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Pilatus Arena: Jetzt liegt der Ball beim Volk
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Geballte Freude: Nick Christen vom Handballclub HC Kriens-Luzern (von links), Baudirektorin Manuela Jost und Toni Bucher von der Sarner Baufirma Eberli. (Bild: lwo )

Luzerner Stadtparlament will Multifunktionshalle Pilatus Arena: Jetzt liegt der Ball beim Volk

9 min Lesezeit 1 Kommentar 17.12.2015, 14:46 Uhr

Eine klare Mehrheit im Stadtparlament unterstützt das Projekt einer multifunktionalen Sport- und Eventhalle im Krienser Mattenhof. Die Finanzierung bleibt aber ungewiss. Ordentlich einstecken mussten in der Debatte der Stadtrat sowie einer, der gar nicht anwesend war. Spannend ist auch die Rolle von alt Stadtrat Kurt Bieder. Und jene der Krienser Linken.

«Das ist ein super Resultat, wir freuen uns wahnsinnig», sagte nach der rund dreistündigen Debatte im Luzerner Stadtrat der als Besucher anwesende Nick Christen, CEO Handballclub Kriens-Luzern. Christen leitet die Projektgruppe, welche die geplante Pilatus Arena dereinst betreiben will.

«Das Resultat fiel erstaunlich klar aus, das ist ein sehr gutes Zeichen», freute sich Baudirektorin Manuela Jost, die froh war, dass das Parlament dem Stadtrat bei diesem Prestigeprojekt gefolgt war.

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«Wir sind sehr zufrieden und sehen uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagte Toni Bucher, CEO der Baufirma Eberli Sarnen AG, welche die Pilatus Arena realisieren möchte. Auch er war vor Ort, als das Parlament tagte.

Kurzum: Die Freude war sehr gross, als das Stadtparlament an diesem Donnerstagvormittag grünes Licht gab für das ambitionierte Grossprojekt auf dem Krienser Mattenhof, genau an der Grenze zur Luzerner Allmend und zu Horw. Aber nun schön der Reihe nach.

Mangel an Sportflächen decken

Es kam, wie es zentral+ vorausgesagt hat: Das Luzerner Stadtparlament stimmt dem Kaufrechtsvertrag für das Mattenhof-Areal an die Firma Eberli Sarnen AG zu. Und zwar deutlich mit 30 Ja- gegen 13 Nein- Stimmen bei einer Enthaltung. Dagegen waren Teile der SP sowie fast geschlossen die Grünen. Damit können Eberli und Nick Christen mit den Arbeiten an der Pilatus Arena weiterfahren. Diese multifunktionale Halle mit bis zu 4000 Plätzen soll den grossen Mangel an Sportflächen in der Region decken. Um kostendeckend wirtschaften zu können, sollen zudem Events wie Konzerte oder Tagungen durchgeführt werden.

Auf der grossen braunen Brache rechts zwischen Brändi Horw und dem Kreisel soll die Grossüberbauung samt Eventhalle realisiert werden.

Auf der grossen braunen Brache rechts zwischen Brändi Horw und dem Kreisel soll die Grossüberbauung samt Eventhalle realisiert werden.

Finanzierung ist Knacknuss

Milde Krienser SP

Während in der Stadt Luzern die Grünen sowie ein Teil der SP die Pilatus Arena bekämpfen, sieht die Situation bei den Krienser Linken entspannter aus. Wichtig ist dies, weil die Linken in Kriens das Referendum gegen den Bebauungsplan ergreifen und so eine weitere Volksabstimmung erzwingen könnten. Peter Fässler (SP Kriens) sagt: «Im Detail haben wir die Saalsporthalle noch nicht diskutiert. Aber nach der Informationsveranstaltung von diesem Frühling habe ich die Fraktion über das Projekt informiert. Dabei war eine grundsätzlich positive Haltung spürbar. Speziell, weil wir auch positive Aspekte für die Gemeinde Kriens sehen.» Die abschliessende Haltung der SP soll an einer Mitgliederversammlung gefällt werden. Die Haltung der Krienser Grünen ist noch unklar.

