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Polit-Werbung in Zuger Bussen wird nun doch erlaubt
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Seit Dezember 2017 gilt der neue Fahrplan: Manche Anschlusszeiten der ZVB-Busse sorgen für rote Köpfe. (Bild: Jürg Küng)

Zug: Thomas Aeschi freut sich Polit-Werbung in Zuger Bussen wird nun doch erlaubt

4 min Lesezeit 24.05.2017, 06:13 Uhr

Brisante News: Die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) erlauben per 1. Juni die politische Werbung in den Bussen. 2015 sorgte die Buswerbung eines Zuger Nationalrats noch für Wirbel und Ärger in Zug.

Die Präsidenten aller Zuger Parteien haben kürzlich einen Brief erhalten, unterschrieben von ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber. Die Zugerland Verkehrsbetriebe haben danach ihre Bestimmungen für Werbung in den Bussen angepasst. Ab 1. Juni 2017 können Parteien oder einzelne Politiker Werbung mit politischem Inhalt in den Fahrzeugen der ZVB buchen. Damit öffne sich im Rahmen von Wahlen und Abstimmungen ein zusätzliches reichweitenstarkes Massenmedium. 100 Plakate kosten für eine Woche 1’410 Franken (siehe Box).

Das ist insofern neu, weil Polit-Werbung in ZVB-Fahrzeugen bisher tabu war. Vor zwei Jahren sorgte die isolierte Werbeaktion von SVP-Nationalrat Thomas Aeschi für Wirbel in Zug (zentralplus berichtete). Denn er war der einzige Politiker, der vor den Nationalratswahlen in den Bussen Werbung machte. Die ZVB sprach damals von einem «Versehen» und liess danach keine weitere Werbung mehr zu.

«Möglich gemacht hatte dies ein Fehler im Ablauf zwischen der ZVB und ihrer Partnerin der Plakatgesellschaft APG, welche sich zuständig für die Vermarktung der Aussenwerbung zeigt», sagt die ZVB-Mediensprecherin Kathrin Howald heute.
 

«Herr Aeschi sprang damals in die Lücke. Wir haben uns bei ihm entschuldigt.»
Kathrin Howald, Zugerland Verkehrsbetriebe

Aeschi nutzte eine Lücke

Laut Howald buchte Aeschi die Werbung damals über die APG. Nach einem positiven Bundesgerichtsurteil zur politischen Werbung im öffentlichen Verkehr sei die Werbung einige Tage erlaubt gewesen. «Herr Aeschi sprang damals in die Lücke», sagt Howald. «Wir haben uns später bei ihm entschuldigt und ihm die Kosten zurückerstattet.»

1’400 Franken für 100 Plakate

Das neue Angebot kann über die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) gebucht werden, welche Parteien oder Politiker über die Werbemöglichkeiten berät. 100 aufgehängte Plakate kosten laut Kathrin Howald für eine Woche 1’410 Franken. Geworben werden kann nur im Inneren der Fahrzeuge – mit Hängekartons. Ausgeschlossen bleibt politische Werbung aussen an den Bussen.

Der jetzige Entscheid habe jedoch nichts mit dem damaligen Vorfall zu tun, versichert Howald. Tatsache ist aber, dass der Nationalrat jetzt in einer E-Mail an die ZVB-Unternehmensleitung – mit Kopie an alle – die Lockerung begrüsst. Thomas Aeschi dankt darin für die «positive Nachricht». «Steter Tropfen höhlt den Stein», schrieb der Nationalrat.

Anfang 2017 in Geschäftsleitung entschieden

Hat der SVP-Politiker eventuell bei den ZVB für mehr Werbefreiheit geweibelt? «Die Änderung hat überhaupt nichts mit Thomas Aeschi zu tun», sagt die Sprecherin. Man habe nach 2015 keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt. Der Entscheid ist laut Howald Anfang 2017 in der Geschäftsleitung gefallen und vom Verwaltungsrat der AG abgesegnet worden.

«Mit der Lockerung ihrer Werbebestimmungen entspricht die ZVB einerseits einem steigenden Bedürfnis ihrer Werbekunden, andererseits nimmt sie damit einen Trend in der öV-Branche auf», sagt Kathrin Howald. In anderen Städten wie Luzern oder Basel sei Polit-Werbung in Trams oder Bussen schon lange erlaubt.

Negative Reaktionen sind Howald bisher keine bekannt. Doch eine Buchung sei bereits hereingeschneit. Wer die Werbung gebucht hat, will sie nicht beantworten.

«Es ist ironisch, dass ausgerechnet die Partei, welche dem öffentlichen Verkehr das Geld streicht, nun diese neue Werbemöglichkeit bejubelt.»
Jolanda Spiess-Hegglin, ehemalige Zuger Politikerin

Spiess-Hegglin will Buspass nicht erneuern

Eine kritische Stimme aus Zug gibt es dennoch: Die ehemalige Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin ist «recht sauer» über die neue Regelung. Sie hat ihrem Ärger in einem privaten Post auf Facebook Luft verschafft. Wenn Thomas Aeschis Gesicht im Bus hänge, werde sie es sich zweimal überlegen, ob sie ihren Buspass erneuere.

Auf Anfrage präzisiert sie gegenüber zentralplus: «Solange wir in Zug keine Transparenz in der Parteienfinanzierung haben, geht es nicht, dass eine Partei mit so viel Geld nun auch noch Buswerbung machen kann.» Spiess Hegglin findet es ironisch, «dass ausgerechnet die Partei, welche dem öffentlichen Verkehr das Geld streicht, nun diese neue Werbemöglichkeit bejubelt.»

«Über Buchungen von Parteimitgliedern ist mir nichts bekannt.»
Markus Hürlimann, SVP-Kantonsrat Baar

Wer hat wohl die neue Werbemöglichkeit bei den ZVB genutzt, bevor sie überhaupt existiert? Ist es vielleicht wieder die SVP? zentralplus fragte nach. Der Baarer SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann ist neu Mediensprecher und Kampagnenleiter der SVP Kanton Zug. «Wir haben noch nicht definitiv entschieden, ob wir dieses Angebot in Anspruch nehmen wollen», sagt er. Buchungen für Kampagnen habe die SVP noch keine vorgenommen, das könne er bestätigen. «Über Buchungen von Parteimitgliedern ist mir nichts bekannt», so Hürlimann.

«Nationalrat Thomas Aeschi hat in der Vergangenheit bereits einmal in den Bussen Werbung gemacht, was zu verschiedenen Reaktionen führte», schreibt Hürlimann in der E-Mail weiter. Aeschi selbst wollte zu Fragen von zentralplus keine Stellung nehmen.

In einigen Tagen oder Wochen werden wir sehen, wessen Gesicht zuerst in den Bussen zu sehen sein wird oder welche Partei für welches Anliegen die Propagandatrommel rührt.

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