Platz frei für radelnde Gesetzeshüter
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Sitzen fest im Sattel: Bike-Polizisten auf einer Kontrollfahrt. (Bild: Symbolbild fotolia.com)

Luzern setzt neu auf Bike-Polizei Platz frei für radelnde Gesetzeshüter

4 min Lesezeit 1 Kommentar 21.04.2015, 16:36 Uhr

Sie sind in der Stadt oft schneller und beweglicher als ihre Kollegen im Auto oder zu Fuss. Nun setzt auch Luzern auf die Velo-Polizei. In Städten wie Zürich oder Bern hat man damit gute Erfahrungen gemacht – einzig die Kiffer fanden es nicht lustig.

Ab Juni wird die Polizei in der Stadt Luzern nicht mehr nur mit dem Auto oder zu Fuss, sondern auch auf Bikes für Recht und Ordnung sorgen. «Schnell und flexibel wird die neue Einsatztruppe sein. Mit dem neuen Einsatzmittel wird zwischen Fusspatrouille und motorisiertem Einsatzmittel eine Lücke geschlossen», teilt an diesem Dienstag die Luzerner Polizei mit.

Wie viele Polizisten auf dem Sattel künftig durch die Stadt radeln, für welche Einsätze sie in Frage kommen oder was das kostet, sagt die Polizei noch nicht. Sie verweist auf eine entsprechende Infoveranstaltung, diesen Freitag an der Luga. Um 13.30 Uhr will sie am Stand 600 in der Halle 6 die Medien detailliert über das Projekt informieren.

Schneller, beweglicher, ökologischer

In der Stadt Luzern hat 2008 das dazumals zuständige Stadtparlament die, von der CVP gewünschte, Einführung der Bike-Polizei knapp abgelehnt. Dass der Kanton, der seit der Fusion von Stadt- und Kantonspolizei das Sagen hat, nun auf die velofahrende Einsatztruppe zurück kommt, freut die damalige Initiantin und heutige CVP-Fraktionschefin Franziska Bitzi Staub. «Ich findes es gut, dass die Polizei nun die Vorteile erkannt hat. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass in Städten die Bike-Polizei als Alternative zu den Fuss- und Autopatrouillen einen Mehrwert bringt.» Die Vorteile seien schnellere Fortbewegung als zu Fuss, leichtere Kontrolle enger Wege, mehr Bürgernähe und Umweltfreundlichkeit.

75 Velopolizisten in Zürich

Luzern wäre zwar der erste Zentralschweizer Kanton, der Velo-Polizisten einsetzt. In anderen Kantonen aber kennt man solche Einsatztruppen schon länger. In der Stadt Zürich etwa sind diese bereits seit 2007 im Einsatz. Und die Erfahrungen sind rundum positiv, wie Judith Hödl von der Medienstelle der Zürcher Stadtpolizei auf Anfrage von zentral+ sagt: «Momentan haben wir 75 Mitglieder. Gestartet ist die Stadtpolizei mit rund 40 Polizistinnen und Polizisten. Die Bike-Polizei ist sowohl Polizei intern wie auch in der Bevölkerung sehr beliebt.»

«Die Bike-Polizei ist sowohl intern wie auch in der Bevölkerung sehr beliebt.»

Judith Hödl, Medienstelle Zürcher Stadtpolizei

So sehen die Zürcher Velo-Polizisten aus.

So sehen die Zürcher Velo-Polizisten aus.

(Bild: Stadtpolizei Zürich )

 

Unterwegs in Hinterhöfen

Grundsätzlich erhält eine Bike-Patrouille in Zürich laut Hödl die gleichen Aufträge wie ein Streifenwagen. «Sie ist ein zusätzliches mobiles Element, das in verschiedenen Stadtkreisen für Aufträge im Rahmen der Grundversorgung eingesetzt werden kann; vorwiegend in See- und Parkanlagen, Naherholungs- und Waldgebieten, Hinterhöfen und Freizeitanlagen.»

Sehen Sie ein Youtube-Video über die Zürcher Velopolizisten.

Auch Winterthur kennt die radelnden Gesetzeshüter schon seit 2009. Ihre häufigsten Einsätze liegen laut einem NZZ-Artikel im niederschwelligen Bereich, im Vordergrund stehen Personenkontrollen, Beobachtungen und seltener auch Verhaftungen. «Zugute kommt ihnen dabei, dass sie in der Innenstadt jede Abkürzung nutzen und bei Bedarf überraschend schnell zur Stelle sind, direkt vor dem ‹Klienten›», schreibt die Zeitung weiter. Ein weiterer Vorteil der Bike-Polizei sei zudem die sichtbare Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit, welche das Sicherheitsgefühl erhöhe.

Berner riechen Kiffer besser

Auch die Kantonspolizei Bern setzt in den Städten seit 2012 vermehrt auf Velopatrouillen. In Bern, Burgdorf, Langenthal und Interlaken sind Polizisten seither regelmässig auf Velos unterwegs. In Biel gehört die «Bike Patrol» laut «Bund» schon seit 2002 zum Stadtbild. Ein Vorteil der Bike-Polizei dürfte nicht allen Stadtnutzern willkommen sein. «Wir bekommen mehr mit. Zum Beispiel riechen wir den Kiffer, den wir aus dem Polizeiauto nicht wahrnehmen würden», sagt ein Berner Velopolizist der Zeitung weiter.

Spezielle Schulung nötig

Ohne Vorbereitung wird laut «Bund» kein Polizist mit dem Fahrrad auf Patrouille geschickt: Die Ausbildung dauert zwei Tage. Darin lernt man Fahrtechnik, aber auch taktisches Verhalten. Zum Beispiel üben die Polizisten, wie das Fahrrad bei einer Personenkontrolle hingestellt werden muss oder wie man sich mithilfe des Fahrrads verteidigen kann. Nebst dieser Grundausbildung müssen die allesamt jungen, sportlichen Fahrradpolizisten jährlich einen Fortbildungskurs absolvieren.

Die Vorreiter bei der Velo-Polizei sind die Basler. Diese setzten seit 1997 auf Zweirad-Polizisten. Dazumal allerdings noch mit mässigem Erfolg, die Velo-Polizei wurde faktisch eingestellt. Laut älteren Medienberichten sitzt die Basler Polizei jedoch seit 2010 wieder fest im Sattel, etwa 40 Mann umfasst dort nun die Velo-Polizei.

Mit Kameras bestückt

Technologisch am Fortschrittlichsten ist laut älteren Medienberichten die Polizei im deutschen Freiburg im Breisgau. Diese hat 2006 ihre Polizei-Velos mit Kameras bestückt. So können Vergehen etwa im Strassenverkehr niet- und nagelfest dokumentiert werden. Wer die Vorwürfe bestreitet, wird noch vor Ort mit dem Filmmaterial konfrontiert. Umgesetzt wurde diese Massnahme, weil es immer mehr Velounfälle gegeben hat. Ob auch die Luzerner Polizeivelos mit Kameras bestückt werden? Auch dazu werden die Verantwortlichen diesen Freitag an der Luga Auskunft geben.

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1 Kommentare
  1. Beatrix Kälin, 21.04.2015, 20:50 Uhr

    «Das Wichtigste ist, dass man die Kiffer riechen kann!!! »
    Hört doch auf, Kiffer tun niemandem etwas! Die pöbeln auch nicht rum!

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