Mit dem Ja des Stadtparlaments wird Eberli ein Kaufrecht für das 13’000 Quadratmeter grosse Areal eingeräumt. Kostenpunkt: 18 Millionen Franken. Zuerst muss Eberli aber aufzeigen, ob das Projekt überhaupt finanziert werden kann. Das ist knifflig, weil die 30-Millionen-Halle nur durch das auf dem gleichen Areal geplanten 80-Meter-Hochhaus querfinanziert werden kann. 20 Millionen sollen durch den Mehrwert des Hochhauses für die Finanzierung der Halle zustande kommen. Den Rest sollen Private, Kanton und Bund aufbringen. Keine Gemeinde muss sich finanziell daran beteiligen. Auf einer Skala von eins bis zehn schätzt Toni Bucher die Realisierungschancen auf acht ein.

Gelingt Eberli der Nachweis der Finanzierung innert der Frist von zehn Jahren nicht, ist das Projekt gestorben und das Grundstück auf dem Krienser Mattenhof fällt an die Stadt zurück. Eberli zahlt nun der Stadt pro Jahr 100’000 Franken, und zwar so lange, bis feststeht, ob die Pilatus Arena gebaut werden kann. Erst falls dies Tatsache ist, geht das Areal definitiv an Eberli über. Die gesamte Überbauung würde nebst der Pilatus Arena auch Wohnungen und Büros beinhalten und rund 200 Millionen Franken kosten.

Allerdings kann auch das Volk mitreden. Am 28. Februar stimmt es über den Kaufrechtsvertrag ab. Anschliessend muss sich auch die Krienser Politik und – je nach dem, ob gegen die Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) Referendum ergriffen wird, auch noch die Krienser Bevölkerung damit auseinandersetzen. Frühstmögliche Eröffnung könnte 2019 sein.

Zuversicht in Volksabstimmung

Toni Bucher wertet das klare Ja im Stadtparlament wohl zu Recht auch als Indiz, dass das Volk dem Vertrag ebenfalls zustimmen wird. «Die Leute verstehen, was wir hier mit unserem Private-Partnership-Projekt vorhaben», sagt er überzeugt. Nämlich eine Halle unter anderem für den Breiten- und Spitzensport zu bauen, ohne dass sich die öffentliche Hand daran beteiligen muss. Sagt das Volk Ja, soll bereits im Juli der Sieger aus einem Architekturwettbewerb präsentiert werden.

Bieder hat vermittelt

Anwesend war an diesem Donnerstag im Rathaus am Kornmarkt auch ein Besucher, der jahrelang selber Stadtrat war: alt Baudirektor Kurt Bieder. Bieder arbeitet bekanntlich seit seinem Ausscheiden aus dem Stadtrat 2012 als Mediator und Rechtsanwalt. Er war es auch, der in dieser Zeit die neuen Allmendbauten Stadion, Hochhäuser und Hallenbad durchboxte, die von der Baufirma Eberli realisiert wurden. Nun schloss sich also der Kreis wieder, denn Eberli wollte von der Erfahrung und wohl auch vom Einfluss Bieders profitieren und engagierte ihn als Mediator. «Ich habe Eberli nun drei Jahre begleitet und ihnen dabei erklärt, was der Stadt wichtig ist; und der Stadt habe ich erklärt, was den Investoren wichtig ist.» Was Bieder in der ganzen Stadtratsdebatte vermisst hat: «Die Firma Eberli geht ein erhebliches Risiko ein und wird wohl insgesamt Vorleistungen im Umfang von einer Million Franken leisten. Auf eigenes Risiko. Wenn die Finanzierung der Pilatus Arena nicht sichergestellt werden kann, ist dieses Geld verloren.» Das, findet Bieder, solle man doch auch anerkennen.

Heftige Kritik am Stadtrat

Vor der mit Namensaufruf ausgetragenen Abstimmung im Stadtparlament (siehe Video) gaben sich die Parteien noch Saures. Die Voten waren grösstenteils dieselben, die zentral+ zuvor bereits eingeholt hat (siehe Artikel). Deshalb hier nur noch die Kurzversion. Den Auftakt machte Josef Schärli von der SVP. Das Projekt sei perfekt. «Der Kaufpreis scheint uns angemessen. Die Allmend ist bereits ein Sportgebiet, das Mattenhofareal ist gut erschlossen, und die Finanzierung erfolgt nicht durch die Stadt.» Diese Chance müsse man packen.

«Eine 2000-Watt-Siedlung würde dort viel besser passen.»

