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Pokémon, go home!
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Pokémon-Anhänger vor dem Stadtkeller. (Bild: jav)

Wir wundern uns über Zombies in Luzerns Gassen Pokémon, go home!

3 min Lesezeit 1 Kommentar 20.07.2016, 17:54 Uhr

Wie toll! Ein neuer Hype um irgendwelche Mangatiere aus den 90ern hat Luzern erreicht! Und jetzt auch meinen Freundeskreis! Ich glaub, ich ersäuf mich im Vierwaldstättersee.

Manchmal ist es wirklich schwer, andere Menschen zu verstehen. Solche zum Beispiel, die seit Tagen wie Zombies durch die Gegend laufen und Pokémons jagen. Bei den Teenies und den vorpubertären Exemplaren unserer Spezies versteht man das Ganze ja irgendwie. Waren wir nicht alle etwas seltsam, haben wir nicht alle superhippe Trends mitgeritten und den Gruppenzwang gefeiert?

Aber dass nun so viele erwachsene Menschen – mit Jobs und so – dem Wahn verfallen sind – völlig unverständlich.

Es greift um sich …

Da mag man sich doch eigentlich genüsslich lustig machen über diesen Hype und dann der Schock: Der Teenie-, Möchtegernnerd- und Hobbylosen-Sport hat meine Freundinnen erwischt. «Wir waren in der Voliere, haben Pokémons gejagt. Und dann …» Dann haben meine Ohren leider den Betrieb eingestellt.

Wandern und Spazieren – nun sind sogar diese Momente der Ruhe, Naturverbundenheit und der körperlichen Ertüchtigung dem Trend verfallen. «Auf dem Pilatus hat es eine Arena.» Scheint irgendwas Wichtiges zu sein.

Vor dem Stadtkeller scheint ebenfalls eine solche unsichtbare Arena zu stehen – oder ein Pokémon-Muttertier mit gebärfreudigem Becken. Schon am Nachmittag stehen und sitzen hier und in den angrenzenden Gassen die Süchtigen. Vor allem die Jugend, aber auch erstaunlich viele Touristen, welche sich neuerdings lieber der virtuellen Jagd anstatt jener nach realen Sehenswürdigkeiten widmen.

Auch Touristen mögen es in Luzern – solange sie jagen können. (Bild: jav)

Auch Touristen mögen es in Luzern – solange sie jagen können. (Bild: jav)

Eine seltsame Sprache klingt über den Platz. Seufzen, Aufheulen ist zu hören. Ein Gefluche über Pokébälle und nicht gefangene, japanisch klingende Wesen.

Vielleicht hat dieser Trend ja tatsächlich gute Auswirkungen auf gewisse Menschen – mein Mitarbeiter zum Beispiel, der geht jetzt mittags spazieren. Spazieren! Ein Mensch, der früher gern als Speck verkleidet übergewichtigen Dartsspielern beim Pfeilewerfen zuschaute, geht neuerdings lieber spazieren. Eigentlich ja nicht schlecht.

Achtung Unfall!

Und auch in den USA, wo man bei vielen Menschen bestimmt nichts gegen etwas Spazieren einwenden kann, laufen schon Tausende wie ferngesteuerte Schafe in dieselbe Richtung. Menschen hechten aus Fahrzeugen, lassen sie mitten auf der Fahrbahn stehen, rempeln sich gegenseitig aus dem Weg. Unfälle, Pokémon-Fanatische hinter dem Steuer – hört sich nach viel Spass an.

So geht’s:

Natürlich habe ich mich auch etwas über das Spiel informiert. Und so viel dazu: Diese Menschen suchen virtuelle Wesen, um sie in einem virtuellen Sack an einem virtuellen Gürtel zu sammeln und dann irgendwann – nachdem sie ihre Sporen als PokémonGo-Newby abverdient haben – im hunderttausendsten Level auf andere virtuelle Wesen loszulassen, welche andere Menschen in ihren virtuellen Säcken halten. Hört sich aufregend an.

Wir haben als Halbstarke noch richtig gekämpft. Und hatten echte Haustiere. Weder ein Tamagotchi noch ein Gameboy, keine Xbox, XYbox oder Playstation Wii schaffte es je in unseren Haushalt.

Aber – man soll ja bekanntlich mit der Zeit gehen: Ich finde deshalb jetzt erst mal heraus, wofür dieses Snapchat gut sein soll. Sollte ich in den nächsten Tagen den Sinn hinter diesem dementen Chatverlauf begreifen, dann jage ich vielleicht auf dem Handy einer Freundin mal so einen Vogel. Oder ich spiel für sie eine Runde Tinder. Da wird man immer so schön fies. Und dann hoffe ich, dass der Hype um diese Viecher bald wieder vorbei ist.

Es sympathisches Hobby, nicht? (Bild: jav)

Es sympathisches Hobby, nicht? (Bild: jav)

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1 Kommentare
  1. Patrick Fuchs, 21.07.2016, 14:24 Uhr

    Grandios, geht mir genau auch so, wenn ich die Pombies beobachte… was ist nur passiert?