Pius Meier: «Mir wurde ein zweites Leben geschenkt»
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Pius Meier will sich in Zukunft mehr auf seine Gesundheit und die Familie konzentrieren. (Bild: zvg)

Gemeindepräsident von Oberägeri tritt zurück Pius Meier: «Mir wurde ein zweites Leben geschenkt»

3 min Lesezeit 03.12.2020, 18:11 Uhr

Der Gemeindepräsident von Oberägeri Pius Meier gibt sein Amt ab, nachdem er schwer an Corona erkrankt war. Das fällt ihm alles andere als leicht. Gegenüber zentralplus erzählt er, wie er gegen die Folgen der Krankheit kämpft und was er über den Oberägerer Einwohner und Corona-Skeptiker Marco Rima denkt.

In der ersten Welle ist Pius Meier, der Gemeindepräsident von Oberägeri, an Corona erkrankt. Bei ihm nahm die Krankheit einen besonders schweren Verlauf. Da er noch immer mit den Folgen kämpft, tritt er Ende März zurück (zentralplus berichtete). Einen konkreten Auslöser dafür habe es aber nicht gegeben, erklärt er auf Anfrage. «Es war ein schleichender Prozess. Die Batterien wurden immer schneller leer und die Erholungsphasen nahmen je länger je mehr Zeit in Anspruch.»

Dass er nun zurücktritt, fällt Meier offensichtlich nicht leicht. «Wer mich kennt, weiss, dass ich mein politisches Amt und die damit verbundenen Verpflichtungen mit Leib und Seele ausführe. Gerne hätte ich die Legislatur beendet. Der Entscheid ist mir deshalb sehr, sehr schwer gefallen.»

«Mein Verlauf begann mit leichten Symptomen und endete in einem Kampf ums Überleben.»

Pius Meier, Gemeindepräsident Oberägeri

Dabei stieg Meier bewusst nicht gleich wieder voll in den Politikalltag ein. Schrittweise habe er Dossiers übernommen. Doch das geht jetzt nicht mehr. «Aktuell arbeite ich in einem 30-Prozent-Pensum, übernehme aber keine neuen Dossiers.»

Nun will er sich auf seine vollständige Genesung konzentrieren. Das brauche Zeit. «Und die muss ich mir nun nehmen.» Wo sich Meier damals angesteckt hat, weiss er selbst nicht genau. Das spiele auch keine Rolle mehr, sagt er. Doch wie es dann weiterging, das prägt Meier noch heute: «Mein Verlauf begann mit leichten Symptomen und endete in einem Kampf ums Überleben.» Weitere Details möchte er nicht nennen. Doch: «Mir wurde ein zweites Leben geschenkt, das setze ich nicht leichtsinnig aufs Spiel. Das bin ich mir, meiner Familie und auch der Bevölkerung schuldig.»

Sein wohl bekanntester Einwohner ist Corona-Skeptiker

Langsam, aber stetig gehe es nun vorwärts. «Ich kämpfe mich täglich zurück in den Alltag – mit Physiotherapie, diversen Arztbesuchen usw.» Von seiner Leistungsfähigkeit vor Corona sei er jedoch noch weit entfernt.

Das klingt nach einschneidenden Erlebnissen. Ein Virus, das einen beinahe das Leben kostet. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie davon betroffene Menschen über jene denken, die sich gegen die Maskenpflicht wehren oder das Virus für halb so schlimm halten. Und ausgerechnet in Oberägeri wohnt ein prominenter Corona-Skeptiker, nämlich der Komiker Marco Rima, der bereits mit öffentlichen Auftritten an Demos für Kritik sorgte (zentralplus berichtete).

«Ich will keine Energie verschwenden, um mir über eine solche Haltung oder Einstellung Gedanken zu machen.»

Pius Meier

Was denkt der Gemeindepräsident über seinen bekannten Einwohner? «Wir leben zum Glück in einer Demokratie und alle dürfen frei ihre Meinung äussern», sagt Meier. Aber: «Ich muss mich jetzt auf meine Genesung konzentrieren, das ist absolut prioritär. Da will ich keine Energie verschwenden, mir über eine solche Haltung oder Einstellung Gedanken zu machen. Würde ich dies dennoch tun, könnte ich aus persönlicher Erfahrung argumentieren und nicht auf Basis zweifelhafter Theorien.» Ganz spurlos geht Marco Rimas Einstellung am Gemeindepräsidenten offenbar doch nicht vorbei. Dennoch findet er, dass unterschiedliche Meinungen in einer Demokratie Platz haben müssen.

Seine Energie will Meier in die Genesung wie auch in die Zukunft investieren – und die Familie. «Sie mussten in den vergangenen Jahren grosse Entbehrungen auf sich nehmen», sagt er und freut sich darauf, künftig mehr Zeit mit den Seinen zu verbringen.

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