Christian Hochstrasser, Grossstadtrat Grüne

Ähnlich sah es René Peter (FDP), auch er betonte die vielen positiven Aspekte des Projekts. «Die Halle passt sehr gut zur Allmend.» Allerdings kritisierte er auch das angeblich passive Vorgehen des Stadtrates in Bezug auf das Mattenhofareal. «Mit einem freien Investorenwettbewerb wären eventuell noch bessere Projekte zustande gekommen.»

Die Kritik am Stadtrat teilte auch Christian Hochstrasser (Grüne) – vom Projekt selber aber wollte er nichts wissen. Hochstrasser monierte, dass sich der Stadtrat kaum Gedanken über die optimale Entwicklung des Mattenhofareals gemacht habe. «Das überlässt er einfach den Investoren. Zudem will die Stadt das Areal möglichst teuer verkaufen. Eberli macht dabei sicher ein gutes Geschäft.» Deshalb stellte Hochstrasser den Antrag, das Geschäft zurückzuweisen und nochmals über die Bücher zu gehen. Auch, weil er überzeugt ist: «Eine 2000-Watt-Siedlung würde dort viel besser hinpassen.»

SP ist uneins

Daniel Furrer (SP) musste eine gespaltene SP-Fraktion vertreten. Die eine Seite befürworte die Pilatus Arena, die andere lehne sie ab. Sein Fett ab kriegte seitens der SP auch der Stadtrat. «Das Geschäft zeigt, wie planlos der Stadtrat agiert. Es gab nie ein Gesamtkonzept für diese Gegend. Einig sei sich die SP immerhin, dass der Buchgewinn für künftige Landverkäufe reserviert werden müsse.

Andras Özvegyi (GLP) lobte die Vorteile des Projekts. «Es geht um eine Basis für eine grosse Saalsporthalle. Diese wird von vielen Sportvereinen seit Jahren gewünscht. Wir möchten das Engagement aus Sportkreisen nicht abwürgen, sondern unterstützen.» Sozialer Wohnungsbau habe für die GLP dort keine Priorität.

«Roth behauptet, es würde keine politische Auseinandersetzung mit dem Projekt stattfinden – was genau machen wir dann hier?»

Markus Mächler, Grossstadrat CVP

Albert Schwarzenbach (CVP) rief in Erinnerung, dass die CVP bereits vor neun Jahren eine Saalsporthalle gewünscht habe. Und dass die Pilatus Arena ohne Hochhaus nicht finanziert werden könnte. «Das ist jetzt und an diesem Ort möglich, an anderen Orten wohl nicht.»

Verbale Haue gabs auch für einen, der gar nicht anwensend war: SP-Präsident David Roth. Denn dieser macht seit kurzem auf sozialen Medien gegen die Pilatus Arena mobil. Im Namen der SP, obschon die Partei gespalten ist, und mit sehr, sehr markigen Worten.

Mit diesem Facebook-Post löste SP-Präsident David Roth eine Kontroverse aus:

Diese Pilatus Arena finde ich unter allen Traktanden unhaltbar: 1. Die Stadt Luzern soll eine ihrer letzten Landreserven …

Posted by David Roth on Dienstag, 15. Dezember 2015

 

Markus Mächler (CVP) «lupfte es» darob den Hut. «Roth behauptet, es würde keine politische Auseinandersetzung mit dem Projekt stattfinden – was genau machen wir dann hier?»

Für einen herzhaften Lacher sorgte mal wieder SVP-Fraktionschef Marcel Lingg: «Ich versuche, die Grünen zu begreifen. Das ist ja sonst schon nicht einfach. Aber jetzt ist es gerade sehr schwer: Denn euch ist doch der Verkehr immer so wichtig. Und die Pilatus Arena ist doch perfekt an den öV angeschlossen. Und trotzdem seit ihr dagegen.»

«Ein Projekt für die nächste Generation»

Dann durfte natürlich auch noch Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost ran: «Der Stadtrat ist sehr überzeugt von diesem Projekt. Es ist eins für die nächsten Generationen und schafft die Voraussetzungen für Hallensport auf höherem Niveau. Das gewichtet der Stadtrat hoch.» Allerdings räumte Jost dann ein, dass das Parlament im vorliegenden Fall nicht extrem stark mit einbezogen worden sei. Dann teilte auch Jost aus: «Ich weise den Vorwurf in aller Form zurück, dass wir einfach das erstbeste Angebot angenommen hätten.»  Die Realisierung der Pilatus Arena sei für den Stadtrat höher zu werten, als das Grundstück auf den Markt zu werfen und einfach dem Höchstbietenden zu verkaufen.

