Reform stark – SP-Kantonsrätin Virginia Köpfli hingegen klatscht sich an die Stirn, wenn sie an die beiden Vorlagen denkt.

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Damit spricht Jill Nussbaumer das Hauptargument der Befürworterinnen an. Denn die AHV hat ein altbekanntes Problem: Die Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen. Vor allem, weil die Babyboomer-Generation ins Rentenalter kommt. In den 1950er- und 1960er-Jahren war die Schweizer Bevölkerung äusserst produktiv im Bett, die Geburten stiegen stark an. Hinzu kommt, dass wir heutzutage länger leben. Das führt dazu, dass die Zahl der Rentnerinnen schneller ansteigt als jene der Erwerbstätigen, die eben noch AHV-Beiträge einzahlen.

(Bild: Screenshot)
(Bild: Screenshot)
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Das Problem der Frauen liegt in der Pensionskasse – darauf geht Jill Nussbaumer nun ein. Sie betont, dass das aktuell im Parlament behandelt werde und sie da «grossen Reformbedarf» sehe, vor allem für Frauen und Teilzeitarbeit.

(Bild: Screenshot)

Wir haken nochmals bei Jill Nussbaumer nach. Ihre Kontrahentin hat angesprochen, dass Altersarmut oft weiblich ist. Dass sie eben miesere Renten kriegen – weil der grösste Brocken an unbezahlter Care-Arbeit auf den Schultern von Frauen lastet. Weil sie öfters im Tieflohnsektor und Teilzeit arbeiten. Blendet Nussbaumer dies aus?

Nein. Sie gibt gekonnt die liberale Feministin:

(Bild: Screenshot)

Wir wollen es genauer wissen. Schliesslich haben Frauen eigentlich weniger Bock auf Rentenalter 65.

(Bild: Screenshot)

Und damit sich Virginia Köpfli nicht langweilt, doppeln wir gleich nochmals mit einer Frage nach. Aber Frau Köpfli muss noch erst etwas anderes loswerden:

(Bild: Screenshot)

Die Jungfreisinnige hat eine Antwort darauf gefunden, ob sie auch als Ü-60-Jährige sagen würde, dass sie gleich lang wie ihre männlichen Kollegen arbeiten möchte.

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Und Virginia Köpfli sagt, für welche Lösung sie stattdessen plädiert.

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Köpfli wittert bereits eine ganz andere Gefahr. Würde das Rentenalter nach einem Ja zur AHV  21 auf 67 erhöht? Auch Plakate, die für ein Nein der AHV-Reform werben, kreiden dies an. Bürgerliche hingegen behaupten, dies sei eine Irreführung der Linken.

(Bild: Screenshot)

Zum Ende wollen wissen: Warum chatten sich 28-Jährige über eine Stunde lang die Finger wund für etwas, das Sie erst in fast 40 Jahrzehnten betreffen wird?

(Bild: Screenshot)

Es bleibt also spannend, welche Seite den Abstimmungskampf gewinnt: Am 25. September entscheidet das Schweizer Stimmvolk, ob Frauen künftig länger bis zur Pension arbeiten müssen.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Virginia Köpfli und Jill Nussbaumer
  • Infos zur AHV 21
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