Auf Antrag fand die Abstimmung zur Pilatus Arena unter Namensaufruf statt. Das kommt sehr selten vor. Hier sehen Sie im Video, wie sowas abläuft:

Gemeinde Kriens freut sich

Das Mattenhof-Grundstück II, wo die Pilatus Arena geplant ist, gehört zwar der Stadt Luzern. Es liegt aber auf Krienser Boden. Deshalb ist der Entscheid des Luzerner Stadtparlaments für die Gemeinde Kriens von enormer Bedeutung, wie Gemeindeammann Matthias Senn auf Nachfrage von zentral+ sagt:

zentral+: Matthias Senn, was sagen Sie zum Pro-Pilatus Arena-Entscheid diesen Donnerstag durchs Luzerner Stadtparlament?

Matthias Senn: Wir freuen uns, weil damit eine erste wichtige Hürde genommen ist. Ein Ja der Stadtluzerner Stimmberechtigten am 28. Februar wird dann die zweite Hürde sein.

zentral+: Welche Bedeutung hat das Projekt für Kriens?

Senn: Für die Identität eines neuen und lebendigen Stadtteils wie LuzernSüd braucht es öffentlich zugängliche Nutzungen. Es braucht Leuchttürme aus den Bereichen Kultur und Sport. Solche neuen Leuchttürme werden die Musikhochschule mit Konzertsaal und Jazzlounge beim Südpol und die Pilatus Arena für Sport und Events auf dem Areal Mattenhof II sein.

Es gibt ein neues Zuhause für den Handballverein Nr. 1 der Zentralschweiz: den HC Kriens-Luzern, der damit ganz andere Entwicklungsperspektiven hat. Die Mantelnutzungen wie Wohnungen und Büros werden ihren wichtigen Beitrag für die Entwicklung des Standorts Mattenhof, des Gebiets LuzernSüd und der Gemeinde Kriens leisten.

zentral+: Welches sind die nächsten Schritte für die Gemeinde Kriens, um das Projekt bewilligungsfähig zu machen?

Senn: Die in diesem Jahr erarbeitete Vertiefungsstudie Mattenplatz enthält konzeptionelle Überlegungen zu den Arealen um den Kreisel Mattenhof. Diese konzeptionellen Überlegungen werden in einer nächsten Planungsphase zu städtebaulichen Richtlinien weiterberarbeitet. Die Richtlinien können dann als Grundlage für den Architekturwettbewerb verwendet werden. Der Bebauungsplan wird erst nach Vorliegen des Siegerprojekts des Architekturwettbewerbs ausgearbeitet.

zentral+: Rechnet die Gemeinde damit, dass in Kriens das Referendum gegen den Bebauungsplan ergriffen werden könnte?

Senn: Das Risiko besteht theoretisch immer. Ich teile allerdings die Einschätzung im aktuellen Artikel von zentral+ nicht ganz. Die Situation kann überhaupt nicht mit Eichhof West verglichen werden. Das 80-Meter-Hochhaus ist im Rahmen der Ortsplanungsrevision öffentlich aufgelegen und es hat keine einzige Einsprache dagegen gegeben. Der Einwohnerrat hat dann in der 2. Lesung die 80 Meter mit der Errichtung einer öffentlichen Einrichtung verknüpft und dabei die Saalsporthalle gemeint. Damit haben wir bereits ein positives Bekenntnis des Parlaments. Die politische Ausgangslage ist also in Kriens sehr gut und ich bin optimistisch, dass der Bebauungsplan im Einwohnerrat gut ankommt, wenn das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs überzeugt.

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1 Kommentare
  1. Sam Pirelli, 17.12.2015, 15:36 Uhr

    … dass Bieder, Luzerner Meister der Günstlingswirtschaft, seine Klauen auch hier drin hat. Habt ihr schon vergessen, wie er als Präsident der Baukommission im Stadtparlament die Umzonung der Boa-Nachbarschaft durchgeboxt hat – und zugleich Rechtsanwalt Jost Schumachers war, der eben diese Umzonung wollte? Zum Dank wurde er dann Baudirektor. Und wie viel Tafelsilber zu welchen Schleuderpreisen dann verhökert wurde, sollte doch noch einigen erinnerlich sein.
    Fürwahr – der rechte Filz. Roth hat völlig recht!